< vorhergehender Beitrag

Gesunde Tretmühle

Die Niederösterreicher sind fleißige Radfahrer. Mit mehr als 4.000 Kilometern befestigter Radwege und 264 beschilderten Mountainbike-Strecken bietet das Bundesland dafür auch die allerbesten Bedingungen.


Das Fahrrad ist ein wichtiges Fortbewegungsmittel im Straßenverkehr und vor allem ein optimales Sportgerät. Es eignet sich hervorragend, um gelenksschonend die Grundlagenausdauer zu verbessern und das Wohlbefinden zu steigern. Beim Fahren stärken Sie Ihr Herz-Kreislauf-System und unterstützen zahlreiche Stoffwechselvorgänge im Körper. Und Sie bauen Muskeln auf – in den Beinen, am Bauch und in den Armen.
Keine andere Art der Fortbewegung wandelt die menschliche Kraft effektiver in Vorwärtsbewegung um als das Fahrradfahren. Aber: Auf welches Rad soll man sich schwingen – Straßenfahrrad oder Mountainbike? Welches ist das bessere bzw. das richtigere Rad für Otto Normalverbraucher?

Tipps vom Weltmeister

„Im Optimalfall beide“, sagt Franz Stocher, Ex-Bahnrad-Weltmeister und nunmehriger Sportland-NÖ-Koordinator. „Es ist beide Male Radfahren, aber doch etwas ganz anderes“, empfiehlt der ehemalige Radprofi, die beiden Fahrradtypen einfach abwechselnd zum Einsatz zu bringen. Im Frühjahr und Herbst, wenn es kühl und windig ist, ist man mit dem Mountainbike im Wald optimal aufgehoben. „Da ist es meistens fast windstill. Außerdem hat man keine so hohen Fahrgeschwindigkeiten und dadurch wird es nicht so kalt“, weiß Stocher. Im Sommer hingegen, wenn sich die Hitze drückend aufs Land legt, ist der kühlende Fahrtwind auf dem Straßenrennrad sehr willkommen. Daher bietet es sich bei höheren Temperaturen an, flott über die Landstriche zu ziehen.
„Es hängt halt davon ab, in welcher Gegend man lebt“, stellt Franz Stocher klar. Wer nur Hauptstraßen vor der Haustür hat, der ist gut beraten, abseits des Straßennetzes im hügeligen Gelände auf einem Mountainbike in die Pedale zu treten. Wohnt man jedoch in einer flachen Gegend wie etwa im Marchfeld, wird man ein Straßenrad bevorzugen.
Stocher rät, sich im Fachhandel beraten zu lassen. „Dort sind geschulte Leute. Wenn man denen erzählt, wo man wohnt, wie viel Zeit man hat, wie oft man fahren will, dann sind sie in der Lage, einem das richtige Gerät hinzustellen“, empfiehlt Stocher. Und auch Sattel und Lenker in der richtigen Höhe einzustellen.

Touren richtig planen

Mit dem richtigen Drahtesel steht einem ungetrübten Radvergnügen nichts mehr im Wege. Radwege und Mountainbike-Strecken gibt es in Niederösterreich ja in Hülle und Fülle. Bei einer längeren Radtour allerdings ist einiges zu bedenken und zu planen. „Das Wichtigste ist immer, dass man sich nicht überschätzt“, warnt Franz Stocher davor, sich seine konditionelle Verfassung schönzureden. Selbstüberschätzung kann nämlich ziemlich mühsam werden. Etwa wenn man mit einem Rennrad bei Rückenwind die Donau abwärts fährt und erst nach 100 Kilometern auf die Idee kommt umzudrehen, weil man doch schön langsam müde wird: „Hundert Kilometer nach Hause mit Gegenwind und stromaufwärts immer leicht bergauf, da wird man seine Sünden abbüßen.“ Daher: Die Strecke immer so planen, dass man alle Einflüsse (eigene Kondition, kupiertes Gelände, Streckenverlauf etc.) mitbedenkt.

