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Entzündete Blase

Sommerzeit mit Badespaß – doch weniger amüsant ist die lästige Blasenentzündung, die man sich dabei holen kann. GESUND&LEBEN weiß, was im Fall der Fälle hilft.


foto: istockphoto

Endlich ist es so weit: Der Sommer ist da, jetzt locken Seen, Flüsse, Freibäder, Schanigärten, in denen man bis spätabends entspannen kann. Die Sonne brennt tagsüber heiß vom Himmel, luftige Kleidung oder Bikinis sind angesagt. Doch wer anfällig für Blasenentzündungen ist, sollte jetzt sorgsam mit seinem Körper umgehen, denn nicht nur der Sommer, sondern auch Flüssigkeitsmangel, Verkühlung und Co haben jetzt Hochsaison. Gerade in der warmen Jahreszeit sollte man ausreichend trinken. Im Schnitt benötigen Erwachsene etwa eineinhalb Liter Flüssigkeit am Tag. Doch im Sommer ist es wichtig, mindestens das Doppelte zu trinken. Denn durch die „körpereigene Kühlung“ im Sommer, das Schwitzen, benötigt der menschliche Organismus wesentlich mehr Flüssigkeit als an kalten Tagen. Trinkt man zu wenig, ist einerseits der Kreislauf belastet, andererseits steigt die Gefahr, sich einen Harnwegsinfekt zuzuziehen. Warum? „Ganz einfach: Wer wenig trinkt, muss auch weniger oft die Blase entleeren, und das fördert die Entstehung von Harnwegsinfekten“, erklärt der niedergelassene Urologe Dr. Karl Diehl aus Tulln, der grundsätzlich dazu rät, die Blase öfter zu entleeren, denn: „Stehende Gewässer kippen leichter! Keime bilden sich ganz einfach schneller, wenn der Harn für einen längeren Zeitraum in der Blase steht. Außerdem wird beim Wasserlassen die Harnröhre durchspült.“

Intimhygiene & Sex

Der nächste Tipp des Experten betrifft sogenannte Kältetraumen, die man sich etwa durch einen nassen Bikini oder das Sitzen im abends kühleren Schanigarten oder in der Natur zuziehen kann. Achten Sie daher auf einen warmen „Untergrund“, wenn Sie abends im Freien in einem Beisl oder Garten sitzen, und wechseln Sie den Badeanzug nach dem Schwimmen immer sofort, denn im nass-kalten Klima fühlen sich Bakterien sehr wohl.
Die Ansteckung mit einem Harnwegsinfekt kann auch über die Übertragung von Bakterien des Darms in die Harnröhre oder über einen „infektiösen“ Geschlechtspartner erfolgen. Wichtig ist daher auch die richtige Intim­hygiene und ein sorgsamer Umgang mit Sex. „Was die Intimhygiene betrifft, so kann man grundsätzlich auf die Natur vertrauen. Das saure Scheidenmilieu fungiert als schützende Barriere gegen Bakterien, und übertriebene Hygiene schadet mehr, als sie nützt“, weiß Diehl. „Außerdem sollten Frauen immer darauf achten, nach dem Stuhlgang stets von vorne nach hinten zu wischen, damit keine Darmbakterien zur Scheide und in die Blase gelangen.“ Vor und vor allem nach dem Sex sollte man die Blase vollständig entleeren. „In ganz speziellen Fällen kann nach Rücksprache mit dem Arzt vor dem Geschlechtsverkehr ein
Antibiotikum eingenommen werden, das das Enstehen eines Harnwegsinfekts bei besonders Anfälligen verhindert, doch dies darf in keinem Fall die Regel sein!“, sagt der Urologe. Und: „Sollte der Partner eine bakterielle Infektion haben, ist ein Kondom sicherlich von Vorteil, da damit die Keimübertragung verhindert wird.“

Wenn „es“ doch passiert ist

Ist es aber doch passiert und haben Sie sich eine lästige Blasenentzündung zugezogen, so gilt wiederum trinken, trinken, trinken, den Bereich um die Blase warm halten und die Blase häufig entleeren. Auch wenn es durch das Brennen unangenehm sein kann, werden so die Bakterien ausgespült und können sich nicht in der Blase vermehren.
Was das Trinken betrifft, so empfehlen sich im Fall von Blasenentzündungen zwei bis drei Liter pro Tag. Am besten eignen sich spezielle harntreibende und entzündungshemmende Kräutertees wie etwa Blasen- oder Brennnesseltee aus der Apotheke. Dort bekommen Sie übrigens auch Cranberry­produkte, die den Urin ansäuern, wodurch sich Bakterien nicht so leicht vermehren können.
Füße warm halten ist ein weiterer heißer Tipp beim lästigen Harnwegsinfekt, und manchmal wird auch empfohlen, auf unnötige „Reizquellen“ wie Kaffee, Alkohol und stark gewürzte Speisen zu verzichten.

Bei stärkeren Beschwerden zum Arzt

Eines sollten Sie bei einer Blasenentzündung aber keinesfalls eigenmächtig tun: ein Antibiotikum einnehmen. Bei stärkeren Beschwerden sollte man jedenfalls den Arzt aufsuchen, weiß Diehl: „Der Urologe kann den Harn untersuchen und feststellen, ob wirklich ein zu behandelnder Harnwegsinfekt vorliegt. Erst bei einer nachgewiesenen bakteriellen Infektion ist die Einnahme eines Antibiotikums notwendig.“ Damit das alles aber gar nicht erst nötig wird, sollten Sie – auch und gerade jetzt im Sommer – auf die guten alten Empfehlungen unserer Großmütter und auf die der Experten achten.
Dann können Sie Sommer, Sonne, Badespaß und Schanigartenfreude ungetrübt genießen.

Nachtanken – aber richtig   

Der menschliche Körper besteht zu gut zwei Dritteln aus Wasser. Gerät besonders an den heißesten Tagen des Jahres die Wasserbalance durch Flüssigkeitsverlust und/oder durch zu geringe Zufuhr aus dem Gleichgewicht, hat dies Folgen für die Gesundheit: Das Blutvolumen nimmt ab, dadurch wird das Gehirn unzureichend mit Sauerstoff versorgt. Und auch andere Organe wie die Niere leiden. Die empfohlene Flüssigkeitszufuhr liegt für Erwachsene bei mindestens eineinhalb Litern, an besonders heißen Tagen sogar bei drei oder mehr Litern. Geeignete Getränke sind Leitungswasser, das man auch mit ein paar Tropfen Zitronensaft oder ein paar Blättern Zitronenmelisse schmackhaft machen kann, Mineralwasser oder ungesüßte Kräuter- und Früchtetees. Wer Sport macht, wie Laufen, Radfahren oder Bergsteigen, kann als isotonisches Getränk zwei Drittel Wasser mit einem Drittel Fruchtsaft aufspritzen und diesen Mix mit einer Spur Salz ergänzen – der perfekte isotonische Durststiller.