Gute Jause für die Pause
Ein voller Bauch studiert nicht gern – ein leerer aber auch nicht. Doch was sollen Schülerinnen und Schüler essen, damit sie fit und konzentriert bleiben?

Schülerinnen und Schüler der 7. Klassen und der 3A-Klasse im BRG Waidhofen/Ybbs haben eine gesunde Jause kreiert, die es nun im Schulbuffet zu kaufen gibt. Foto: Gerald Lechner
Mathe, Deutsch und Bio: Die ersten Unterrichtsstunden am Vormittag sind geschafft, schon kündigt sich der kleine Hunger an. Für Schülerinnen und Schüler ist diese Jause zwischendurch besonders wichtig, denn sie brauchen neue Energie für den restlichen Schultag. Doch nicht jeder Snack ist für helle Köpfchen geeignet: Ist die Jause zu süß und zu fett, führt das nach einem kurzen Energieschub zum Leistungsabfall. Besser sind komplexe Kohlenhydrate wie in Vollkornbrot und Müsli, denn diese werden langsamer abgebaut und versorgen das Gehirn kontinuierlich und über einen längeren Zeitraum mit jener Energie, die es für eine gute Konzentration braucht. Entscheidend ist auch, ausreichend zu trinken. Auch hier kommt es auf das Was an: Von zuckerhältigen Getränken wie Eistee und Limonaden sollten Kinder die Finger lassen. Viel erfrischender und gesünder ist Wasser – und zudem am billigsten.
Wurstsemmel & Co
Für Eltern ist es eine große Erleichterung, wenn der Nachwuchs eine entsprechende Jause in der Schule kaufen kann und sie nicht jeden Tag die Jausenbox befüllen müssen. Doch in vielen Schulbuffets reicht das Angebot lediglich von Wurstsemmeln über Süßigkeiten und Knabbereien bis hin zu Weißmehlprodukten und Limonaden. Dabei gibt es durchaus köstliche und gesunde Alternativen zu Wurstsemmel und Co, die bei
Kindern gut ankommen.
Gesunde Schülerinnen & Schüler
Immer mehr Schulen ist die Gesundheit ihrer Schülerinnen und Schüler ein Anliegen, wie etwa dem BRG Waidhofen/Ybbs, wo das Schulbuffet im Vorjahr auf neue und gesündere Beine gestellt wurde. Man holte sich externe Hilfe, nahm Kontakt mit der Initiative »Tut gut!« auf. Denn diese kümmerte sich im Rahmen des Projekts ‚Gemeinsam besser essen‘ (finanziert aus Mitteln der Bundesgesundheitsagentur) verstärkt um die Gemeinschaftsverpflegung, erklärt Mag. Irene Öllinger, Leiterin des Projekts: „Beratung von außen ist beim Umstellen des Ernährungsangebots in den Schulen enorm hilfreich. Schritt für Schritt gelangt man so zu einem besseren Ergebnis.“ Wegen des nachweislichen Erfolgs wird dieses Projekt nun als »Vitalküche« weiterhin angeboten (Informationen zur »Vitalküche« siehe unten).
Zuallererst wurde im BRG Waidhofen/Ybbs von externer Seite der Ist-Stand erhoben. Die Ausgangslage war eintönig: Schachteln vom Bäcker standen auf der Theke des Schulbuffets, daneben Knabbereien; in den Automaten Limonade und Schokoriegel. Von allem zu viel: zu salzig, zu fett, zu süß. Um das neue gesündere Angebot optimal auf die Wünsche der zukünftigen Nutzer abzustimmen, wurden die Lehrkräfte und Kinder nach ihren Wünschen befragt, das Umfeld des Buffets genau beleuchtet und vieles mehr.
