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Herbstluft

Der Übergang von der Klimaanlage zur Heizung bringt oft Begleiterscheinungen: Schnupfen, trockene Haut, Reizhusten, tränende Augen, Fieberblasen. Mit ein paar Tricks schaffen Sie die herbstliche Umstellung ohne Probleme.


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Die Tatsache, dass wir Sauerstoff atmen müssen, bringt es mit sich: Der Herbst ist die Schnupfen- und Hustenzeit schlechthin. Schuld daran ist die Umgebungsluft, die wir idealerweise durch die Nase einatmen. Wie eine „Wasch-“ oder Klima­anlage reinigt und wärmt unsere Nasenschleimhaut die eingeatmete Luft. Im Zuge des Reinigungsvorgangs bleiben feine Schmutzpartikel oder Krankheitserreger aus der Atemluft zunächst daran kleben. Unzählige feinste Flimmerhärchen auf der Schleimhaut – sogenannte Zilien – sorgen dann dafür, dass der Schleim in Richtung Rachen transportiert wird. Ähnlich einem Getreidefeld, das vom Wind bewegt wird, bewegen sich auch die Zilien und transportieren Fremdstoffe und Erreger in den Rachen. Von dort gelangt der Schleim zumeist durch unwillkürliches Herunterschlucken in den Magen, wo die Erreger unschädlich gemacht werden. Vorausgesetzt, das Immun­system spielt mit.

Frische Luft hilft

Damit unser Abwehrsystem gegen Krankheits­erreger aufrüsten kann, sind Sauerstoff und Licht wichtig. Ohne sie können keine Abwehrstoffe produziert werden. Doch mit beginnender Heiz­saison und vermehrtem Aufenthalt in geschlossenen Räumen steigt das Risiko, krank zu werden. Winterlanges Heizen trocknet Räume aus, sodass sich Mikroben buchstäblich „wie im Flug“ verbreiten können. Im nächsten Atemzug erobern sie unsere Schleimhäute. Können sie von den Flimmerhärchen nicht mehr abtransportiert, „ausgeschnäuzt“ oder ausgehustet werden, verbreiten sie sich im Körper und stecken via Tröpfchen­infektion auch andere Menschen an. Das passiert beim Niesen oder Husten; die Tröpfchen klammern sich aber auch an die Haltegriffe in Bus und Bahn, an Türklinken oder Stiegengeländer, um von dort aus unsere Schleimhäute zu erobern. Viel frische Luft und ausgedehnte Spaziergänge hingegen stärken das Immunsystem und schützen so vor Infektionen.

Lästige Fieberblasen

Übrigens – macht das Immunsystem schlapp, gesellt sich bei etwa drei Viertel aller Geschwächten eine „Lieblingsbegleiterin“ hinzu: die Fieberblase(n). Bei mehr als 80 Prozent aller Menschen schlummern die lästigen Viren im Körper, ehe sie im Zuge eines Frontalangriffs auf das Immunsystem ausbrechen. An der Lippe, an der Nase – die sogenannten Herpes-simplex-Viren Typ 1 verstehen es, sich dort in Szene zu setzen, wo sie gerade am besten ins Auge des Betrachters fallen.
Diese winzigen Überlebenskünstler sind mit einer hoch infektiösen Flüssigkeit gefüllt und präsentieren sich als lästige Bläschen-Ansammlung, die brennt, juckt und spannt. Sind die Viren einmal in den Körper gelangt, bleiben sie dort – lebenslang. An den Nervenfortsätzen gelangen sie ins Innere von Nervenzellen und lauern dort auf eine günstige Gelegenheit, um sich an der Oberfläche breitzumachen. Stress, eine Erkältung oder starke UV-Einstrahlung können das Signal dazu geben. Ist das körperliche Abwehrsystem dann noch aus der Balance geraten, gibt es für die Bläschencommunity kein Halten mehr. Die lästigen Male heilen zwar nach etwa fünf Tagen ohne sichtbare Spuren wieder ab, mit virushemmenden Cremen kann man diesen Prozess aber ein wenig beschleunigen. Auch juckreizhemmendes Puder kann Fieberblasen einen rascheren Garaus machen.

