Gartenlust & Frühlingsduft
Ein Duftgarten kann Ihre Sinne beflügeln und Sie Tag für Tag verführen, sich zu entspannen. GESUND+LEBEN nennt Ihnen die schönsten und verlockendsten Duftpflanzen.
Wenn die Frühlingssonne lacht und die Erde nach dem Schnee getrocknet ist, dann gibt es nichts mehr, was den Gartenfreund von seiner liebsten Tätigkeit, dem Garteln, abhält. Und während die Beete vom Laub befreit werden, der Gemüsegarten für die ersten Saaten bereitet wird, ist er plötzlich da – der Wunsch, etwas Neues zu gestalten. Denn wirklich fertig ist ein Garten nie. Er wächst mit den Jahren und verändert immer wieder seine Gestalt – teils bewusst, teils von sich aus durch das Wachsen der Pflanzen oder mit Hilfe von Wind und Tieren, die für die Verteilung von Saatgut sorgen. Der Blick gleitet durch den Garten, auf der Suche nach dem Fleckchen Erde, das nach einer Neugestaltung verlangt. Und da spürt man ihn, der während des langen Winters beim Verweilen im Freien so sehr gefehlt hat: Den Gartenduft, zuerst ganz leicht, dann immer deutlicher nimmt man diese zarte Frühlingsmischung an Aromen wahr. Das beantwortet die Frage, was heuer neu im Garten entstehen soll: ein Duftgarten!
Neben der Schönheit der einzelnen Pflanzen ist es ihr Duft, der uns immer wieder aufs Neue betört und fasziniert. Düfte laden zum Verweilen und Genießen ein, dringen sanft in unser Bewusstsein und zaubern ein feines Lächeln ins Gesicht. Platz für einen Duftgarten ist überall – im großen Garten entlang von Wegen oder als spezielles „Duftzimmer“ in einem Teil des Gartens, auf der Terrasse oder am Balkon. Entstehen in Gärten abgeschirmte Bereiche, dann sammelt sich darin der Duft und gewinnt an Intensität. Besonders an wärmespeichernden Mauern oder Hecken konzentriert sich der Duft und lädt zum Verweilen ein. Eine Laube, umrankt von Geißblatt oder Rosen, wird zum lauschigen Plätzchen. Selbst für das Fensterbrett gibt es geeignete Pflanzen, die so ihre zarte Botschaft im Haus verteilen. Die Vielfalt ist grenzenlos – in Farbe, Form, Jahreszeit der Blüte und selbst in der Tages- oder Nachtzeit der Duftentwicklung. Jetzt beginnen die meisten Pflanzen gerade erst wieder langsam zu wachsen – die Zwiebelgewächse hingegen bieten als erste Boten der Gartensaison in ihrer bunten Vielfalt schon im März und April ein wahres Dufterlebnis. Zwar zarter im Aroma als so mancher Sommerblüher, doch ist es nicht gerade das, was so harmonisch zum Frühling passt? Hyazinthen, Narzissen, Traubenhyazinthen, Primeln und Frühlingsknotenblumen strahlen fröhlichen Farbklecksen gleich aus vielen Gärten und locken die ersten Bienen an. Bald folgen Akelei und die kleinen Veilchen. Sie alle fühlen sich im Topf ebenso wohl wie im Beet und sind unkompliziert. Der Elfenbeinginster (Cytisus praecox) ist einer der ersten duftenden Sträucher, der zwischen April und Juni mit blumig duftenden, gelb leuchtenden Blüten erfreut. Der Klassiker unter den Gehölzen ist der Flieder (Syringa). Seine Blütenpracht betört in den verschiedensten Rosa-, Blau- und Violettnuancen und zartem Weiß. Der Gartenjasmin (Pfeifenstrauch, Philadelphus coronarius), ein betont aufrecht wachsender Strauch mit herrlich weißen Blütenbüscheln, ist für seinen starken Duft bekannt, dem er auch den Einzug in die Bauerngärten verdankte. Bis heute gehört er zu den beliebtesten Sträuchern, sicher auch wegen seiner Anspruchslosigkeit. Er passt auch sehr gut in eine Dufthecke. Für kleine Gärten gibt es kleinbleibende Sorten wie „Belle Etoile“ mit fransigen Blütenrändern und die alte französische Sorte „Manteau d´Hermine“, die nach Orangenblüten duftet. Bei den Kübelpflanzen sind es die Zitrusgewächse, die in voller Blüte stehen und für mediterrane Stimmung auf der Terrasse sorgen.
