Eisiges Vergnügen
Das Schweben über spiegelglattes Parkett hat gerade bei sinkenden Temperaturen und sonnigem Wetter einen besonderen Reiz. Eislaufen wirkt sich aber nicht nur positiv auf Kondition, Muskulatur sowie Immun- und Herz-Kreislauf-System aus, sondern ist auch für die Psyche erfrischend.
Dr. Heribert Waitzer, Facharzt für Innere Medizin und Sportheilkunde in St. Pölten
In Österreich könnte es sportlicher zugehen. Aktuelle Ergebnisse des Sportmonitor 2014, eine Umfrage im Auftrag des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT), besagen, dass nur 30 Prozent der Österreicher mindestens einmal pro Woche Sport betreiben. Ebenso viele können der Sportausübung gar nichts abgewinnen. Rund vierzig Prozent sind zumindest selten sportlich aktiv. Laut Umfrage hat sich dieses Verhältnis über die Jahre hinweg nur wenig geändert. Die Österreicher wurden im Zeitverlauf also kaum sportlicher. „Seit 1998 ist der Anteil der sportlich Aktiven nur geringfügig gestiegen“, sagt IFT-Mitarbeiterin Sonja Mayerhofer.
Zu den beliebtesten Sportarten zählen Radfahren, Joggen und Training im Fitnessstudio. Beim Wintersport rangiert Schifahren auf dem achten Platz, gefolgt von Snowboardfahren auf Platz elf. „Andere Wintersportarten wie Langlaufen oder Eislaufen werden nur von sehr wenigen Menschen wirklich regelmäßig ausgeübt“, erklärt Mayerhofer. Ein Prozent der Österreicher zieht es im Winter regelmäßig aufs Eis, vier Prozent nur gelegentlich, und zwölf Prozent selten. Allerdings hat die Zahl der Nichtaktiven seit dem Jahr 1987 zugenommen, belegen die Umfrageergebnisse.
Alternative zum Schifahren
Ein abnehmendes Interesse am Hobbysport Eislaufen kann Sonja Ruzek, ehemalige Staatsmeisterin im Eiskunstlauf und Leiterin der Eislaufschule Perchtoldsdorf, hingegen nicht feststellen. Letztlich hänge viel vom Wetter ab: „Die Nachfrage neuer Kunden war heuer in den ersten Wochen der Saison eher gering. Bei derartig warmem Wetter denkt niemand ans Eislaufen. Jetzt haben wir aber immer mehr Anfragen, und langsam werden die Kurse voller.“ Für die frühere Eiskunstläuferin Claudia Kristofics-Binder, die heute für Universitäten, Schulen und Freizeitinstitute als Eislauftrainerin arbeitet, ist das Interesse am Eislaufen regional abhängig: „Als Alternative zum Schifahren und den Bergen wird in der Stadt sicher mehr eisgelaufen. Eine Weile war es ein bisschen ruhiger auf den Eislaufplätzen, aber die letzten drei, vier Jahre boomt das Eislaufen wieder.“
Stärkung des Immunsystems
Beschwingt über das Eis zu gleiten, dafür sorgen in Niederösterreich viele Hallen, Eislaufplätze und idyllisch zugefrorene Seen wie der Lunzer See. Wenn die Temperaturen fallen und von der Sonne beschienene Winterlandschaften nach draußen locken, ist die ideale Zeit gekommen, um im Freien Kondition zu tanken und den
Körper zu kräftigen. „Durch das Eislaufen wird vor allem die Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur gestärkt. Durch die Notwendigkeit, immer die Balance zu halten, werden aber auch wichtige Haltemuskeln für die Rumpfstabilisierung aktiviert“, erklärt Dr. Heribert Waitzer, Facharzt für Innere Medizin und Sportheilkunde in
