Gesunde Unternehmen mit gesunden Mitarbeitern
Betriebliche Gesundheitsförderung ist für die NÖ Gebietskrankenkasse Auftrag und Ziel. Deshalb unterstützt sie Betriebe dabei – und zeichnet sie aus.

Gesundheitsminister Alois Stöger überreichte gemeinsam mit NÖGKK-Obmann Gerhard Hutter (2.v.r.) an Prokuristen Günther Denk und Mag. Lucia Hobl stellvertretend für die Sparkasse Niederösterreich in der Region Melk/Ybbs das Gütesiegel für betriebliche Gesundheitsförderung.
Wir verbringen einen großen Teil unserer Lebenszeit am Arbeitsplatz – umso wichtiger ist es, dass wir auch dort an unsere Gesundheit denken.
Das tut auch die NÖ Gebietskrankenkasse, um Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu motivieren, etwas zum Gesundbleiben beizutragen. Das Werkzeug dazu heißt betriebliche Gesundheitsförderung, kurz BGF. „Bei diesem Programm gibt es nur Gewinner“, sagt NÖGKK-Obmann Gerhard Hutter aus Überzeugung: „Die Firmenleitung verbessert mit einem motivierten Team den Unternehmenserfolg, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen gesünder und zufriedener ihre Arbeit, und das Gesundheitswesen spart durch die Gesundheitsförderung Krankheitskosten.“
Seit neun Jahren unterstützt und begleitet die NÖGKK große und kleine Firmen bei der betrieblichen Gesundheitsförderung. „Die NÖGKK steht uns jederzeit zu diesem Thema beratend zur Seite und hilft uns, verschiedene Maßnahmen umzusetzen“, bestätigt Andrea Schüssler, Personalleiterin beim Holzplattenerzeuger Fritz Egger in St. Pölten, wo gemeinsam mit der Krankenkasse zum Beispiel das Projekt „Aktiv und gesund im Betrieb – Rücken fit“ oder eine zahnärztliche Untersuchung beim Gesundheitstag realisiert wurden und dieses Jahr das Projekt „Schlank mit der NÖGKK“ angedacht ist.
Gesundheitsfördernde Maßnahmen in Betrieben reichen also von Ernährungs- und Fitnessprogrammen über bauliche Veränderungen am Arbeitsplatz bis zu Wohlfühlwochenenden und Workshops zu den Themen Stress und Burnout. Dafür haben heuer 24 niederösterreichische Unternehmen erstmals das BGF-Gütesiegel verliehen bekommen, bei drei Betrieben wurde das Gütesiegel wegen ihrer nachhaltigen gesundheitsfördernden Maßnahmen verlängert.
Gesunde Ernährung, Deutschkurse u.v.m.
Ein Vorzeigebetrieb dafür ist zum Beispiel das Restaurant „Rostiger Anker“ in Fischamend, verrät Claudia Knierer, zuständig für Gesundheitsförderung und Prävention bei der NÖGKK: „Mit nur neun Mitarbeitern hat es dieser Betrieb geschafft, vergangenes Jahr den Preis in der Kategorie bis 100 Mitarbeiter zu bekommen, das ist die höchste Auszeichnung.“ In diesem engagierten Kleinbetrieb wurden etwa die Arbeitsabläufe optimiert, ein Meditationsraum und ein Fitnessraum eingerichtet, wurden laufende Teambesprechungen und Mitarbeitergespräche eingeführt und Deutschkurse für Migranten angeboten.
