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Ihre Kur – Ihre Chance

Moderne Kur- und Rehabilitationsprogramme sind ganz auf Ihr persönliches gesundheitliches Problem abgestimmt und bieten – wenn Sie sie wahrnehmen – eine echte Chance auf einen Neustart mit einem gesünderen Lebensstil.


„Noch im Mai war es Wetter, wie sonst im März. Endlich erbarmte sich der Himmel, und am letzten Tage des Wonnemonats siedelte ich nach dem bekannten Schwefelbade Langenbrücken zwischen Heidelberg und Karlsruhe über. Fast fünf Wochen lang gebrauchte ich diese Kur, trank jeden Morgen 3–4 Glas Schwefelwasser, dessen eigenthümlicher Geschmack sich allmälig für die Zunge verliert. Täglich saß ich in dem dichtgeschlossenen Inhalationssaale und athmete der Vorschrift gemäß trockenes Gas und Gas mit Wasserstaub ein. Interessant war es zu schauen, wie die Kurgäste rings um ein großes Becken oder Bassin saßen und das an einer Glasplatte zerstäubte Schwefelgas mit Gier in langsamen Zügen einathmeten, dann wieder in den schön angelegten Lindenpromenaden frische Luft schöpften, um nach einer Viertel- oder halben Stunde das Werk von Neuem zu beginnen. Einen schrecklich komischen Anblick machten die Herren und Frauen, die mit weitgeöffnetem Munde ihre kranken Halstheile dem zerspritzten Schwefelwasser darboten oder zur Heilung ihrer Flechten und Kupfernasen das edle Haupt benetzen ließen. Man kann Vieles thun, wenn es hilft und es hat Manchen geholfen.“

Kuren damals ...

Diesen bunten Ausschnitt über seine „Erlebnisse in Kurorten und auf Reisen“ schrieb ein gewisser
Wilhelm Ziebold in der Wochenschrift „Volksblatt“ im Jahr 1878, und er liefert uns damit einen interessanten Einblick in das heute etwas seltsam anmutende Kurwesen des 19. Jahrhunderts. Tatsächlich lässt sich die Geschichte der Kur aber schon bis in die Antike hinein zurückverfolgen. Schon damals war etwa das Baden in Thermalquellen eine verbreitete Methode zur Linderung von Schmerzen und zur Behandlung verschiedener Erkrankungen. Auch die gesundheitsfördernde Wirkung von Massagen und körperlicher Bewegung ist in vielen Kulturkreisen seit mehreren tausend Jahren bekannt.

... und heute

Heute ist der Anspruch auf kurmedizinische Maßnahmen gesetzlich geregelt und nahezu unabhängig vom finanziellen und gesellschaftlichen Status einer Person. Dennoch: Auch in unseren Tagen beruhen wesentliche Elemente moderner kurmedizinischer Anwendungen auf sehr alten Überlieferungen, aber dieses alte Wissen wird auch entscheidend durch die Erkenntnisse der modernen Medizin ergänzt.
Ein Kuraufenthalt bietet heute nicht nur die Möglichkeit, dem individuellen gesundheitlichen Problem effektiv zu begegnen, sondern auch sich, seinem Körper und Geist langfristig etwas wirklich Gutes zu tun. „Eine Kur bietet auch die Chance, mit schlechten Angewohnheiten, die der Gesundheit schaden, zu brechen“, betont der Präsident des Verbandes der Österreichischen Kurärzte, Dr. Wolfgang Foisner.

Mit Alltagssünden brechen

Tatsächlich ist die Liste der Alltagssünden, die wir alle immer wieder begehen, lang. Rauchen, Bewegungsmangel und einseitige Ernährung stehen dabei wohl an oberster Stelle. Und: Diese Faktoren stellen ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Co dar. Wie auch die Weltgesundheitsorganisation WHO festhält, gehen 60 Prozent der Todesfälle auf chronische Leiden wie Herzerkrankungen, Diabetes, Krebs und Atemwegserkrankungen zurück. Das Stichwort lautet daher „Lebensstiländerung“, und sie hat nachhaltig positive Folgen: „Je weniger gesundheitsschädliche Verhaltensmuster Ihren Alltag prägen, desto geringer ist die Gefahr chronischer Erkrankungen“, sagt der Experte Foisner. Er plädiert ausdrücklich dafür, Kuraufenthalte ganz bewusst dafür zu nutzen, den eigenen Lebensstil kritisch zu analysieren und dort, wo es Probleme gibt, anzusetzen. „Wenn man drei Wochen lang Zeit hat, in denen man ganz von der Alltagsroutine abschalten kann, so ist dies eine optimale Gelegenheit für langfristige und nachhaltige Veränderungen.“