Opulenter Duft unter Sommersonne
Im Sommer erreichen die pflanzlichen Dufterlebnisse den absoluten Höhepunkt. Von allen Seiten, aus allen Höhen und selbst zu allen Tageszeiten bis hin zur Nacht fesseln betörende Düfte. Rosen in vielerlei Gestalt verzaubern mit ebenso vielerlei Düften. Ätherische Öle sind in den Rosenblättern gespeichert und entfalten bei Sonnenlicht ihr volles Aroma. Die englischen Rosen überzeugen neben ihrer Schönheit mit der langen Blühdauer, die häufig bis in den Herbst reicht. Die Dufterlebnisse sind sehr intensiv und variantenreich – etwa Moschus, Myrrhe oder Zitrone. Nun sind auch die Würzkräuter auf dem Höhepunkt angelangt. Lavendel bringt Urlaubsstimmung in den Garten, liebt trockene und sonnige Plätze und braucht wenig Wasser. Wird er als Einfassung von Wegen verwendet, kommt man beim Gehen unweigerlich mit seinen ätherischen Ölen in Kontakt. So entfaltet er sein volles Aroma. Anspruchsloser, aber ebenso süß-kampferartig, würzig duftend ist der Ysop. Als Sonnenanbeter unter den Kräutern kann der Rosmarin bezeichnet werden, er sollte in keinem Sommergarten fehlen. Kamille, Thymian, die vielen Minzen und die Salbeisorten – bei den Kräutern sind wundervolle Gerüche quasi Programm und lassen keine Wünsche offen.
Als Königinnen unter den Duftpflanzen gelten die Lilien, deren schwere Düfte zwar fast schon ein wenig aufdringlich, aber im Garten einfach unentbehrlich sind. Für jährliche Abwechslung sorgen die ein- und zweijährigen Duftpflanzen. In Beete eingestreut, helfen sie Lücken schnell zu schließen. Empfehlenswerte Einjährige sind Bartnelke, Duftwicke, Gartenreseda, Kapuzinerkresse und Löwenmäulchen. Zweijährige Duftpflanzen sind Gartenstiefmütterchen, Gemeine Nachtkerze, Gemeine Nachtviole, Goldlack und Ringelblume. Was gibt es Schöneres als einen arbeitsreichen Tag im Garten oder auf der Terrasse ausklingen zu lassen? Wenn dann noch eine sommerliche Duftkulisse dazukommt, steht einem gemütlichen Abend nichts mehr im Wege. Die sicher schönsten Düfte der Nacht liefern Levkojen und Nachtviolen. Tagsüber eher unauffällig, verwandeln sie sich nachts zu den Königinnen des Gartens. Ihnen zur Seite steht die Nachtkerze – das Öffnen ihrer mondlichtfarbenen, fruchtig duftenden Blüten ist jede Nacht aufs Neue ein Spektakel für sich.
Abschiedsgruß im Herbst
Wenn der Herbst ins Land zieht, wird es ruhiger um die Düfte im Garten. Dennoch erzeugen einige wenige Pflanzen noch unvergessliche Eindrücke, bevor der Garten unter der Schneedecke eine Pause bis zum Frühling einlegt. Silberkerzen bringen einen köstlich süßen Parfumduft. Herbst-Prachtnelke und bodendeckender Storchenschnabel sind letzte Duftboten. Aber auch einige wenige Sträucher verwöhnen noch im Herbst: Der Sommerflieder (Buddleja) blüht bis in den Herbst, ebenso einige Rosensorten und die nach Honig riechenden Blüten der Rispen-hortensie (Hydrangea paniculata). Ziemlich neu in den heimischen Gärten ist der „Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch“ (Heptacodium miconoides) aus China. Er beginnt erst ab September mit kleinen weißen Büscheln zu blühen, die zart nach Jasmin duften. Aber ist nicht auch der Geruch nach reifen Äpfeln und Birnen ein Aroma, das Wohlbefinden auslöst? Und der typische Geruch des am Boden liegenden bunten Laubes ist für viele eng mit dem goldenen Herbst verbunden.
Zarte Düfte im Winter
Einige wenige Pflanzen trotzen dem Winter und
zeigen ihre Blüten just zu jener Zeit. Der Winterschneeball verströmt mit seinen zartrosa Blüten bereits ab Dezember bei mildem Wetter einen süß-lichen Duft. Auch der Winterjasmin ist ein zuverlässiger Blüher, der kleine sternförmige gelbe Blüten besitzt. Langsam wächst die Zaubernuss, die es in Gelb oder Rot gibt. Die Sorte „Pallida“ ist zitronengelb, reich blühend und verwöhnt mit einem intensiven Duft. Ebenso gut duftend, aber in einem wärmeren Gelbton ist die Sorte „Arnold Promise“. Das winterblühende Geißblatt (Lonicera purpusii) ist wenig bekannt, obwohl es robust und winterhart ist. Es
duftet geißblatttypisch sehr intensiv und ist dank
seiner geringen Höhe von maximal zwei Metern bestens für Kleingärten geeignet.
