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Endlich wieder gut sehen

Vor allem den Grauen Star behandeln die Augenabteilungen in den NÖ Landeskliniken tagesklinisch – das bedeutet, dass man nur ein paar Stunden und nicht die Nacht im Krankenhaus bleiben muss, um wieder gut zu sehen.


FOTOS: Gerald Lechner

Krankenhaus, Operation, dort auch noch schlafen – für viele Menschen ist diese Vorstellung ein Riesenstress. Doch gerade bei der im Alter so häufigen Operation des „Grauen Star“, der das Sehvermögen durch die altersbedingte Eintrübung der Linse immer mehr einschränkt, ist das heute kein Thema mehr: In fünf Landeskliniken in Niederösterreich kann man sich die Augen tagesklinisch operieren lassen und muss dafür nicht länger als ein paar Stunden im Klinikum bleiben.
GESUND+LEBEN hat sich deshalb im Landesklinikum St. Pölten erkundigt, wie so eine Augen-Tagesklinik funktioniert.

Organisatorische Leistung

In der Abteilung für Augenheilkunde und Orbita­chirurgie im Landesklinikum St. Pölten gibt es die Augen-Tagesklinik bereits seit zwei Jahren: Im
September 2010 startete das Team um Prim. Univ.-Doz. DDr. Armin Ettl und DGKS Esther Buchegger, MSc, Stationsleitung der Augen-Tagesklinik, mit der tagesklinischen Versorgung. Sie stellten den Klinikbetrieb ohne Pause von einem Tag auf den anderen um – gut geplant und mit viel Arbeit im Hintergrund. Dieser Kraftakt ist eine große organisatorische
Leistung im Sinne der Patientinnen und Patienten, wie die beiden tagtäglich sehen. Denn die Abläufe für die Patientenversorgung sind klar und präzise geregelt und standardisiert. Bis zu 40 Patienten am Tag werden hier behandelt, zusätzlich laufen die Vorbereitungen und Nachbehandlungen. Vor allem Katarakt-Operationen („Grauer Star“) werden an der Abteilung tagesklinisch durchgeführt, bis dato an die 4.000 Operationen. Weitere tagesklinische Leistungen sind Medikamenten-Applikationen zur Behandlung der altersbedingten feuchten Makula-Degeneration. Aber auch plastische Lid-Operationen sowie Eingriffe an den Tränenwegen und Laserbehandlungen werden tagesklinisch gemacht.

Gut organisierter Ablauf

Da die Bevölkerung immer älter wird, muss die im Alter zunehmende Trübung der Augenlinse immer häufiger operiert werden, und so ist auch der Großteil der Patienten über 70. Prim. Ettl: „Es ist eine große Herausforderung, oft haben wir auch Patienten über 90. Und es werden laufend mehr.“ Auch die 90-Jährigen erfreuen sich nach der OP wieder einer guten Sehkraft, und Ettls Team erlebt immer wieder berührende Momente und erfährt wunderschöne Geschichten darüber, wie die wiedergewonnene Sehkraft das Leben der Patienten und ihrer Angehörigen bereichert. So können sie wieder die Farben des Herbstes sehen und das Enkelkind bewundern, können zum Beispiel „Mühle“ und „Mensch ärgere dich nicht“ spielen oder lesen.
Die Patientin, der Patient muss sich nach der Diagnose beim niedergelassenen Augenarzt zur Operation im Landesklinikum anmelden. In der Woche vor der Operation kommt der Patient zur präoperativen Vorbereitung. Dabei werden alle nötigen Parameter für eine erfolgreiche Behandlung erhoben. Sind alle Befunde da oder muss noch was nachgeliefert werden? Wie sieht es mit dem all­gemeinen Gesundheitszustand aus? Ist die Operation risikofrei möglich? Patient und oft auch Angehörige werden gründlich aufgeklärt. Dann untersucht eine medizinische Fachkraft Augendruck und Brechkraft, ebenso ein Arzt, und bei der Mittags­visite der Station kategorisiert der verantwortliche Oberarzt die Schwere der Operation. Das ist nötig für einen reibungslosen Ablauf am Operationstag und für die OP-Planung der Abteilung. Zum Schluss erhält der Patient von den Pflegekräften genaueste Informationen, wie die Augen auf die OP vorbereitet werden müssen, sowie das Rezept für die nötigen Medikamente und den Zeitplan für den OP-Tag.