Gesundbrunnen Sonne

Die Sonne ist gerade im Herbst und Winter ein wichtiger Gesundbrunnen, denn sie regt die körpereigene Vitamin-D-Produktion an. Etwa 60 Prozent der Österreicher sind nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt. Dieses Vitamin, im Fachjargon als Calciferol bezeichnet, ist für viele Stoffwechselfunktionen verantwortlich, wie für unseren Knochen-, Zähne- und Muskelaufbau. Und es gilt als wichtiger Faktor für eine stabile Psyche.
Über die Nahrung kann nur etwa zehn Prozent des täglichen Bedarfs zugeführt werden. Den Rest erledigt die Sonne. Sonnenstunden im Freien zu verbringen ist daher die beste Basis, um ausreichend Vitamin D abzukriegen. Wie viel Vitamin D beim herbstlichen Sonnenbad getankt wird, hängt aber auch vom Hauttyp und von der Wellenlänge des UV-Lichts ab. Schon fünf bis 15 Minuten täglich im Freien – besonders um die Mittagszeit – reichen hierzulande dafür aus. Sie müssen dazu einfach nur die Ärmel hochkrempeln und sich ein Viertelstündchen Siesta gönnen, in der Sie Hände, Arme und Gesicht der Sonne zuwenden. Ein heißer Tipp: Die Mittagspause für einen raschen Sonnen-Spaziergang nutzen – mit doppeltem Gewinn: Bewegung und Sonne.
Einen Solarienbesuch halten Mediziner hingegen nicht für sinnvoll, da damit auch das Hautkrebsrisiko steigt. Der Arzt kann bei Bedarf Vitamin-D-Präparate verschreiben, um ein saisonales Defizit auszugleichen.

Hilfe für die Augen

Stress vermeiden, sich abwechslungsreich ernähren und Spaziergänge an der frischen Luft tun nicht nur dem Immunsystem gut, sondern auch dem wachen Geist und einem scharfen Auge. Während sommerliche Sonnenstrahlen ohnedies ein Lockruf ins Freie sind, kann es an grauen Tagen gemütlich sein, den Abend nach einem anstrengenden Bürotag „indoor“ zu zelebrieren – in kuschelig beheizten Räumen, beim Afterwork-Treffen im (rauchigen) Lokal oder vor dem Fernseher. Wenn sich dann tränende Augen, Juckreiz oder gerötete Lider bemerkbar machen, sind das beste Bedingungen für ein „trockenes Auge“.
Dieses Symptom betrifft die Augenoberfläche, genauer gesagt, die Hornhaut des Auges. Neben Heizung, Klimaanlagen und langem Arbeiten am Bildschirm kann auch starker Wind dazu führen, dass die normale Tränenflüssigkeit, die das Auge benetzt, nur allzu schnell verdunstet. An einem trockenen Auge laborieren meist Menschen, die sehr lange am Bildschirm sitzen; in Kombination mit einer reduzierten Blinzelfrequenz der Lider wird die Hornhaut nur unzureichend benetzt. Üblicherweise blinzelt der Mensch zwölf bis 15 Mal pro Minute, bei starrem Blick auf den Bildschirm sinkt diese Frequenz und das Auge wird trocken.
Das kann ein vorübergehendes Problem sein, bleibt jedoch ein ständiges Fremdkörper­gefühl: Bei Dauerbrennen oder -tränen der Augen kann sich daraus eine chronische Entzündung entwickeln. Üblicherweise lassen sich leichte Beschwerden mit sogenannten Lubrikanzien behandeln, also mit Medikamenten in Tropfenform, die ein- bis zweimal am Tag verwendet werden sollten. Die Tropfen enthalten meist Hyaluronsäure und wirken osmoprotektiv, also mit Substanzen, mit denen sich auch Pflanzenzellen vor dem Austrocknen schützen. Ein trockenes Auge kann jedoch auch auftreten, wenn sich die chemische Zusammensetzung des Tränenfilms durch Erkrankungen wie Rheuma oder infolge von Medikamenteneinnahme (z. B. Psychopharmaka, Östrogene oder Antihistaminika) verändert. Deshalb sollte man bei anhaltenden Problemen den Augenarzt konsultieren, der die Zusammenhänge abklären kann.

Wichtig: Richtig lüften!