St. Pölten. Positive Effekte hat das Eislaufen auch auf das Immunsystem: „Das geschieht einerseits durch die sportliche Betätigung in einem mittleren Intensitätsbereich und durch den Kältereiz im Speziellen.“ Der Sportmediziner spricht sich für Funktionskleidung aus, die den Schweiß von der Haut abtransportiert. Von positiven Effekten auf die eigene Gesundheit weiß auch Sonja Ruzek zu berichten: „Seit ich regelmäßig an der frischen Luft bin, bin ich weniger oft krank oder verkühlt. Ich bin einfach besser abgehärtet.“
Keine Altersfrage
Durch die Bewegung auf dem Eis wird auch das Gleichgewicht trainiert. „Ab dem 40. Lebensjahr nimmt diese Fähigkeit deutlich ab. Grundsätzlich ist aber eine gute Trainierbarkeit bis zum 70. Lebensjahr gegeben. Gute koordinative Fähigkeiten, und dazu gehört das Gleichgewicht, sind eine wichtige Unfallprophylaxe“, sagt Heribert Waitzer. Gerade bei Senioren spielt die Gleichgewichtsfähigkeit eine wichtige Rolle. Der Sportmediziner empfiehlt Eislaufen auch für die ältere Generation. Das Alter ist auch für Sonja Ruzek kein Thema: „Solange man gut gehen kann und sich wohlfühlt, ist man nie zu alt dafür. Die älteste Dame, die auf unserem Eislaufplatz ihre Runden dreht, ist 79 Jahre. Sie kommt einmal in der Woche und fährt entweder im Kreis oder übt sogar Dinge, die ich ihr gezeigt habe.“ In dem Buch „Eislaufen mit Claudia
Kristofics-Binder“ beschäftigt sich die sechsfache österreichische Staatsmeisterin und Europameisterin mit Eislaufsport für Senioren und kommt zu dem Schluss: „Eislaufen bringt gerade für ältere Menschen so manchen Vorteil: Man bekommt mehr Sicherheit, der Gleichgewichtssinn wird trainiert und verstärkt, daher ist auch die Sturzgefahr im täglichen Leben gering.“
Bei Schuhen auf Qualität achten
Gerade für Neueinsteiger und Anfänger im Erwachsenenalter stellt die Angst vor dem Sturz eine große Hemmschwelle dar. „Am besten ist es, sich einen Lehrer zu nehmen“, empfiehlt Kristofics-Binder. „Wenn man das nicht will und alleine auf dem Eislaufplatz ist, kann man sich auch die ersten Minuten entlang der Bande hanteln oder einfach langsam neben der Bande laufen, um sich im Notfall daran anzuhalten. Wenn man zu zweit ist, nimmt man sich am besten an den Händen, und die Person, die sich sicher auf dem Eis bewegt, fährt rückwärts und zieht den anderen nach vorn.“ Aber auch die Wahl der falschen Schuhe kann den Spaß auf dem Eis verderben. Nämlich dann, wenn die Qualität der Schuhe nicht stimmt, oder die Eisen nicht geschliffen sind. „Wenn man bei jedem Schritt wegrutscht und dann hinfällt, macht es einfach keinen Spaß. Ein weiteres Problem sind zu weiche Schuhe. Hat man das Pech, mit solchen Schuhen das erste Mal auf dem Eis zu stehen, hat man keine Freude, weil die Füße einknicken und man sich nicht richtig bewegen kann.“ Aber auch harte Kunststoffschalenschuhe stellen Anfänger vor große Herausforderungen, sagt die Ex-Eiskunstläuferin: „Man steht zwar gerade in solchen Schuhen, kann aber nicht ins Knie gehen. Und weiche Beine sind das Um und Auf beim Eislaufen.“ Die Wahl sollte daher auf die klassischen Schlittschuhe aus Leder zum Schnüren fallen.