Ein genaues Studium des Wetterberichts sollte vor einer längeren Ausfahrt ebenfalls selbstverständlich sein. Schließlich gibt es nichts Unangenehmeres als bei strömendem Regen klitschnass durch die Gegend zu strampeln. Und gefährlich ist es noch dazu. Auch die Hitze sollte in die Planungen miteinbezogen werden: Wenn es wirklich heiß ist, sollte man bei einer Radtour genug zu trinken mithaben und auch ein wenig Geld, um die Trinkflaschen nachfüllen zu können. Eine Kleinigkeit zu essen – eine Banane oder ein Energieriegel – kann auch nie schaden.
Zur Pflichtausstattung gehört auch etwas Werkzeug. „Das ist verschwindend wenig. Mit einem überschaubaren Imbusschlüsselsatz findet man das Auslangen und kann damit praktisch jede Schraube am Rad, die locker wird, wieder festziehen und weiterfahren. Auch einen Ersatzschlauch kann man mitnehmen“, rät Experte Stocher.

In der Gruppe fährt es sich leichter

Hat man all diese Punkte bedacht, macht eine Radtour mit Sicherheit Spaß. In der Gruppe ist das Vergnügen gleich noch einmal so groß. Auch dann, wenn die Radsportler über unterschiedliches Leistungsniveau verfügen. „In einer größeren Gruppe fährt man auf der Straße ja in Zweierreihe. Diejenigen, die besser drauf sind, leisten einfach mehr Führungsarbeit. Die schlechteren fahren im Windschatten und können so sehr viel Kraft sparen“, lautet der Tipp von Franz Stocher. Durch das Fahren im Windschatten lassen sich Leistungsunterschiede gut ausgleichen. „So kann man gemeinsam wegfahren und gemeinsam zurückkommen. Jene, die die Führungsarbeit geleistet haben, sind am Ende des Tages genauso müde wie die, die sich ein bisschen geschont haben“, ist er überzeugt.

Wer einmal ein wenig Abwechslung in seinen Rad-Alltag bringen möchte, für den gibt es in Niederösterreich ebenfalls eine Vielzahl an Angeboten, die sich vor allem an Mountainbiker und jene, die es noch werden wollen, richten. Vom Schnupperkurs für Greenhorns über Fahrtechnik-Workshops für Einsteiger, Fortgeschrittene und Könner bis hin zu speziellen „Women only“-Kursen mit Olympia-Starterin Bärbel Jungmeier reicht die Angebotspalette in den niederösterreichischen MTB-Regionen. Stocher: „Jeder glaubt, Rad fahren kannst du und verlernst du nicht. Nur: Wer kann es schon? Bei diesen Fahrtechnikkursen kann man wirklich viel dazulernen, was einem dann vielleicht einmal einen Ausrutscher oder einen Sturz erspart.“
Für Abenteuerlustige, Freerider und Down­hiller ist der Bikepark Semmering ein wahres Paradies. Von der Familienabfahrt bis hin zur Strecke mit spektakulären Sprüngen ist alles vorhanden, was das Radlerherz begehrt. „Mit der Gondel hinauf, mit dem Rad hinunter. Das ist eine Riesengaudi“, ist auch Franz Stocher begeistert. Die Ausrüstung – angefangen von Downhill-Fahrrad über sämtliche Protektoren bis hin zum Helm – kann man sich vor Ort ausborgen.

Eingebauter Rückenwind

Und was hält ein ehemaliger Radprofi von den in letzter Zeit kräftig boomenden E-Bikes? „Finde ich gut“, so die doch etwas überraschende Antwort. Für Franz Stocher haben die E-Bikes nämlich vor allem zwei große Vorteile: Einerseits können sie im Alltagsradverkehr für jene, die bis jetzt nicht zum Radfahren zu motivieren waren, ein Anreiz sein, doch einmal aufs Bike zu steigen. „Wenn man für kurze Strecken aufs Auto verzichtet, dann ist das schon durchaus sinnvoll. Man tut sich selber Gutes, bewegt sich an der frischen Luft und muss sich nicht über Staus oder andere Autofahrer ärgern“, betont der Rad-Experte.