Untersuchungen zeigen, dass ein langer Bürotag, konzentriertes Lesen und Arbeit am Computer die Entstehung eines trockenen Auges begünstigen können. Um das Büro- und Wohnklima zu verbessern, ist es wichtig, auf gute Lüftung zu achten. MR Dr. Friedrich Ring, Arbeitsmediziner aus Perchtoldsdorf und Mitglied des wissenschaftlichen Beirates im Kompetenzzentrum Gesundes Bauen und Wohnen, weiß: „Das Fenster tagsüber gekippt zu lassen, bringt wenig. Fünf Minuten Stoßlüften hingegen – offene Fenster oder Türen für zumindest fünf Minuten – sorgt für Frischluft und gutes Raumklima. Wer in tropischen Gewächshäusern schon mal auf Erkundungstour war, weiß, wie wohltuend sich das Klima auf Haut, Haar und Bronchien schlägt. Idealerweise beträgt eine angenehme Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent. Im österreichischen Durchschnitts-Wohnraum und im Büro hingegen ist die Luftfeuchtigkeit mit etwa 30 Prozent zu niedrig. Luftbefeuchter, Zimmerbrunnen oder dekorative Pflanzen können dazu beitragen, das Raumklima zu verbessern, sodass auch Nasenschleimhaut und Bronchien durchatmen können. Beim Einsatz von Luftbefeuchtern ist jedoch darauf zu achten, dass diese nicht zur Keimschleuder verkommen und so die Raumluft mit Bakterien und Viren belasten.“
Und wie soll man es mit der Raumtemperatur halten? Die Forschung empfiehlt eine Zimmertemperatur von 20 Grad und optimale Luftfeuchtigkeit – dies empfindet der Körper als subjektiv wärmer als dieselbe Temperatur bei zu niedriger Luftfeuchtigkeit. Vielleicht ein Argument, um das Arbeits- und Lebensumfeld doch ein wenig mit tropischem Klima zu beleben – und so die herbstlichen und winterlichen Heiztage ohne Probleme zu überstehen.

Lungenentzündung: Risikogruppen schützen 

Die Lungenentzündung (Pneumonie) ist weltweit die häufigste Infektionskrankheit und in den Industrieländern die vierthäufigste Todesursache. Pro Jahr werden etwa 30.000 Patienten in Österreich wegen Lungenentzündung in Krankenhäusern behandelt. In mehr als der Hälfte der Fälle werden bei diesen Patienten Pneumokokken nachgewiesen. Im Vorjahr wurden 323 Fälle invasiver Pneumokokken-Erkrankungen in Österreich registriert, 14 Patienten starben an den Folgen. Erschwerend für die Therapie ist der häufig rasante Verlauf dieser Erkrankung. Jeder zweite Todesfall ereignet sich innerhalb von 48 Stunden, trotz adäquater Antibiotikatherapie. Pneumokokken sind Bakterien der Gattung „Streptococcus pneumoniae“, die bei etwa jedem zweiten Menschen den Nasen-Rachenraum besiedeln. Sie sind meist harmlos. Kommt es jedoch zu einer unkontrollierten Vermehrung der Keime auf der Schleimhaut, dann können diese Erreger beim Husten, Sprechen oder Niesen von Mensch zu Mensch weitergegeben werden.
Für Säuglinge und Kleinkinder besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko, weil deren Immunsystem noch nicht allein in der Lage ist, eine Infektion durch Pneumokokken-Bakterien abzuwehren. Da die Immunfunktion mit zunehmendem Alter wieder schwächer wird, können auch gesunde ältere Personen durch die von Pneumokokken ausgelöste Lungenentzündung bedroht sein. Der Impfplan 2015, herausgegeben vom Bundesministerium für Gesundheit, empfiehlt zur Prävention von Pneumokokken-Erkrankungen in Österreich die Schutzimpfung ab 50 Jahren. Altersunabhängig wird die Schutzimpfung auch bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung empfohlen. Dazu zählen besonders Personen mit chronischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes mellitus, Asthma oder COPD.
Derzeit läuft daher eine Pneumokokken-Impfaktion in allen Apotheken (bis
31. März 2016). Damit kostet der Pneumokokken-Impfstoff 76 statt 108 Euro.

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