Gesundsein erlernen

Dies alles hat wenig mit dem alten Bild von Kuren zu tun, wie auch Prim. Dr. Johannes Püspök, Ärztlicher Leiter des Gesundheits- und Rehabilitationszentrums Moorheilbad Haarbach und des Lebens.Resort Ottenschlag im Waldviertel, betont. „Früher verband man mit dem Begriff der Kur ein paar Anwendungen, Entspannung und Erholung. Natürlich ist letzteres auch heute noch immer in einer Kur mit inbegriffen, doch geboten werden auch hoch effektive Therapien und zeitgemäße Präventionsangebote, die helfen, Krankheiten vorzubeugen und eine gesunde Lebensweise zu erlernen, die man auch im Alltag gut beibehalten kann.“ Die drei neuralgischen Themen Ernährung, Bewegung und Stressbewältigung haben dabei hohe Priorität, und sie werden ganzheitlich betrachtet, denn eine Kur ist kein „Reparaturprogramm“ mit rein biologischen Parametern, sondern es geht darum, Körper, Geist und Seele in ihrer Einheit und ihrem Zusammenwirken zu sehen, zu stabilisieren und so den Gesamtzustand zu verbessern. Püspök: „Drei Wochen sind eine gute Zeitspanne, um sich neu zu programmieren. Zahlreiche – aktive wie passive – Behandlungen und Programme können dabei helfen.“ Helfen können auch Ärzte und Therapeuten, die sich intensiv um das Wohl der ihnen anvertrauten Patienten kümmern.

Reha und Lebensverlängerung

So etwa bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei denen allerdings oft auch eine echte Rehabilitation erforderlich ist. Geboten wird Derartiges etwa im Herz-Kreislauf-Zentrum Groß Gerungs, dessen Ärztlicher Leiter, Prim. Dr. Elmar Wiesinger, Folgendes betont: „Grundsätzlich muss man davon ausgehen, dass die akutmedizinischen Maßnahmen, die zum Beispiel nach einem Herzinfarkt gesetzt werden und gesetzt werden müssen, nur bei einem sehr kleinen Prozentsatz der betroffenen Patienten auch zu einer Lebensverlängerung führen. Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb der nächste fünf Jahre an einem neuerlichen Infarkt zu sterben, liegt bei 30 Prozent. Aber: Eine umfassende Rehabilitation kann diese Möglichkeit wirksam reduzieren.“ Denn es geht um die Beachtung der Risikofaktoren, und der wichtigste Punkt betrifft dabei die Bereitschaft des Patienten, aktiv an seiner Genesung mitzuarbeiten.
„Akutversorgung ist die Akutlösung. Wenn Sie auch länger leben und Ihre Performance erhalten wollen, so sollten Sie unbedingt qualifizierte Reha-Maßnahmen in Anspruch nehmen“, sagt der Experte, und er bringt dazu ein sprechendes Beispiel: „Auch bei einer Waschmaschine macht es keinen Sinn, immer wieder den Heizstab auszutauschen, sondern man muss regelmäßig einen Entkalker verwenden und auch das Basisservice wie vorgeschrieben durchführen lassen.“

Die ganzheitliche Sicht des Menschen

Der wichtigste Schritt bei jeder Prävention und Rehabilitation ist eben die Bereitschaft und der Wille, neu zu beginnen. In Groß Gerungs gibt es ein breites Spektrum an therapeutischen Angeboten, sodass jeder seinen richtigen Weg für diesen Neubeginn finden kann. An oberster Stelle stehen dabei für Herz-Kreislauf-Patienten Bewegungstherapien. Prim. Wiesinger: „Es ist auch wissenschaftlich eindeutig belegt, dass es durch die richtigen Rehabilitationsmaßnahmen einerseits zu einer Verbesserung der Befindlichkeit, andererseits eben auch zu einer Lebensverlängerung kommt.“ Was die Verbesserung der Befindlichkeit betrifft, so kümmert man sich im Herz-Kreislauf-Zentrum auch um die psychische Komponente. Ein Team von Psychologen bietet Beratung, Begleitung und Behandlung an – das Spektrum reicht von Angeboten für Patienten, die eine erstmalige Bewältigungskrise erleben, bis hin zu Betroffenen mit einer schweren chronischen Depression. Dabei wird immer individuell mit dem Patienten gearbeitet, da generell in der Rehabilitation wie auch in der Kur stets individuelle Lösungen erforderlich sind. Wiesinger: „Wir brauchen eine ganzheitliche Sicht, die es erlaubt, alle physischen und psychischen Aspekte zu berücksichtigen und alle medizinischen, therapeutischen und sozialen Komponenten mit einzubeziehen. Dabei kann man naturgemäß nicht alles über einen Kamm scheren.“