Achtung vor Verletzungsgefahr
„Mit Leder-Schlittschuhen tun sich nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder leichter“, sagt auch Sonja Ruzek, die empfiehlt, sich Schuhe zuerst zur Probe beim Schlittschuhverleih auszuborgen, um die Unterschiede zu testen. Kinder, die mit dem Eislaufen beginnen, haben im Normalfall weniger Angst auf dem Eis als ältere Anfänger. „Kinder stellen sich einfach hin und laufen darauf los. Dann fallen sie hin und finden das lustig. Die Angstschwelle bei Kindern ist einfach niedriger“, weiß Kristofics-Binder. Die Verletzungsgefahr nach Stürzen auf dem Eis ist jedoch relativ groß. Jährlich kommt es in Österreich zu 4.500 bis 6.000 Unfällen durch das Eislaufen. „Bei Kindern überwiegen die Schädelverletzungen. Die sichersten Eisläufer finden sich in der Altersklasse zwischen 13 und 18 Jahren. Danach steigen die Handgelenksverletzungen, die mit zunehmendem Alter immer schwerer werden“, sagt der Sportmediziner Waitzer. Er spricht sich für eine Helmpflicht für Kinder und die Verwendung von Protektoren und Handgelenksstützen aus, wie sie vom Inline-Skaten bekannt sind. Beachtet werden sollte auch die richtige Falltechnik: „Bei einem Sturz sollte man sich nicht als Abwehrreaktion besonders durchstrecken, sondern möglichst auf dem Hinterteil landen. Auf keinen Fall sollte man mit ausgebreiteten Armen liegen bleiben. Denn die Kufen der nachkommenden Läufer sind scharf.“
Kampf der Winterdepression
Wer auf dem Eis jedoch Vorsicht walten lässt, kann die positiven Seiten des Eislaufens in vollen Zügen genießen. Denn das Herumkurven auf dem Eis hat nicht nur gute Auswirkungen auf den Körper, sondern auch auf den Geist, erklärt Heribert Waitzer: „Die saisonal abhängige Depression, wie die Winterdepression auch genannt wird, entsteht durch einen Mangel an Tageslicht und den damit verbundenen Veränderungen der Hormone Serotonin und Melatonin, die vom Tageslicht reguliert werden. Eislaufen auf einem Freiluftplatz bei schönem Wetter führt zu vermehrter Serotoninbildung und damit zu Glücksgefühlen. Das Eislaufen in einer Eishalle mit Kunstlicht mag zwar – wie eben Sport generell – auch eine stimmungsaufhellende Wirkung haben, setzt aber nicht am eigentlichen Mechanismus der Winterdepression an.“ Hinter dem Motto „Hinaus aus der Bewegungsarmut und hinein in die Natur“ steht auch Claudia Kristofics-Binder: „Eislaufen ist eine wirklich schöne Freizeitbeschäftigung, die man an der frischen Luft machen kann, und die noch dazu gesundheitsfördernd ist. Also weg vom Computerdasein und raus in die Natur zur Bewegung an der frischen Luft. Denn es tut einfach gut.“
Die schönsten Eislaufplätze Niederösterreichs
- Amstetten: Die Eishalle Amstetten verfügt über rund 4.500 m2 verbaute Fläche. Stadionstraße 12, Tel.: 07472/601-544
- Bad Traunstein: Am zugefrorenen Badeteich kann man mit den Kufen am Eis dahin gleiten. Der von Schilf umgebene Teich, abseits der Straße, macht das Eislaufen zu einem besonderen Erlebnis. Tel.: 02878/6077
- Bad Vöslau: Der Eislaufplatz in Bad Vöslau ist ein beliebter Treffpunkt für Familien. Falkstraße 15, Tel.: 02252/70392
- Göstling an der Ybbs: Am Dorfplatz gegenüber dem Gemeindeamt steht ein Natureislaufplatz zur Verfügung. Markt 1, Tel.: 07484/5020-19 oder -20