Ein Tag im Klinikum

Zur Operation kommen alle Patienten um 6:30 Uhr ins Klinikum – sobald alle Vorbereitungen erledigt sind, geht es Schlag auf Schlag: In zwei OP-Sälen wird bis in den Abend hinein operiert, nebenbei applizieren die Ärzte in der Tagesklinik die Medikamente bei Patienten mit feuchter Makula-Degeneration.
Wobei die Operation selbst für den Patienten nicht sehr belastend ist: Für eine Katarakt-OP brauchen die Ärzte nur mehr 15 bis 30 Minuten – auch der Fortschritt in der Medizin begünstigt die tagesklinischen Behandlungen. Die eingetrübte Linse wird mittels Ultraschall zertrümmert und entfernt, dann durch einen winzigen Schnitt eine künstliche Linse an der richtigen Stelle hineingeschoben und wie ein Regenschirm aufgefaltet.
Experte Ettl erklärt: „Die Operation ist schmerzlos, es gibt in den allermeisten Fällen keine Voll­narkose, sondern nur eine leichte Schmerzausschaltung durch Tropf-Anästhesie oder eine Spritze (wie beim Zahnarzt), damit der Patient das Auge stillhält. Die Operation erfordert vom Arzt höchste Konzentration und Präzision. Die künstlichen Linsen sind völlig durchsichtig, und wir arbeiten dabei die ganze Zeit nur mit Mikroskop, da geht es um Hundertstel Millimeter.“ Vernähen muss der Arzt nichts. Infektionen sind äußerst selten. Und sogar kurz nach der Operation kann der Patient wieder richtig gut sehen.

Organisatorischer Hochseilakt

Hat der Patient die Operation gut hinter sich gebracht, bekommt er genaue Anweisungen für die Zeit danach, dann kann er nach Hause. Er kommt in der Woche darauf zur Operation des anderen Auges – und hat so in Summe nach drei Wochen eine deutlich bessere Lebensqualität. Die weitere Betreuung übernehmen niedergelassene Fachärzte.
Es ist organisatorisch und auch in der täglichen Belastung ein unglaubliches Pensum, das das Team um Tagesklinik-Stationsleiterin Buchegger bewältigt: „Wir leisten unheimlich viel Organisations­arbeit, damit alles reibungslos läuft. Wir sind ein großartiges Team aus Schwestern, Ärzten, MTA und Sekretärin. Ohne die enge interdisziplinäre Zusammen­arbeit ginge das nicht.“ In der Tagesklinik klappt tatsächlich  alles wie am Schnürchen – inklusive
Service: Die Küchenleitung schaut darauf, dass die Patienten ausreichend mit Speis und Trank versorgt sind. Und auch wenn es lange scheint, für 20 Minuten OP einen ganzen Tag im Klinikum zu verbringen – anders geht es nicht. Buchegger betont: „Das sind ja hier keine Wartezeiten, sondern Behandlungs­zeiten – ständig schaut jemand nach den Patienten, kontrolliert, verabreicht Augentropfen und so weiter – da wird bestimmt niemandem langweilig.“
Die Abteilung für Augenheilkunde und Orbita­chirurgie am Landesklinikum St. Pölten gilt in vielen Bereichen als führend, zum Beispiel in der Orbita­chirurgie, der Operation der Augenhöhlen. „Hier sind wir Referenzzentrum bei der Tumorbehandlung, ebenso wie für ganz Österreich bei Basedow-Behandlungen.“ Und die beiden OP-Säle sind ständig ausgelastet – für die Tagesklinik und die anderen Operationen.


Die Abteilung für Augenheilkunde und Orbitachirurgie im Landesklinikum St. Pölten: Prim. Univ.-Doz. DDr. Armin Ettl

Die Augenabteilung gehört zu den größten Fachabteilungen Österreichs. Pro Jahr werden mehr als 5.000 chirurgische Eingriffe auf allen Gebieten der Augenheilkunde in zwei Operationssälen durchgeführt. Das Orbitazentrum der Augenabteilung gilt österreichweit als Kompetenz- und Überweisungszentrum für Patientinnen und Patienten mit Erkrankungen der Augenhöhle (Orbita) und Augenlider.
Weitere Augenabteilungen mit tagesklinischen Leistungen in NÖ:

  • Landesklinikum Horn, Abteilung für Augenheilkunde: Prim. Dr. Johannes Funder
  • Landesklinikum Mistelbach-Gänserndorf, Abteilung für Augenheilkunde: Prim. Dr. Erich Urbanetz – an der Stammabteilung in Mistelbach und im Medizinischen Zentrum Gänserndorf (MZG)
  • Landesklinikum Stockerau, Tagesklinik: „Grauer Star“-Operation (Katarakt)
  • Landesklinikum Waidhofen/Ybbs: Fachschwerpunkt Augenheilkunde: Dr. Peter Niederreiter
  • Landesklinikum Wiener Neustadt, Abteilung für Augenheilkunde und Optometrie: Prim. Dr. Erwin Wodak