Erfolgreich ist das Programm aber auch in weitaus größeren Betrieben; zum Beispiel bei der Caritas der Diözese St. Pölten so erfolgreich, dass sogar eine eigene Mitarbeiterin halbtags für die Koordination der betrieblichen Gesundheitsförderung abgestellt wird. „Das war eine klare Entscheidung der Caritas für die betriebliche Gesundheitsförderung“, bestätigt Projektleiterin Gerti Zeilinger. „Balance“ nennt sich das Projekt, bei dem rund 450 der etwa 2.000 Mitarbeiter der Caritas begeistert dabei waren. Zunächst bei den Gesundheitszirkeln, wo Gesundmacher und Krankmacher in der Arbeit ausfindig gemacht wurden, und aus denen verschiedene Programmpunkte wie Rückenfit, Raucherentwöhnung, Mehrwert-Wochenenden und ein Ernährungsprogramm hervorgegangen sind. Symbol dafür ist kein „gesunder Apfel“, sondern eine Projektschokolade mit eigener Schleife, von Querdenker und Bio-Schokoladen-Pionier Franz Zotter, ein Symbol für den persönlichen Balanceakt jeder Mitarbeiterin und jedes Mitarbeiters zwischen beruflichem und privatem Wohlbefinden. „Schau auf dich, das ist unsere Kernaussage“, betont Gerti Zeilinger. (Eine Dokumentation über das Caritas-Projekt gibt es unter
www.youtube.com/watch?v=gJBn-B7KWzE)
Mitarbeitermotivation „läuft“ bestens
Auch beim St. Pöltner Holzwerkstofferzeuger Fritz Egger sind die Gesundheitszirkel sehr gut angenommen worden, sie haben die Kommunikation unter den Kollegen innerhalb der Abteilungen gefördert, erzählt Personalleiterin Schüssler: „Bei unserem Projekt ‚EGGER läuft‘, das nun schon das dritte Jahr läuft, haben sich die Mitarbeiter gegenseitig motiviert. So konnten wir die gelaufenen Kilometer von 2010 im Jahr 2011 verdreifachen und 52 Mitarbeiter zum Mitlaufen bewegen.“
Und das Projekt läuft auch heuer sehr gut. Bei Egger können Angehörige der Mitarbeiter bei Gesundheitsprojekten mitmachen, sind etwa beim Familien- und Gesundheitstag sehr gerne dabei. Andrea Schüssler: „Wir bemühen uns, die Mitarbeiter immer mehr einzubeziehen, um zu erfahren, was sie am Arbeitsplatz belastet. Das sehen wir auch als Wertschätzung gegenüber unseren Mitarbeitern.“
Werner Pitzl, Geschäftsführer von „Transjob“, dem Verein für Wirtschafts- und Beschäftigungsinitiativen in Amstetten, sieht das ähnlich. Nicht nur Angestellte, sondern auch Transitarbeiter und Quamut-Jugendliche (Quamut ist ein Qualifizierungsprojekt für Jugendliche, die bei der Jobsuche unterstützt werden) kommen in den Genuss der gesundheitsfördernden Maßnahmen, und das nicht nur im Betrieb: „Wir haben die most.VITAL-Karte eingeführt, mit der alle Transitarbeitskräfte, Lehrlinge und Quamut-Jugendliche Vergünstigungen in verschiedenen Gesundheitseinrichtungen bekommen, etwa in Fitnesscentern oder Freibädern“, erklärt Werner Pitzl: „Damit wollen wir sie motivieren, auch in der Freizeit Sport und Bewegung zu machen.“
Mitbestimmen, was gut tut
Dass betriebliche Gesundheitsförderung auch in kleineren Unternehmen ernst genommen wird, zeigt Markus Putz. Seine Allianz Versicherungsagentur in Aspang hat auch heuer das Gütesiegel bekommen, mittlerweile sind gesundheitsfördernde Maßnahmen wie kostenloses Joghurt und Obst für alle Mitarbeiter, eine gesunde Jause bei Besprechungen und ein von einer Ergotherapeutin optimal eingestellter Arbeitsplatz selbstverständlich. „Unsere Mitarbeiter hatten die Möglichkeit, in einem eigenen Workshop die gesundheitsförderlichen und -belastenden Faktoren im Arbeitsalltag zu analysieren und Verbesserungs- und Lösungsvorschläge zu formulieren“, erklärt Markus Putz. Seine Mitarbeiter freuten sich nicht nur darüber, dass das Thema Gesundheit in der Firma ernst genommen wird, sondern auch über Mitarbeitergespräche mit anerkennendem Erfahrungsaustausch und eine verbesserte Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitern. Noch einen Tipp gibt Markus Putz allen Interessierten: „Bewusstes Feiern von Erfolgen stärkt den Teamgeist.“
Der Weg zum gesunden Unternehmen
Die Grundprinzipien, die den Erfolg eines BGF-Projektes sichern helfen, sind:
- Partizipation: aktive Einbeziehung der gesamten Belegschaft in alle Projektphasen und offene Kommunikation.