Auf duftenden Pfaden und Plätzen
Aus der Fülle der Duftpflanzen kann nun der persönliche Duftgarten komponiert werden – quer durchs Jahr in einer bunten Mischung im kleinen Garten und auf der Terrasse oder aber in Dufträumen für die Jahreszeiten, wo immer wieder ein anderer Teil des Gartens im Mittelpunkt steht. Die am meisten benützten Wege und die beliebtesten Plätze von Duftpflanzen eingerahmt, und vielleicht schon am Hauseingang ein wohlriechender Willkommensgruß, einige wenige Akzente oder gleich ein ganzer Bereich – hinsichtlich der Gestaltung sind keine Grenzen gesetzt. Auf Pergolen oder entlang von Wänden ranken sich Blauregen, Clematis oder Geißblatt. Bei der Clematis sind zwar die meisten Sorten nicht duftend, aber Clematis mandschurica oder Clematis Orange Peel sind wohlriechende Waldreben. Unvergleichlich im Duft ist der Blauregen, auch Glyzinie genannt. Bereits ab April zeigen sich die angenehm duftenden Blütentrauben. Im sommerlichen Garten ist das Japanische Geißblatt (Lonicera japonica) ein wahrer Kletter- und Duftkünstler. Bei den einjährigen Kletterern sind Hopfen (Humulus lupulus) und Duftwicken (Larthyrus odoratus) ein unkomplizierter Wandschmuck. Als kleine Besonderheit für die Terrasse oder den Balkon verströmt die burgunderrote Blüte der Schokoladenkosmee (Cosmos atrosanguineus Chocomocha) verführerischen Schokoduft. Sie blüht von Juli bis September. Der Duft der Schokominze (Mentha piperata Chocolate) erinnert an Schoko-minzplättchen. Ob klassischer Wohlgeruch oder spannende Neuzüchtung – eines haben alle ver-lockenden Duftpflanzen gemeinsam: Sie machen den Garten mit ihrer Vielfalt an Form und Farbe erst richtig vollkommen und zu einer Oase der Entspannung für Geist und Körper, aber auch Augen, Ohren und Nase!
Fotos: benes-oeller, haiden, Burger
Buchtipp
Margit Benes-Oeller:
Duftpflanzen für naturnahe Gärten
ISBN 978-370402208-0
79 Seiten, 10,95 Euro
Zu bestellen unter
www.gartenbuch.at
Gartenarbeiten im April
April, April – der macht, was er will. Und genau diese Eigenschaft macht den April für die Gärtner ein wenig unberechenbar. Aber meist sind genug
sonnige Tage dabei, damit die nötigen Arbeiten erledigt werden können.
Nutzgarten:
- Hornspäne und Kompost oberflächlich in die Beete einarbeiten. Nicht umgraben, nur den Boden auflockern – so bleiben die Mikroorganismen verschont. Wenn das Bodengefüge durch das Umgraben durcheinandergebracht wird, sterben viele dieser Lebewesen, wodurch zahlreiche
- Stoffwechselprozesse, die für das Pflanzenwachstum wichtig sind, zum Erliegen kommen.
- Erste Aussaaten sind möglich: Radieschen, Spinat, Erbsen, Mairüben, Meerrettich.
- Salate können bereits ausgesetzt werden.
- Lassen Sie sich aber nicht von warmen Tagen dazu verleiten, frost-
- empfindliche Pflanzen schon auszusetzen – hier gilt es bis Mitte Mai zu warten!
Ziergarten:
- Ideale Pflanzzeit für Gehölze und Stauden.
- Verblühte Zwiebelpflanzen wie Tulpen oder Narzissen nicht abschneiden, sondern einziehen lassen!
- Robuste Sommerblumen wie Ringelblume oder Schmuckkörbchen dürfen schon gesät werden.
- Gartenteich: Spätestens im April alle Gräser und Stauden auf eine Handbreit über dem Boden abschneiden. Achten Sie dabei auf die neuen Triebe, damit Sie diese nicht beschädigen. Die Wasseroberfläche von schwimmenden Pflanzenresten befreien.
- Von März bis Mai ist die Pflanzzeit für Sommerblumenzwiebel. Frostharte Lilien können jetzt schon gepflanzt werden.
Links:
www.naturimgarten.at
„Natur im Garten“-Akademie: unter „Angebote“ finden Sie Seminare und Vorträge rund um den Garten.
Gartentelefon: 02742/74333
14.+15.04.2012: In den Garten, fertig, los! Erlebnistage zum Start der Garten Tulln – Die Garten Tulln, www.naturimgarten.at
19.–22.04.2012: WISA Messe St. Pölten, VAZ Messegelände, www.wisa-messe.at
21.04.2012: Frühlings-Pflanzenmarkt, Stift Seitenstetten, www.stift-seitenstetten.at
21.04.2012: Dorffrühling, Museumsdorf, Niedersulz, www.museumsdorf.at
05.+06.05.2012: Großes Naturgartenfest, Schloss Schallaburg; www.schallaburg.at