Es gibt kein Pauschalrezept

Pauschalrezepte für einen gesünderen Lebensstil kann in der Tat weder die Rehabilitation noch die Kur bieten. „Es ist sehr wichtig, auf die individuellen Lebensumstände und Bedürfnisse einzugehen“, betont auch der Präsident des Verbandes der Österreichischen Kurärzte, Foisner. „Es geht darum, die jeweiligen Probleme genau zu durchleuchten, ihren Schweregrad zu analysieren und die Möglichkeiten, eine Verbesserung der Situation herbeizuführen, auszuloten.“ Entscheidend ist dabei auch, sich realistische Ziele zu stecken. „Wer sich auf Kur drei Wochen lang kasteit und zu Hause erst recht wieder in die alten, ungesunden Verhaltensmuster zurückfällt, hat am Ende nur das Gefühl, versagt zu haben.“

... ohne den Beigeschmack des Verzichts

Lebensstiländerung heißt in der Tat auch lang-
fristige Verankerung der neuen gesünderen Verhaltensweisen in den Alltag, denn die besten Vorsätze sind wertlos, wenn man gar keine realistische Möglichkeit hat, sie zu Hause auch umzusetzen. „Drei Wochen Fasten sind vielleicht eine gesunde Einzelmaßnahme, aber noch keine nachhaltige Lebensstiländerung“, so Foisner, der dazu rät, sich einzelnen Lebensbereichen wie etwa dem Ernährungsverhalten kritisch anzunähern und es so zu verändern zu versuchen, dass nicht gleich der bittere Beigeschmack von Verzicht aufkommt. „Auf einer Kur hat man genug Zeit, die guten Vorsätze zu trainieren und zu verinnerlichen. Im Idealfall ist der neue Lebensstil schon gelebte Normalität, wenn man wieder nach Hause fährt.“

Nutzen Sie die Chance!

Kuren sind tatsächlich ein ideales Präventionswerkzeug, denn – zumindest für einen gewissen Zeitraum – bringen sie den allermeisten eine gute Motivation, das Erlernte auch beizubehalten. Ein gutes Beispiel dafür liefert der Vorsorgemediziner Püspök: „Auf einer Kur kann man etwa eine Bewegungsform erlernen, die einem Spaß macht, und weil sie Spaß macht, ist es auch ein Leichteres, sie weiterzuverfolgen. Suchen Sie sich eine Sportart aus, die Ihnen wirklich zusagt, dann bleiben Sie auch dran. Und nützen Sie die Chance: Denn eine Kur kann Ihr Leben zum Positiven wenden.“

Foto: fotolia

Kur-Infos aus erster Hand

Wohin auf Kur? Umfassende Informationen über das gesamte Angebot hat der Österreichische Heilbäder- und Kurorteverband.
Die Vielfalt an heimischen Kurzentren deckt ein breites Spektrum an Angeboten ab – aber woher weiß man, welche Einrichtung den eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen am besten entspricht?

Beratung und Information bietet der Österreichische Heilbäder- und Kurorteverband, die wichtigste Informationsstelle für heimische Heilbäder, Kurbetriebe, Kurorte und Kneippkureinrichtungen. Für Kur-Interessierte gibt es auch die Broschüre „Kur, Therme, Kneipp in Österreich“, die detailliert Auskunft über alle Kureinrichtungen gibt. Sie enthält außerdem alle Kontaktdaten, das Behandlungs- und Therapieangebot sowie die jeweiligen natürlichen Heilvorkommen.
Österreichischer Heilbäder- und Kurorteverband, Wiedner Hauptstr. 120–124/4/444, 1050 Wien, Tel.: 01/5121904, info(at)oehkv.at, www.oehkv.at