Aber auch bei der sportlichen Nutzung haben E-Bikes für Stocher durchaus ihre Berechtigung. Beispielsweise dann, wenn ein Pärchen eine längere Radtour in Angriff nehmen möchte. „Meistens ist es dann so, dass er sich fadisiert und sie im Stress ist. Das ist für beide unlustig. Wenn die Dame jetzt zum Beispiel ein E-Bike hätte, dann hat er alle Hände voll zu tun, wenn sie wirklich aufdreht“, erklärt Stocher. Eines steht für ihn jedenfalls schon fest: „Wenn die E-Bikes noch etwas mehr Sexappeal kriegen, weil momentan schauen sie ja aus wie Waffenräder kurz nach dem 1. Weltkrieg, dann kann man damit eine große Masse abholen. Da bin ich sicher.“

Ingrid Vogl
Foto: © weinfranz.com

Die Top-Radrouten in Niederösterreich

  • Donauradweg (EuroVelo 6): Der Donauradweg zählt zu den beliebtesten und auch schönsten Radrouten Europas. Rund 260 Kilometer des großen europäischen Weges begleiten die Donau in Niederösterreich. Die Strecke verläuft fast durchwegs am Fluss.
    Länge: 262,6 Kilometer; Fahrzeit: 17:30 Stunden; Startpunkt: Mauthausen; Endpunkt: Hainburg; Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Kamp-Thaya-March-Radroute: Ruhige Nebenstraßen, reizvolle Flusslandschaften und ein nicht nur historisch spannendes Grenzland: Die 420 Kilometer lange Radroute durch Wald- und Weinviertel ist eine der abwechslungsreichsten Etappen-Touren Österreichs.
    Länge: 421,4 Kilometer; Fahrzeit: 28 Stunden; Startpunkt: Krems;
    Endpunkt: Hainburg; Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Nord-Süd-Achse (EuroVelo 9): Der EuroVelo 9 verbindet die Ostsee mit der Adria. Der Weg von Danzig nach Pula führt rund 180 Kilometer lang durch Niederösterreich: zuerst beschaulich durch das Weinviertel, durch Wien, dann genussvoll durch die Thermenregion und abschließend etwas anspruchsvoller auf den Wechsel.
    Teilstrecke Brünn-Wien: Länge: 86,2 Kilometer; Fahrzeit: 6 Stunden; Startpunkt: Reintal; Endpunkt: Wien; Schwierigkeitsgrad: mittel
    Teilstrecke Thermenradweg: Länge: 95,7 Kilometer; Fahrzeit: 6:30 Stunden; Startpunkt: Wien; Endpunkt: Wechselgebiet; Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Traisental-Radweg: Der Traisental-Radweg hat sich zu einer der beliebtesten Radrouten Niederösterreichs entwickelt. Rund 107 Kilometer lang ist der Radweg, der Traismauer mit Mariazell verbindet. Auf einer landschaftlich bezaubernden Route schlängelt er sich von den sanften Hügeln südlich der Donau bis hinauf in die wildromantische Bergwelt der Mostviertler Alpen.
    Länge: 107,1 Kilometer; Fahrzeit: 8:30 Stunden; Startpunkt: Traismauer; Endpunkt: Mariazell; Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Triesting-Gölsental-Radweg: Er verbindet den Thermen- mit dem Traisental-Radweg. Eine Fahrt auf dem ca. 60 Kilometer langen Radweg ist eine Reise durch wechselnde Landschaften und führt von anfangs ebenen Wegen bis hin durch bereits alpin anmutende Landschaft.
    Länge: 61,7 Kilometer; Fahrzeit: 5 Stunden; Startpunkt: Traisen; Endpunkt: Leobersdorf; Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Piestingtal-Radweg: Bei dieser Radtour in den Wiener Alpen öffnet sich ein Paradies der Blicke: Liebliche Au-Landschaften, zahlreiche schattige Rastplätze und schmale Kiesstrände kennzeichnen das Piestingtal. Eine besondere Attraktion ist die Hangbrücke auf der Talenge „Quarb“, die bereits zum Wahrzeichen des Piestingtal-Radweges geworden ist.
    Länge: 60 Kilometer; Fahrzeit: 4 Stunden; Startpunkt: Sollenau; Endpunkt: Gutenstein (Rohr im Gebirge); Schwierigkeitsgrad: mittel

Weitere Informationen zu diesen und vielen anderen NÖ Radwegen (das beschilderte Radroutennetz umfasst in NÖ 4.200 km) sowie Bestellung der Gratis-Radkarte im Internet unter https://www.niederoesterreich.at/radfahren