- Integration: Betriebliche Gesundheitsförderung wird bei wichtigen Betriebsentscheidungen berücksichtigt und ist Teil der Unternehmenskultur.
- Ganzheitlichkeit: Es werden Maßnahmen geplant, die sowohl auf ein gesundes Verhalten der Mitarbeiter abzielen, aber auch betriebliche Rahmenbedingungen gestaltet.
- Strukturiertes Vorgehen: Alle Maßnahmen und Aktivitäten werden systematisch geplant und durchgeführt.
- Evaluation: Die Ergebnisse werden bewertet und können so zur Verbesserung und Weiterentwicklung von BGF beitragen.
Gesundheit im Unternehmensleitbild
Diese Grundprinzipien haben bereits in vielen Betrieben Einzug gehalten. Das Gütesiegel wird ihnen dann für drei Jahre verliehen, danach können sie wieder darum ansuchen. Sie bekommen das Siegel wieder verliehen, wenn die Gesundheitsorientierung des Unternehmens positiv geprüft wurde, wie etwa bei der Salzer Papier GmbH in St. Pölten: „Der Gesundheitszirkel gehört bei uns zum Unternehmensleitbild“, sagt Sabine Tiefenbacher von Human Resource und Gesundheitsmanagement des St. Pöltner Papiererzeugers.
Bereits 2006 hat die Salzer Papier GmbH das Thema betriebliche Gesundheitsförderung mit dem Projekt „Sicher & G‘sund bei Salzer“ gestartet. „Das Thema Sicherheit und Gesundheit ist im Unternehmen in allen Bereichen verankert und steht in den jährlichen Zielfestlegungen sowie in vielen Besprechungen auf der Tagesordnung. Alle Mitarbeiter können ihre Ideen einbringen und somit ihren Arbeitsplatz mitgestalten. Dies alles steigert die Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeiter“, bestätigt Sabine Tiefenbacher aus langjähriger Erfahrung.
Die Salzer Papier GmbH ist einer von aktuell 48 Betrieben mit Gütesiegel. Am längsten, seit 2007, hat das Gütesiegel die Firma Constantia Teich GmbH in Weinburg. Und es werden immer mehr. „Wir können sagen, dass wir von Jahr zu Jahr mehr Anfragen für BGF-Projekte bekommen“, freut sich NÖGKK-Verantwortliche
Claudia Knierer. „Neben der Mundpropaganda, dass die NÖGKK diese Projekte qualitativ hochwertig und kostenlos begleitet und den Unternehmen bei der Umsetzung behilflich ist, zeigt auch unser Internetauftritt für Dienstgeber immer mehr Wirkung.“
Beispiele für BGF-Projekte
- Adaptieren des Arbeitsplatzes durch bauliche Veränderungen, Anschaffen neuer Büromöbel, besserer Arbeitsgeräte, geeigneter Arbeitskleidung usw.
- Gesünder-Leben-Programme: Rückentraining, Raucherentwöhnung, Ernährungsprogramme, Gemüsegärten zur Selbstentnahme, „gesunde“ Kochkurse, Alkohol- und Suchtprävention, Gesundheitstage usw.
