Dürfen Buben weinen?
Kolumne von Mag. Gabriela Peterschofsky-Orange NÖ Kinder- & Jugendanwaltschaft Tel.: 02742/90811
„Ein Indianer kennt keinen Schmerz“, „Echte Männer weinen nicht“ – oder doch? Sie kennen sicher diese „wohlmeinenden“ Sprüche, die im Leben vieler kleiner Jungen oder junger Menschen schon große Verwirrung angerichtet haben. Unnötigerweise, oder?
Wohin mit den Emotionen, wenn ich mir den Fuß stoße, mein Freund mich verspottet, ich eine schlechte Note bekomme oder sonst in eine kleine oder größere Not komme? Gibt es für kleine oder später große „Jungs“ keine Chance, Mitgefühl, Einsamkeit, Geborgenheit, Trauer oder Trost auszudrücken, zuzulassen? Mädchen weinen, klar! Frauen vielleicht auch, okay. Aber Jungen? Oder gar Männer? Warum eigentlich nicht?!
Sie haben ein Recht darauf, im positiven Sinne zu ihren Gefühlen zu stehen und nicht nur Verdrängungsmechanismen aufbauen zu müssen, um in dieser Welt als richtige Männer gelten zu können!
Aber um dies leben zu können, brauchen junge Männer erwachsene Männer, die es vorleben, die hinschauen, einfühlsam, authentisch und ehrlich sind, sich selbst und ihren Emotionen gegenüber. Vor allem brauchen Buben Männer, die ihnen dies zeigen, und nicht nur Frauen, die darüber sprechen.
Die Idee zu dieser Kolumne kam mir beim Lesen eines Buchtipps, den ich Ihnen gerne stellvertretend für viele andere gute Bücher zu diesem Thema weitergeben möchte: „Ein Mann, der weint“ von Mathias Jeschke.
Dieses Buch erzählt eine scheinbar einfache, auf den ersten Blick alltägliche Geschichte von einem kleinen Jungen, der mit seiner Mutter einkaufen geht. Der Junge sieht einen Mann, der weint. In der Welt der Erwachsenen scheint ihn niemand bemerken zu wollen. Der kleine Junge aber fragt sich, warum der Mann Tränen in den Augen hat.
Ein Bilderbuch, das Hilfe sein kann auf dem Weg zum Erkennen und Zulassen der eigenen Gefühle. Schließlich hat doch jeder Mensch ein Recht darauf!





