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Herz außer Takt

Immer mehr Menschen leiden an Herz- und Kreislaufproblemen. Eine alternative Sichtweise und sanfte Therapien bietet die Traditionelle Chinesische Medizin.


Unser Herz ist ein leistungsstarkes Wunder der Natur. Pro Minute pumpt es mit 70 Schlägen etwa 5 Liter Blut durch die Arterien. Für das Leichtgewicht ist dies Schwerstarbeit: Im Durchschnitt wiegt unser lebenswichtiger Hohlmuskel nur 400 Gramm. Bei einem derartigen Arbeitspensum braucht unser Herz freilich eine entsprechende Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen, um uns auf Trab zu halten. So funktionell sieht die Schulmedizin die Aufgabe des Herzens.
Gemäß der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) steuert das Herz auch unseren Geist und Willen und ist für viele unserer Lebensaktivitäten verantwortlich. So etwa für die Funktion unserer Organe, unserer Körperhaltung und sogar für unseren Gesichtsausdruck.

Was sagt die Zunge?

Ob alle Organe gut funktionieren, lässt sich in der TCM mit Hilfe der Zungendiagnose feststellen. Ist der Körper gesund, ist die Zunge rosa gefärbt; liegen Störungen in der Blutzirkulation vor, zeigen dies Verfärbungen an. Ist die Zunge belegt, kann das ein Zeichen für eine schwache Herz-Energie sein. Der Herzmeridian ist verzweigt,  entspringt dem Herzen und verbindet dieses mit dem Dünndarm.
Ein zweiter Ast verbindet das Herz mit dem Auge, ein weiterer verläuft vom Herzen über die linke Achsel bis in die kleine Fingerspitze. Univ.-Prof. Dr. Gertrude Kubiena, Fachärztin für HNO und Präsidentin der MedChin-Gesellschaft, erklärt: „Aktiviert man bestimmte Punkte am Herzmeridian, kann dies belebend für Herz und Kreislauf wirken. Andere Punkte wiederum sorgen dafür, dass wir zur Ruhe kommen und fröhlich werden.“ Die Akupunktur arbeitet mit diesen Punkten und kann so Energie freisetzen oder für Beruhigung sorgen. In jedem Fall wirkt sich diese Behandlung auf Körper und Geist positiv aus.

Individuelle Kombinationen

Die Traditionelle Chinesische Medizin hat für jeden Menschen eine passende Therapie parat, das Angebot ist vielfältig. So etwa kann für den einen Akupunktur hilfreich sein, andere wiederum profitieren von der Kräutermedizin oder von einer Kombination beider Methoden.
Vor allem bei Herz-Kreislauf-Beschwerden, wie etwa Bluthochdruck, ist die Kräutertherapie sinnvoll. TCM-Expertin Getrude Kubiena empfiehlt: „Je nach Ursache von Bluthochdruck, ob familiär bedingt, durch Aufregung oder falsche Ernährung, muss man entscheiden, welche Kräuter-Kombinationen günstig sind.“ Ein hoher Blutdruck ist landläufig mit einem „Zuviel“ assoziiert, mit zu viel Salz, zu viel Fett in der Nahrung, zu viel Aufregung.
Doch das ist aus der Sicht der TCM anders. Kubiena erklärt: „Jeder Mangel im Körper kann zu einem hohen Blutdruck führen.“ Hier kann die traditionelle chinesische Kräutermedizin Abhilfe schaffen. Kubiena empfiehlt die chinesische Rezeptur Dan-Shen, bekannt auch als Rotwurzelsalbei.

Gegen alles ist ein Kraut gewachsen

Bei niedrigem Blutdruck, wenn Betroffene über Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Erschöpfung klagen, helfen Kombinationen bestimmter Kräuter. So etwa die Mischung „Sheng-Mei-San“: Diese besteht aus einer Komposition einer Lilienart (Ophio buconum), Ginseng und  der Shizandra-Beere. Vor allem bei Erschöpfung bringt diese Mischung wieder neue Energie, indem sie das Qi in der Lunge stärkt.
Doch selbst sollte man sich trotz eines erhofften Energiekicks nicht ans Mischen machen. Aus westlicher Sicht ist der Ursprung der Kräuter geografisch vielfach nicht zuordenbar, außerdem sind die beschriebenen Rezepturen nur wirksam, wenn sie in einem bestimmten Verhältnis gemischt werden.
Man sollte sich daher vertrauensvoll an das tradierte Wissen von Spezialisten halten – und sicherheitshalber immer Haus- oder Facharzt um Rat fragen, denn ein zu hoher Blutdruck schädigt langfristig den gesamten Organismus und kann zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen.

foto: istockphoto

Das Herz – eine Hochleistungsmaschine

Pro Stunde werden etwa 300 Liter Blut dank der Pumpfunktion des Herzens durch den Körper geleitet. Das sind etwa 2.600.000 Liter pro Jahr.

Warum spürt man den Puls?
Das Herz schlägt etwa 70 Mal pro Minute. Im Zuge dieses Pumpens entsteht in den Arterien eine Druckwelle, die man beispielsweise am Puls fühlen kann.

Wie kommt das Blut vom Herzen in unsere Finger?
Um das Blut mit Sauerstoff anzureichern, fließt es über die Venen in die Lunge, wird dort mit Sauerstoff angereichert und über die Arterien in den Körper transportiert. Um auch die „exponierten“ Körperteile mit Sauerstoff zu versorgen, verzweigen sich die Arterien in kleine Kapillare, die bis in die vom Herzen am weitesten entfernten Körperregionen führen.