Ein Netzwerk für Familien
Ein Pilotprojekt für Krems unterstützt Familien in den ersten drei Lebensjahren des Kindes.

(v.l.) Landeshauptmann-Stv. Wolfgang Sobotka, Sabine Holzinger (Familienbegleiterin „Netzwerk Familie“ der Initiative »Tut gut!«) und Dr. Ernst Tatzer, Kinderarzt und Kinderpsychiater. FOTO: NLK Filzwieser
Eine Frau, die immer wieder depressive Phasen erleidet, wird schwanger und schildert ihrer Gynäkologin von ihrer Sorge, in derartigen Phasen nicht optimal für ihr Kind sorgen zu können. Die Ärztin gibt ihr den Rat, mit einer Familienbegleiterin darüber zu reden. Die junge Frau ruft dort an, sie weiß, sie kann sich anonym beraten lassen. Bald fasst sie Vertrauen zu der Beraterin, kommt ins Büro, holt sich Tipps und die beiden Frauen beraten, was die junge Mutter tun kann, um auch in einer depressiven Phase gut für ihr Kind sorgen zu können. Die beiden stellen eine Liste von Maßnahmen zusammen, checken die Unterstützungsmöglichkeiten in Familie und Freundeskreis und sonstige mögliche Hilfen. Nach der Geburt besucht die Familienbegleiterin die junge Mutter, die sich trotz ihrer Einschränkungen jetzt gut gerüstet fühlt für die herausfordernde Aufgabe.
Dieses Szenario stammt aus der Praxis des in den Bezirken Krems-Stadt und -Land ausgespannten „Netzwerk Familie“, das seit dem Sommer als zweijähriges Pilotprojekt etabliert ist. Ziel des vom Land Niederösterreich mit der Initiative »Tut gut!« initiierten Projekts ist, Gesundheit und Chancengerechtigkeit für alle Kinder zu sichern und damit professionelle Hilfe für etwa 100 Familien anzubieten, für die ein neuer Erdenbürger nicht nur Freude, sondern beispielsweise auch zusätzliche finanzielle Sorgen oder besonders starke Belastungen für eine wenig stabile Partnerschaft bedeutet. Denn bis zu 15 Prozent aller jungen Mütter leiden an Depressionen bzw. zeigen Anzeichen einer Depression. Zwischen fünf und sieben Prozent aller Familien mit Kleinkindern brauchen professionelle Hilfe.
Das „Netzwerk Familie“ hat vier Mitarbeiterinnen: drei Familienbegleiterinnen und eine Netzwerkmanagerin, die sich um hilfsbedürftige schwangere Mütter und Familien mit Kindern bis zu drei Jahren kümmern. Alle Ärztinnen und Ärzte der Region wissen von der Möglichkeit, Familien zum Netzwerk zu schicken, ebenso die Kliniken und die niedergelassenen Hebammen. LH-Stv. Mag. Wolfgang Sobotka: „Wir wollen Kindern ein gesundes und chancenreiches Aufwachsen ermöglichen und Familien in schwierigen Situationen ein vielschichtiges Hilfsangebot bereitstellen – persönlich, individuell, anonym und vor allem kostenlos für alle.“ Zusätzlich soll ein Netzwerk mit Partnern aus den verschiedensten Berufsgruppen aufgebaut werden.
Sobotka ergänzt: „Wichtig ist, dass Familien keine Scheu davor haben, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wenn sich dieses Projekt in Krems bewährt, ist ein landesweiter Ausbau geplant.“
Kinderarzt und Kinderpsychiater Dr. Ernst Tatzer sieht das „Netzwerk Familie“ als Missing Link in der bisherigen Familienbetreuung: „Durch den Einsatz der professionellen Begleiterinnen ist mit einer messbaren Verbesserung der Belastungen der Familien zu rechnen.“ Finanziert wird das Projekt aus den Vorsorgemitteln der Bundesgesundheitsagentur.
Netzwerk Familie
Sprechstunden in der ehemaligen Krankenpflegeschule Krems, am Mitterweg 10:
Mo. 14:00–16:00 Uhr,
Di. 10:00–13:00 Uhr
und nach telefonischer Vereinbarung.
Tel.: 02732/9004-6110
Informationen: www.noetutgut.at




