< vorhergehender Beitrag

Ein neues Leben bekommen

Die Zahl der Organspenden in Niederösterreich steigt. Doch noch immer warten viele Empfänger lange, manchmal zu lange, auf ein rettendes Organ.


Primar Dr. Albert Reiter, Leiter der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Landesklinikum Amstetten

Etwa 700 Organe werden jährlich in Österreich transplantiert. Doch an Spenderorganen mangelt es, jeder fünfte Patient, der eine neue Leber braucht, stirbt auf der Warteliste. Auf eine Niere warten Betroffene 15 Monate – eine Ewigkeit, wenn man ständig zur Dialyse muss. Jeder der etwa 200 Hirntoten pro Jahr in Österreich kann fünf bis sechs Menschen das Leben retten, wenn Lunge, Herz, Leber und Nieren noch funktionsfähig sind.
Seit 2007 hat Niederösterreich einen eigenen Transplantations-Referenten: Primar Dr. Albert Reiter, Leiter der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Landesklinikum Amstetten, betreut die Kliniken und schult das medizinische und pflegerische Personal. Der erfahrene Arzt hat schon viel bewegen können – durch Informationen ebenso wie durch eine ausgeklügelte Logistik.

Oft schwer für Angehörige

Für viele Menschen ist es kein Problem, im Todesfall ein Organ zu spenden, weiß Reiter. „Wenn man Angehörigen erklärt, dass die Organspende anderen Menschen das Leben rettet, können sie damit meist auch gut umgehen.“ Rein rechtlich müssten Angehörige seit 1982 nicht um ihre Einwilligung gefragt werden. „Wir beziehen sie aber ein, das ist eine Frage der Ethik“, betont Reiter. Außerdem muss nachgefragt werden, ob ein Widerspruch vorliegt: Seit 1995 führt das Österreichische Bundes­institut für Gesundheitswesen (ÖBIG) ein Widerspruchsregister.
Die Feststellung des Hirntodes ist sehr streng geregelt: Ein Neurologe führt zwei klinische Untersuchungen durch, ein zweiter beurteilt unabhängig davon das EEG (Elektro-Enzephalo-Gramm – zeigt die Aktivität des Gehirns). Sie erklären offiziell den Status „Hirntod“. Dann läuft die Zeit: Der Hirntod wird an das Transplantationszentrum (für NÖ: AKH Wien) gemeldet, von dort an Eurotransplant in Leiden/Holland. Herz, Lunge und Bauchspeicheldrüse müssen rasch, Nieren innerhalb von 72 Stunden transplantiert werden. Je nach Entfernung wird das Organ per Krankenwagen oder auf dem Luftweg zum medizinischen Zentrum gebracht, in dem der Organempfänger wartet. Bei Herz und Lunge kommt der Arzt, der das Organ einpflanzen wird, selbst zur Entnahme angereist.
Wer bekommt ein Organ? Einerseits muss es genau passen, andererseits entscheidet die Warteliste. Wird beispielsweise eine Spenderleber aus Österreich in Leiden gemeldet, wird gecheckt, ob sie irgendwo in Europa mit höchster Dringlichkeit gebraucht wird. Passt das Organ, wird es diesem Transplantationszentrum zur Verfügung gestellt. Im Austausch bekommt das österreichische Zentrum das nächste Spenderorgan angeboten. Reiter: „So hat jeder Patient, der dringend ein Spenderorgan braucht, eine große Chance, tatsächlich eines zu bekommen.“

Informationen
„Eurotransplant International Foundation“ in Leiden/Holland: www.transplant.org
Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen: www.oebig.org
www.transplant.at
www.austrotransplant.at