- Teambildungsmaßnahmen zur Verbesserung des Betriebsklimas: Führungskräfteschulungen, Einführung regelmäßiger Besprechungen, Mentoringmodelle, Entwicklung transparenter Beurteilungssysteme für Lehrlinge, Feedbackgespräche von Lehrlingen für Ausbildner, Deutschkurse für Migranten, Selbstverteidigungskurse, Lach-Yoga, Wohlfühl-Wochenenden im Team, Feste feiern nach gemeinsamen Erfolgen usw.
- Workshops zu den Themen Stress, Burnout, Einführung neuer Arbeitszeitmodelle, Einführung von Zukunftsgesprächen usw.
Voraussetzungen für das Gütesiegel
Das Gütesiegel zur betrieblichen Gesundheitsförderung wird an all jene Unternehmen vergeben, die BGF nach den Kriterien des Europäischen Netzwerkes BGF (ENWHP) realisiert haben oder nur einige der Kriterien erfüllen, aber dennoch durch besondere Innovativität hervorzuheben sind.
Qualitätskriterien
- BGF wird als Führungsaufgabe wahrgenommen und in das bestehende Managementsystem integriert – dauerhafte Implementierung in die Unternehmenskultur.
- Partizipation: Für den Erfolg betrieblicher Gesundheitsförderung ist ausschlaggebend, dass alle Mitarbeiter möglichst weitgehend an Planungen und Entscheidungen beteiligt werden.
- Projektmanagement: BGF-Projekte werden systematisch geplant und umgesetzt. BGF ist dann erfolgreich, wenn sie auf einem klaren Konzept basiert, das fortlaufend überprüft, verbessert und allen Mitarbeitern bekannt gemacht wird.
- Ganzheitliches Gesundheitsverständnis: BGF umfasst Maßnahmen zur gesundheitsgerechten Arbeitsgestaltung und Unterstützung gesundheitsgerechten Verhaltens. Erfolgreich ist sie dann, wenn diese Maßnahmen dauerhaft miteinander verknüpft sind und systematisch durchgeführt werden.
Die Voraussetzungen sind also ein abgeschlossenes BGF-Projekt inklusive Evaluierung – unter Einhaltung der Qualitätskriterien und die Einreichung des Gütesiegelantrages bei den Regional- und Servicestellen des Österreichischen Netzwerkes für BGF (für NÖ: die NÖGKK).
Die Ausgezeichneten 2012
Folgende niederösterreichische Unternehmen erhielten 2012 das BGF-Gütesiegel zum ersten Mal:
- Stadtgemeinde Amstetten
- Keller-, Karosserie-, Lack- und Fahrzeugbautechnik GmbH
- Österreichisches Rotes Kreuz, Landesverband NÖ
- Fritz EGGER GmbH & Co. OG Holzwerkstoffe
- Verein LIMA Frauenprojekt
- Verein Jugend ohne Beschäftigung – J.O.B
- TRANSJOB – Verein für Wirtschafts- und Beschäftigungsinitiativen
- Verein UNIDA Services
- A. Weber GmbH
- Sparkasse NÖ Mitte West AG
- Kotányi GmbH
- NÖ Gebietskrankenkasse
- Caritas der Diözese St. Pölten
- AMS NÖ
- Kandera Bernhard SPA-Manhattan
- Markus Putz Versicherungsagentur
- Eisenhuber GmbH & Co KG
- Hanno-Werk GmbH & Co KG
- Salvator Apotheke
- IEW Induktive Erwärmungsanlagen GmbH
- Vermessung Schmid ZT-GmbH
- ZuklinBus GmbH
- V & C Kathodischer Korrosionsschutz GmbH
- TIB Technische Industriebürsten Ingrisch GmbH
Die Verlängerung des Gütesiegels erhielten dank der Nachhaltigkeit der Maßnahmen für weitere drei Jahre:
- Verein Soziale Initiative Gmünd
- Bundesministerium für Finanzen, Steuer- und Zollkoordination Region Ost
- Salzer Papier GmbH
Informationen:
www.noebgf.at




