Die beste Wanderzeit
Der Herbst ist die perfekte Zeit, um die Lust am Wandern (neu) zu entdecken. Besonders für Senioren ist dieser sanfte Sport der ideale Einstieg in ein bewegteres Leben.
Bunt gefärbte Blätter, eine angenehm kühle Brise und ein frischer, erdiger Duft: Der Herbst ist nicht nur die goldene Jahreszeit, sondern auch die perfekte Gelegenheit für wanderlustige Senioren, um die Natur noch einmal in vollen Zügen zu genießen! Speziell für ältere Menschen ist Wandern auch der ideale Sport, um sich fit zu halten und etwas Ballast abzuwerfen, wie die Bäume es mit ihren Blättern tun.
Möglichkeiten für wanderlustige Senioren und für jene, die das noch werden wollen, gibt es in Niederösterreich in großer Zahl. So laden mittlerweile schon 30 »tut gut«-Wanderwege der Initiative
»Tut gut!« – fünf davon sind neu – im Herbst ein, in der freien Natur Energie für den Geist und die nötige Fitness für den Körper zu tanken.
„Bewegung, genauso wie mentale Gesundheit und richtige Ernährung gehören zu den wichtigsten Faktoren, wenn es um unsere Gesundheit geht“, weiß etwa Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka. Dem stimmt auch Oberarzt Dr. Rudolf Paumann, Internist und Sportmediziner im Landesklinikum Scheibbs, zu: „Wandern, aber auch einfaches
Spazierengehen und Nordic Walking, bieten sowohl Ganzkörpertraining für mehr Ausdauer, Kraft und Koordination als auch ein Seelentraining. Es ist ein ganz einfacher Weg, die Lebensqualität zu verbessern, und bei richtiger Anwendung wirkt Wandern gar als Anti-Aging-Mittel. Es verbessert konkret die Herz-Kreislauf-Funktion, die Lungentätigkeit, den Stoffwechsel, das Gleichgewicht, den Knochenstoffwechsel, das Sexualleben, die Immunabwehr und noch vieles mehr“, wirbt der Mediziner für mehr Bewegung.
Gesundheitscheck und Ausrüstung
Wer jetzt mit dem Wandern beginnen möchte – und das ist ein wirklich guter Entschluss –, der sollte sicherheitshalber vom Hausarzt erst checken lassen, wie es um seine Gesundheit bestellt ist: Noch bevor die ersten Schritte in ein bewegteres Leben gesetzt werden, gilt es, die optimale Trainingsbelastung
richtig einzuschätzen. „Menschen, die schon immer aktiv waren, haben ein sichereres Gefühl für Intensitäten und Umfänge von Belastungen. Neueinsteiger hingegen sind zu Beginn gerne übermotiviert und sollten vor dem Start regelmäßiger Bewegung eine Untersuchung beim Internisten oder Sportarzt durchführen lassen, um ihren ‚grünen‘ Trainingspuls zu erfahren“, informiert Paumann. Bei diesen Untersuchungen erhalten Einsteiger Informationen über den idealen Trainingsumfang, sprich, wie viel Bewegung in der Woche gesundheitsförderlich ist, sowie über die optimale Intensität, das heißt, wie schnell man sich dabei bewegen sollte. „Zusätzlich können bei einer Ergometrie mithilfe eines Belastungs-EKGs Gefahren wie drohender Herzinfarkt, Bluthochdruck und eventuell auch Herzrhythmusstörungen frühzeitig erkannt werden“, erklärt der Sportmediziner. Zeichen dieser möglichen Erkrankungen sind vielfach nur bei körperlicher Anstrengung erkennbar, daher ist diese Art von Untersuchung gerade für Menschen im höheren Alter, die ihr Bewegungspensum erhöhen wollen, von besonders großer Wichtigkeit.
Der richtige Start
Sind die gesundheitlichen Aspekte erst einmal geklärt, steht der Bewegung in der freien Natur auch fast nichts mehr im Wege. Lediglich die richtige Ausrüstung muss hierfür noch besorgt werden. „Rutschfestes, gut sitzendes Schuhwerk ist sehr wichtig. Es gibt bei den Wanderschuhen verschiedene Kategorien, da sollte man gute Fachgeschäfte aufsuchen“, weiß Sportarzt Paumann. Doch auch die richtigen Socken und angenehme Kleidung gilt es laut dem Mediziner sorgfältig auszuwählen. So hat sich beim Wandern das „Zwiebelprinzip“ bewährt: Man zieht mehrere Schichten übereinander an, und wenn einem warm ist, kann man sich der einzelnen Schichten entledigen. Wer viel schwitzt, kann auch ein zweites Shirt in Reserve mitnehmen und es bei einer Rast gegen das nassgeschwitzte Exemplar austauschen. Und noch etwas: Genug zu trinken und natürlich eine Jause und was Süßes für schnelle Energie sollten in keiner Wanderausrüstung fehlen.
Nach dem Gesundheits- und Ausrüstungscheck heißt es endlich: Ab in die Natur! Begonnen werden kann laut dem Scheibbser Bewegungsexperten je nach Leistungsfähigkeit zunächst auf ebenem Terrain, dann in den nächsten Hügeln und später gar mit einer Tagestour im alpinen Bereich. „Der natürliche Hausverstand, die Selbsteinschätzung und das richtige Maß an Ehrgeiz sind gute Ratgeber. Bei Gruppenwanderungen ist es wichtig, dass der langsamste Teilnehmer immer das Tempo vorgibt. Man macht sich schnell Feinde, wenn die schnellen Teilnehmer auf die langsamen warten und bei deren Eintreffen am Rastplatz sofort wieder weitermarschieren“, gibt Paumann zu bedenken.
Ideal für sich steigernde Fitness ist es dem Sportmediziner zufolge, jeden zweiten Tag im Umfang von 30 bis 60 Minuten über das ganze Jahr hindurch zu trainieren. „Regelmäßiges Bewegen ist für alle Altersgruppen wichtig, und es gibt hierbei keine Altersgrenzen“, meint der Oberarzt und verweist auf den Slogan „Turne bis zur Urne!“. Gerade jetzt im Herbst ist für Senioren auch die perfekte Zeit gekommen, ihr Bewegungspensum zu steigern. So kann man die gewonnene Freude daran auch für den Winter mitnehmen und dem angesprochenen Prinzip der Ganzjährigkeit des Trainings Folge leisten – und damit sein Wohlbefinden und auch die Gesundheit steigern. Denn eines ist sicher: Ist erst einmal die Freude an der Bewegung geweckt, begibt sich diese auch nicht so schnell wieder in Winterschlaf.
„Speziell Bewegungseinsteiger oder Wiedereinsteiger können durch regelmäßiges Wandern ihr Wohlbefinden entscheidend steigern, dafür sind die »tut gut«-Wanderwege bestens geeignet! Also einfach losstarten und die Energiespeicher bei einer Herbstwanderung auftanken“, empfiehlt Sobotka. Auch Rudolf Paumann appelliert an ein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein speziell im höheren Alter: „Das Ziel ist es, möglichst fit möglichst alt zu werden. Do it yourself, lautet die Devise. Es ist nie zu spät und auch nie zu früh, mit regelmäßiger Bewegung anzufangen.“