- Krems: Die Kunsteislaufbahn ist eine Freiluftanlage mit internationalen Maßen. Die 60 x 30 Meter große Eisfläche eignet sich für Kunstlauf, Eistanzen und Eishockeyspiele. Heinemannstraße 14, Tel.: 02732/801-611 (Eismeister)
- Markt Piesting: Die 1987 errichtete Kunst-Eislaufbahn in Markt Piesting, neben dem Waldbad angelegt, bietet einen wunderschönen Ausblick über die Gemeinde. Bocksbachgasse 13, Tel.: 0676/840702450
- Naturarena Lunzer See: Der malerische See verwandelt sich jedes Jahr in den größten Natureislaufplatz Niederösterreichs. Alternativ gibt es auch einen Eislaufplatz im Ort. Freizeitclub Lunz am See, Tel.: 07486/8504
- Poysdorf: Der Badeteich Poysdorf verwandelt sich im Winter in einen Eislaufplatz und liegt inmitten des Freizeitzentrums der Gemeinde Poysdorf. Brünner Straße 28, Tel.: 02552/20371
- St. Pölten: Eine Eissporthalle bietet das Sportzentrum NÖ (Dr.-Adolf-Schärf-Straße 25) und die Naturfreunde einen Eislaufplatz (Dr.-Mical-Gasse 4). Tel.: 02742/295-193 oder -192
- Traiskirchen: Die überdachte Kunsteislaufbahn ist von Ende Oktober bis Anfang März geöffnet. Die Eisfläche ist 60 x 30 Meter groß und mit einer Flutlichtanlage und einer Musikanlage versehen. Sportzentrum Traiskirchen, Hochmühlstraße 30, Tel.: 050355/344
- Zwettl: Die im Zwettltal im Bereich der Zwettler Promenade gelegene Kunsteisbahn bietet kleinen und großen Besuchern ideale Rahmenbedingungen zum Eislaufen. Promenade, Tel.: 02822/52500
Was vor dem Eislaufen zu beachten ist
- Passende Schuhe: Eislaufprofis empfehlen, sich zuerst auf dem Eislaufplatz ein Paar Schuhe auszuborgen. Vorteilhaft sind Schlittschuhe aus Leder, die geschnürt werden. Die Eislaufschuhe am besten in Fachgeschäften kaufen, die Beratung bieten. Bei zu weichen Schuhen, die eventuell aus früherem Gebrauch stammen, Vorsicht walten lassen. Nicht geraten wird auch zu Kunststoffschalenschuhen, da diese zu wenig Bewegungsspielraum zulassen.
- Richtige Kleidung: Die Kleidung beim Eislaufen sollte möglichst funktionell (keine Baumwolle) sein und in Schichten angezogen werden. Zu dicke Schichten können zu starkem Schwitzen führen und den Körper zu stark abkühlen. Die unterste Schicht sollte aus einem atmungsaktiven und feuchtigkeitstransportierenden Material sein. Die zweite Schicht bildet ein wärmendes Fleece. Als oberste Schicht eine wasser- und windabweisende Jacke wählen.
- Helm, Protektoren und Handschuhe: Dicke Lederhandschuhe können Schnittverletzungen verhindern. Auch eine feste Wintermütze kann bei Stürzen hilfreich sein. Mediziner befürworten bei Kindern das Tragen eines Helms, um Schädelverletzungen vorzubeugen. Empfohlen wird auch die Verwendung von Handgelenks-, Knie- und Ellbogenschützern, wie sie beim Inline-Skaten getragen werden.
- Tipps für Anfänger: Beim Anfänger steht der Aufbau der koordinativen Fähigkeiten im Vordergrund. Erst in zweiter Linie geht es um die Verbesserung der Kondition. Zwei Mal pro Woche eine Stunde eiszulaufen, bringt einen guten Leistungszuwachs bei der allgemeinen Kondition. Dabei auf erreichbare Ziele achten, und am Anfang nicht zu viel von sich selbst fordern.
Buchtipp
Eislaufen mit Claudia Kristofics-Binder
Claudia Kristofics-Binder bringt anhand von Erzählungen das Eislaufen näher. Auch der gesundheitliche Aspekt des Eislaufsports wird herausgestrichen.
ISBN: 978-3902441300, 10,95 Euro