Rad-Events in NÖ

Am 17. Juli finden bereits zum 13. Mal die Wachauer Radtage statt. Die atemberaubende Landschaft des Weltkulturerbes Wachau und des Waldviertels werden also auch 2011 wieder Kulisse einer der größten Rad-Breitensport-Veranstaltungen Österreichs sein. Austragungsort der Wachauer Radtage ist wie in den letzten Jahren die Stadtgemeinde Mautern an der Donau. Das Herzstück der Wachauer Radtage, der 177 Kilometer lange Radmarathon mit 2.800 zu absolvierenden Höhenmetern, wurde vom Österreichischen Radsportverband zur offiziellen Austragungsstrecke der 5. ÖRV Radmarathon Austrian Championships für Hobby-Radsportler nominiert. Neben der selektiven Streckenführung und den hohen Sicherheitsstandards sind vor allem Dopingkontrollen ein absolutes Qualitätsmerkmal für fairen Sport bei den Wachauer Radtagen. Zum Marathon gibt es mit den Bewerben über 97 bzw. 50 Kilometer zwei echte Alternativen für Wettkampfeinsteiger. Start aller Bewerbe ist am Sonntag, 17. Juli, um 9 Uhr bei der Römerhalle in Mautern.

Informationen: www.wachauer-radtage.at
Neben den Hobby-Radsportlern werden auch die Rad-Profis in Niederösterreich zu Gast sein, denn am Freitag, 8. Juli, macht die Österreich-Radrundfahrt in der Landesausstellungsregion im Römerland Carnuntum Station.

Mountainbiken in Niederösterreich

Schnelle Touren im Wienerwald, Wellenreiten über die sanften Rundungen des milden und wilden Mostviertels, knackige Trekking-Abenteuer im Waldviertel, Powerritte an den Hängen der Wiener Voralpen – die 264 ausgeschilderten Mountainbike-Genussrouten Niederösterreichs führen direkt von der Haustür weg in die Natur und sind in drei Schwierigkeitsgrade unterteilt.
Family-Strecken sind leichte Touren und für Einsteiger oder Familien mit Kindern ab 10 Jahren geeignet. Sie führen über asphaltierte Straßen oder leicht befahrbare Schotterwege. Rund 50 unterschiedliche Strecken stehen in ganz Niederösterreich zur Wahl, die meisten davon im Waldviertel.
Fun-Strecken sind schon etwas anspruchsvoller. Sie führen über Schotterwege und Forststraßen und überwinden bis zu 800 Höhenmeter. Die meisten Fun-Strecken in Niederösterreich liegen in der Region Wiener Alpen, gefolgt vom Waldviertel und dem Mostviertel.
Power-Strecken sind etwas für echte Könner. Die Routen führen durch anspruchsvolles Gelände, sind bis zu 60 Kilometer lang und überwinden bis zu 1.500 Höhenmeter. Zur Wahl stehen mehr als 90 unterschiedliche Trails, viele davon in der Region Wiener Alpen.
Im Mostviertel findet man insgesamt 66 Mountainbike-Strecken, im Waldviertel 83, in den Wiener Alpen 71 und im Wienerwald 44.

Informationen: https://www.niederoesterreich.at/mbike

LEIHRADL-nextbikes

In NÖ umweltfreundlich und gesund unterwegs mit LEIHRADL-nextbikes. An 210 Stationen in Niederösterreich kann man sich ein Leihrad ausborgen: LEIHRADL-nextbikes sind robuste 3-Gang-Räder, die durch eine auffällige Werbefläche in der Mitte des Rahmens sofort ins Auge stechen. Seit Frühlingsbeginn sind Verleihstationen in ganz Niederösterreich wieder mit LEIHRADL-nextbikes bestückt, die zum günstigen Tarif (Euro 1,–/Stunde, Euro 5,–/Tag) rund um die Uhr entlehnt werden können. In St. Pölten, Wiener Neustadt und im Bezirk Mödling ist die erste halbe Stunde gratis. Im Römerland Carnuntum können Sie sogar eine Stunde lang kostenlos radeln.
Wie das geht?

  1. Registrieren an der Hotline 02742/229901 oder auf www.leihradl.at
  2. Bei der Verleihstation rufen Sie die Hotline an und geben die Nummer des gewünschten Rades ein. Mit einem Zahlencode können Sie nun das Schloss öffnen.
  3. LEIHRADL an einer beliebigen Verleihstation retournieren, absperren und über die Hotline abmelden.

Informationen + Registrierung: Hotline 02742/229901, www.leihradl.at