„Frauen profitieren besonders“
Wer mit dem Rauchen aufhört, tut enorm viel für seine Gesundheit. Allerdings ist der Rauchstopp für viele Menschen ein schwer zu erfüllender Wunsch – denn Rauchen ist eine Suchtkrankheit. Aber man kann es schaffen, und das nützt besonders den Frauen.
Am besten wäre es, erst gar nicht anzufangen mit dem Rauchen. Denn bei sehr vielen Menschen führt das Probieren nach einiger Zeit zum Suchtverhalten. Doch obwohl Rauchen schon lang nicht mehr das coole Kultimage hat, das früher vielfach plakatiert und durch Filme bestätigt wurde, fangen immer noch viel zu viele und vor allem junge Menschen damit an: In Österreich rauchen laut Eurobarometer rund 34 Prozent der Bevölkerung, bei den Frauen sind es 27 Prozent, bei den Männern 41 Prozent. Bei den Jugendlichen führt Österreich die europaweite Statistik an, bei den 15-jährigen Mädchen sind es 30 Prozent, bei den Burschen 24 Prozent (Quelle: OECD).
Und dabei ist weithin bekannt: Rauchen ist neben mangelnder Bewegung und ungesunder Ernährung einer der wichtigsten Risikofaktoren für chronische Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen und Typ-2-Diabetes. Rauchen verursacht 25 bis 30 Prozent aller Krebserkrankungen. Mehr als die Hälfte der regelmäßigen Raucher stirbt vorzeitig an den Folgen des Tabakkonsums. Durchschnittlich büßen Raucher zehn Lebensjahre ein.
Doch es gibt gute Chancen, wieder Nichtraucherin oder Nichtraucher zu werden, und eine davon ist das Rauchertelefon: eine anonyme
und kostenlose Anlaufstelle, wo man Tipps und auch Unterstützung bekommt. GESUND&LEBEN sprach mit der Leiterin des Rauchertelefons,
der Gesundheitspsychologin Mag. Sophie Meingassner, über aktuelle Trends, die Unterstützung für künftige Nichtraucher und die neue Kampagne „Julia rauchfrei“.
G&L: Was sind die häufigsten Fragen der Menschen, die anrufen?
Meingassner: Die meisten Raucherinnen und Raucher möchten gerne aufhören und wissen nicht, wie sie es am besten angehen sollen – oder wollen gerne Unterstützung bei ihrem Vorhaben.
G&L: Wie viel Prozent schaffen den Ausstieg auch längerfristig?
Meingassner: 30 bis 40 Prozent bleiben langfristig rauchfrei, das ist für eine chronische Suchterkrankung eine gute Quote.
G&L: Warum ist es Ihnen so wichtig, gerade bei den Frauen anzusetzen?
Meingassner: In Österreich rauchen enorm viele Frauen – und gerade junge Frauen, deshalb ist uns diese Zielgruppe wirklich wichtig. Rauchen kann innerhalb weniger Wochen und Monate und schon bei geringem Konsum zu einer Tabakabhängigkeit führen.
G&L: Reagiert der Körper bei Frauen anders als bei Männern auf das Rauchen?
Meingassner: Das belegen verschiedenen Studien. Bei Frauen reagiert der Körper teils noch empfindlicher auf die Schadstoffe als bei Männern. Bei Frauen steigt die Lungenkrebssterblichkeit seit Jahrzehnten kontinuierlich an. Rauchen wirkt sich so negativ auf das Herz-Kreislauf-System aus, dass rauchende Frauen ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben als rauchende Männer. Die Einnahme der Antibabypille erhöht dieses Risiko noch um ein Vielfaches. Rauchen erhöht das Risiko für chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen. Frauen sind gegenüber den schädlichen Wirkungen auf die Lunge empfindlicher als Männer. Und Rauchen erhöht die Osteoporose-Wahrscheinlichkeit, also dass die Knochen im Alter brüchig werden.
G&L: Wie ist das mit dem Rauchen rund um das Thema Schwangerschaft und Muttersein?
Meingassner: Das ist ein riesiges Thema, und deshalb liegen mir gerade die jungen Frauen so sehr am Herzen: Frauen, die schwanger sind und rauchen, belasten nicht nur ihre eigene Gesundheit, sondern auch die Entwicklung des Babys. Rauchen beeinträchtigt den Menstruationszyklus und die Fruchtbarkeit. Rauchen erhöht das Risiko für schwere Schwangerschaftskomplikationen. Mütterliches Rauchen erhöht das Risiko für den plötzlichen Kindstod. Rauchen reduziert die Milchproduktion bei der Mutter. Mit der Muttermilch gelangen Schadstoffe aus dem Tabakrauch in den Körper des Säuglings.