Wettbewerb zum „top snack“
Fast die ganze Schule war in den Weg zum gesünderen Schulbuffet eingebunden – ein Erfolgsrezept und entscheidend für die künftige Akzeptanz einer derartigen Umstellung. Ein echtes Highlight war der Jausenwettbewerb im Vorjahr – „BRGs next top snack“. Schülerinnen und Schüler der 7. Klassen und der 3A-Klasse waren aufgerufen, eine gesunde Jause zu kreieren, die dann fixer Bestandteil des Buffet-Angebotes wird. Viele kreative Köpfe haben an der „perfekten“ Jause getüftelt. Das Thema wurde im Unterricht aufbereitet, verschiedene Jausen probegekocht, klassenintern verkostet, die drei besten ins Rennen geschickt – und von einer strengen Jury – bestehend aus je zwei Schülern aller Klassen, insgesamt 40 Schüler – bewertet. Als Siegerjause der Oberstufe gekürt wurde Swaguette – ein überbackenes Vollkornbaguette. Die Kreation der Unterstufe: Müslitraum – Joghurt mit frischen Früchten und Dinkel-Hafer-Crunchies (siehe Rezepte). Beide Siegerjausen gibt es nun im Schulbuffet zu kaufen.
Schmackhaft & appetitlich
Ernährungsexpertin Mag. Berta Zacharias, Lehrerin an der Schule, freut sich über das Ergebnis: „Die kreierten Jausen sind gesund und nahrhaft. Und nicht nur das, sie schmecken auch.“ Viele hungrige Schüler tummeln sich nun in der 10-Uhr-Pause vor der Glasvitrine des Schulbuffets, der verführerische Duft der frisch überbackenen Swaguettes und der vielen anderen Leckereien macht richtig Gusto. Auch der Müslitraum ist ein Renner – ein Beweis dafür, dass Kinder auch freiwillig zu gesundem Essen greifen. Es scheint also gar nicht so schwer, Kinder und Jugendliche dazu zu bringen, sich gesünder zu ernähren – wenn man ihren Gusto respektiert und gesunde Lebensmittel schmackhaft und appetitlich zubereitet.
Wechselndes Angebot
Das Angebot des Buffets wechselt, zusätzlich zum Basissortiment gibt es ein Tagesangebot und Wochenspecials, wie etwa Toskanasalat, Gemüse-Nudelpfanne, diverse Shakes etc. Buffetbetreiberin Rosa Petsch lässt sich immer wieder neue Snacks einfallen. Auch optisch macht das Buffet nun mehr her: Die Speisen liegen ansprechend in Glasvitrinen und schauen richtig zum Anbeißen aus. Zusätzlich gibt es nun eine Kühlvitrine. Und der Elternverein hat unter anderem ein Mixgerät zur Verfügung gestellt, mit dem man Smoothies zubereiten kann. Mit solchen Speisen werden die Energiereserven der Schüler wieder gefüllt – und sie gehen gestärkt und fit in die weiteren Unterrichtsstunden. Nicht nur die Schüler, auch die Lehrkräfte nutzen das Buffet, sagt Schuldirektor Mag. Christian Sitz: „Auch wir freuen uns über das neue Angebot, denn schließlich brauchen auch wir in der Pause wieder neue Energie für den Unterricht.“
Ein gelungenes Beispiel, wie man mit vielen kleinen Schritten das Schulbuffet erfolgreich umkrempeln kann – sehr zur Nachahmung empfohlen, um Schritt für Schritt das Jausenangebot in Niederösterreichs Schulen auf gesündere Beine zu stellen.
Die 10 »Tut gut!«-Ziele der Gemeinschaftsverpflegung
- Ausreichend trinken: hauptsächlich ungesüßte Getränke
- Abwechslung tut gut:ausgewogener Speiseplan
- Gut geplant ist halb gewonnen: mehr Effizienz – mehr Qualität
- Höherer Gemüseanteil
- Regional & saisonal: Produkte aus NÖ verwenden
- Ressourcen schonen: Umweltschutz durch Nachhaltigkeit
- Das Auge isst mit: Speisen und Essumfeld ansprechend gestalten
- Vitamine zum Naschen: Obst als Alternative zu Süßem
- Sicherheit durch Hygiene: Gewährleistung von Qualität
- Genuss: Nehmen Sie sich Zeit!
Gesunde Jause: die klugen 4
Die optimale Jause macht satt, munter, gibt Kraft und Energie – daher sollten vier Komponenten nicht fehlen:
Getreide (Brot oder Müsli)
✓ Vollkornbrot, Vollkornweckerl
✓ Getreideprodukte ohne Zuckerzusatz (z. B. Müslimischungen)
× Semmel und Weißbrot sollten die Ausnahme sein.
Milch & Milchprodukte
✓ Käse unter 45 % F.i.T.