Mütter und Eltern, die rauchen, sind schlechte Vorbilder für die Kinder und belasten diese durch Passivrauch – das wären doch jede Menge Motive für einen Rauchstopp!
G&L: Gilt das alles auch fürs Passivrauchen?
Meingassner: Passivrauchen kann dieselben Gesundheitsschäden verursachen wie aktives Rauchen. Auch gegenüber Passivrauchen scheinen Frauen sensibler zu sein als Männer.
G&L: Kommen wir zum Ausstieg aus dem Rauchen. Was sind Ihre liebsten Tipps, um den Ausstieg zu schaffen?
Meingassner: Eine gute Planung und Vorbereitung ist ganz wichtig, damit der Start in die Rauchfreiheit gut klappt. Also: alles wegräumen, was an die Zigarette erinnert, ein gutes Datum aussuchen, an dem kein besonderer Stress oder Druck zu erwarten ist, Alternativen vorbereiten, Belohnungen überlegen und so weiter. Ist der Rauchstopp dann geschafft, helfen die drei A wirklich gut bei Verlangensattacken – das heißt, wenn der Gusto kommt: ablenken, abwarten oder abhauen, um nicht zur Zigarette zu greifen!
G&L: Welche Tipps von Nutzerinnen und Nutzern zum Dranbleiben geben Sie am liebsten weiter?
Meingassner: Da gibt es einige tolle Ideen: Viele Exraucherinnen und Exraucher berichten, dass sie täglich das Geld sparen, das sie früher für Zigaretten ausgegeben haben, und sich dann nach einigen Wochen eine Belohnung leisten.
Die Notfallkarte, die immer mit dabei ist und auf der drei hilfreiche Strategien zum Rauchfreibleiben stehen, empfehlen wir am Telefon auch sehr gerne.
Und schließlich, sich immer wieder daran zu erinnern, warum man eigentlich rauchfrei sein will oder werden wollte. Die Motive für die Rauchfreiheit parat zu haben, hilft dabei, standhaft zu bleiben und der Versuchung nach „nur einer Zigarette“ nicht nachzukommen. Weil bei einer bleibt es dann fast nie!
G&L: Hat Sie schon einmal jemand mit einer ganz besonderen Idee überrascht, auf die Sie nicht gekommen wären? Welche?
Meingassner: Eine tolle Idee von einer Anruferin, der es besonders schwerfiel, auf die erste Zigarette in der Früh zu verzichten, war, gleich in der Früh ein wohlriechendes Fußbad zu nehmen! So gönnt sie sich etwas Gutes, der gute Geruch passt nicht zum Zigarettengeruch und aufstehen und schnell eine rauchen kann sie auch nicht, weil die Füße ja im Wasser stecken! Diesen großartigen Tipp geben wir jetzt auch weiter.
Das Rauchertelefon
Das Rauchertelefon – 0810 810 013 – ist eine Initiative der Sozialversicherungsträger, der Bundesländer und des Bundesministeriums für Gesundheit. Der Großteil der Raucherinnen und Raucher raucht schon lange nicht mehr freiwillig. In vielen Fällen hat sich eine chronische Abhängigkeit von Nikotin entwickelt. Wer aufhören will, braucht Vorbereitung, Planung und Unterstützung. Speziell ausgebildete Klinische- und Gesundheitspsychologinnen informieren und beraten. Auf Wunsch werden Sie mit bis zu fünf Folgegesprächen bei der Planung und Umsetzung des Rauchstopps begleitet.
Tel.: 0810 810 013,
Mo. bis Fr. 10:00–18:00 Uhr, österreichweit max. 10 Cent/min
www.rauchertelefon.at,
www.facebook.com/Rauchertelefon
Julia rauchfrei
Eine neue Kampagne soll vor allem jungen Frauen helfen, beim Rauchstopp nicht rückfällig zu werden.
Wegen einer Zigarette wird man doch nicht rückfällig, oder? Eine ist keine, oder? Julia ringt mit sich: Soll sie oder soll sie nicht? Die Entscheidung überlässt Julia ihren Freunden in einer Videobotschaft. Sie können per Mausklick mitbestimmen, ob Julia wieder rauchen soll oder nicht: www.youtube.com/watch?v=VcU5iyMjI2s
Julia heißt im richtigen Leben Sophia Grabner, ist 26 Jahre und eine
talentierte Nachwuchsschauspielerin. Der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungen und das Rauchertelefon konnten sie für die neue Kampagne für Tabakprävention im Internet gewinnen.
Julia hat vor ein paar Wochen mit dem Rauchen aufgehört. Aber als sie beim Zusammenräumen ihrer Wohnung eine Zigarettenschachtel findet, bekommt sie plötzlich wieder große Lust. Sie merkt, dass sie doch nicht so standhaft ist, wie sie glaubte. Sie beschließt, sich via Youtube an die Internet-Gemeinde zu wenden – die Zuseher sollen per Mausklick entscheiden: Rauchen oder Nichtrauchen? Am Ende des Videos führen zwei Links zu Julias Homepage www.juliarauchfrei.at
Dort können die Zuseher Julia vom Rauchen abhalten. Dabei gibt man seine Tipps in ein Textfeld über dem Videofenster ein. Julia belohnt jeden brauchbaren Ratschlag mit einem unterhaltsamen Video, in dem sie den jeweiligen Tipp in die Tat umsetzt.
Die Kampagne „Julia rauchfrei“ richtet sich an Frauen zwischen 18 und 34 Jahren. Der Charakter Julia inspiriert und schafft auf humorvolle Weise Aufmerksamkeit für die Möglichkeiten zum Rauchstopp. Ziel der Kampagne ist es, die Angebote des Rauchertelefons und der österreichischen Sozialversicherungen bekannt zu machen.
n Informationen: www.youtube.com/watch?v=VcU5iyMjI2s
www.juliarauchfrei.at
Was tun bei Verlangensattacken?
In den ersten rauchfreien Tagen verspüren Sie möglicherweise immer wieder Verlangen nach einer Zigarette – manchmal sogar sehr heftig. Das sind sogenannte Verlangensattacken. Diese sind normal und kommen bei vielen Menschen vor, die ein rauchfreies Leben beginnen. Wichtig ist, dass Sie wissen, dass die Verlangensattacken nicht lange dauern (durchschnittlich ca. 5–10 Minuten) und dass sie von Tag zu Tag seltener und weniger intensiv auftreten. Mit einigen hilfreichen Strategien können Sie sich gut vorbereiten und den Verlangensattacken ein Schnippchen schlagen. Hier finden Sie eine Übersicht zu hilfreichen Strategien.
- Leichtes Verlangen: Schenken Sie dem Verlangen keine größere Beachtung: Es wird so schnell vorübergehen, wie es gekommen ist. Bleiben Sie bei dem, was Sie gerade tun und versuchen Sie, sich wieder verstärkt darauf zu konzentrieren!
- Mittleres Verlangen: Richten Sie Ihre Gedanken ganz bewusst auf etwas anderes (z. B. auf Ihre Motive zum Rauchstopp oder auf ein angenehmes Erlebnis in der Vergangenheit). Beschäftigen Sie sich mit einer Tätigkeit, die Sie nicht mit dem Rauchen verbinden. Verändern Sie etwas an Umgebungsbedingungen: Oft helfen schon „Kleinigkeiten“ wie z. B. aufstehen, sich bewegen, Fenster öffnen, ein Gespräch führen. Versuchen Sie, Ihre Aufmerksamkeit vom Verlangen nach einer Zigarette abzuwenden – es hilft Ihnen nicht weiter, sich auszumalen, wie schön es wäre. Je schneller Sie die Aufmerksamkeit abwenden, desto weniger wird sich das Rauchverlangen ausbreiten.
- Starkes Verlangen: Machen Sie sich bewusst, dass diese Attacken nur einen kurzen Zeitraum andauern, maximal bis zu zehn Minuten. Danach verschwinden sie so schnell, wie sie aufgetaucht sind. Versuchen Sie, mit Wörtern zu beschreiben, was es ist, das Sie spüren – auf diese Weise schaffen Sie Distanz zur Verlangensattacke. Belohnen Sie sich für eine erfolgreich überstandene Attacke. Und vergessen Sie nicht: Auch wenn Sie anfangs häufig Verlangensattacken erleben, so wird der Großteil der Zeit frei vom Rauchverlangen sein.