✓ Milch, Buttermilch natur, Naturjoghurt
× Süße Milchsnacks und -riegel enthalten oft wenig Milch, dafür viel Zucker.
Obst & Gemüse
✓ geschnitten zum Snacken oder als Belag
✓ regionale und saisonale Sorten verwenden
Getränke
✓ Wasser
✓ ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees
✓ gespritzte 100%ige Fruchtsäfte (1:3 mit Wasser)
× Limonaden, Fruchtnektar und Sirupe enthalten viel Zucker.
× Eistee und Cola-Getränke enthalten viel Zucker und Koffein.
»Vitalküche – Gemeinschaftsverpflegung in NÖ«
Durch gesellschaftliche Entwicklungen gewinnt die Gemeinschaftsverpflegung immer mehr an Bedeutung. Gleichzeitig gilt es, das Bedürfnis nach gesunder Ernährung zu beachten. Aus diesem Grund richtet sich die Initiative »Tut gut!« an alle Einrichtungen, die Gemeinschaftsverpflegung anbieten und unterstützt sie dabei, das Speisenangebot noch stärker in Richtung einer gesunden und ausgewogenen Ernährung umzustellen.
Bei folgenden Fragen unterstützt die Initiative »Tut gut!«:
- Wie gestaltet sich ein abwechslungsreiches und bedarfsgerechtes Speisen-, Jausen- und Getränkeangebot?
- Welche Rahmenbedingungen müssen in der Gemeinschaftsverpflegung beachtet werden?
- Wie können Verpfleger, Schule, Kindergarten, Betrieb, Gemeinde usw. optimal zusammenarbeiten?
Projektdauer: zwei Jahre, die Teilnahme ist kostenlos.
Wer kann sich bewerben?
Kindergärten, Schulen, Betriebe, Wirte und Buffetbetreiber aus NÖ
Teilnahmebedingungen:
- Zustimmung des Erhalters der Einrichtung
- Zustimmung des Verpflegers
- Angebot einer Mittagsverpflegung/Schulbuffets
Informationen & Anmeldung: »tut gut«-Hotline: 02742/22655, www.noetutgut.at
Müslitraum
Zutaten: Obst der Saison (Äpfel, Kirschen, Trauben etc.), Joghurt, Dinkel-Haferflocken-Crunchies, etwas Honig
Zubereitung: Obst waschen und schneiden. In ein Glas abwechselnd Joghurt und Dinkel-Haferflocken-Crunchies geben, etwas Honig dazu, mit geschnittenem Obst belegen.
Swaguette
Zutaten: großes Vollkorn-Baguette, 150 g fettarmer Käse, 100 g Schinken, 1 Schalotte, 1 EL Paradeismark, 1 Knoblauchzehe, Basilikum, Majoran, Petersilie, 1 Ei, Salz, Pfeffer
Zubereitung: Für die Füllung den Käse grob reiben und den Schinken fein würfeln.
Schalotten und Kräuter hacken. Alles in eine Schüssel geben, mit Eiern und Gewürzen mischen. Das Baguette oben der Länge nach einschneiden. Paradeismark, Öl, zerdrückte Knoblauchzehen, Salz und Pfeffer verrühren. Das Innere der Brote damit ausstreichen und mit der Käsemischung füllen. Die Brote bei 200 Grad im vorgeheizten Ofen etwa
15 Minuten backen.
Schulmäuse
Zutaten (ca. 24 Stück): 500 g Weizenvollkornmehl (oder Weizen- und Dinkelvollkornmehl gemischt), 1 Pkg. Trockengerm, 250 ml lauwarme Milch, 80 g Honig, 1 Ei, 50 g Butter, Rosinen und Mandelhälften als Augen und Ohren, Prise Salz
Zubereitung: Milch mit Honig und Butter erwärmen. Mehl, Trockengerm und Salz mischen und das Milch-Honig-Buttergemisch mit dem Ei zu einem weichen Germteig kneten. An einem warmen Ort gehen lassen. Danach gut durchkneten und in 24 Stücke teilen. Den Mauskörper formen und einen Mäuseschwanz anbringen. Nochmals zugedeckt gehen lassen, dann mit einem Ei bestreichen, die Augen und die Ohren gut in den Teig stecken. Bei 200 Grad 15 Minuten bei Ober- und Unterhitze goldbraun backen.




