Diabetes im Griff
In der Diabetes-Therapie gibt es interessante Neuerungen, von denen Patienten in vielfacher Hinsicht profitieren können.
Prim. Doz. Dr. Harald Stingl, Leiter der Abteilung Innere Medizin im Landesklinikum Melk
Diabetes mellitus – die Zuckerkrankheit – ist eine chronische Stoffwechselstörung, die eine lebenslange medizinische Betreuung erfordert. Doch dank moderner Therapien und umfassender Behandlungsprogramme können die Betroffenen ihre Erkrankung heute gut in den Griff bekommen. Die Forschung ist ständig bemüht, neue Behandlungsmöglichkeiten aufzutun. „In den letzten sechs bis zehn Jahren haben sich die Möglichkeiten der Diabetes-Therapie deutlich erweitert“, berichtet der Leiter der Abteilung Innere Medizin im Landesklinikum Melk, Prim. Doz. Dr. Harald Stingl. „Wir haben heute neue Substanzklassen von antidiabetischen Medikamenten, die wesentlich nebenwirkungsärmer sind und doch eine zufrieden stellende Blutzuckersenkung bewirken.“
Wichtig: Frühzeitige Entdeckung
Das Fatale an Diabetes ist, dass die Krankheit oft sehr lange keine Symptome macht, und wenn etwa häufiges Wasserlassen oder starker Durst auftreten, ist sie schon weit fortgeschritten. Doch heute gibt es Screening-Untersuchungen, ein Zuckerbelastungstest ist im Mutter-Kind-Pass vorgeschrieben, und Hausärzte achten auf ihre Risikopatienten, die Übergewicht, Bewegungsmangel und eine gewisse Häufung von Diabetes in der Familie aufweisen, sodass Gefährdete oft sehr rasch und effektiv behandelt werden können. „Hausärzte sind erste Anlaufstation und Schnittstelle im Patientenmanagement. Sie können ihre Patienten zu Laboruntersuchungen schicken. Danach ist es die Aufgabe von spezialisierten niedergelassenen Ärzten oder Diabetes-Ambulanzen, die Behandlung aufzunehmen bzw. zu optimieren“, erklärt Stingl.
Er berichtet von der besonders guten Zusammenarbeit mit jenen Ärzten, die am „Therapie aktiv“-Programm teilnehmen. „Diese Mediziner werden bei der Betreuung ihrer Typ-2-Diabetiker besonders unterstützt, und die Patienten werden durch das Programm gezielt informiert und durch die Vereinbarung von Zielen wie etwa Ernährungsumstellung motiviert, ‚aktiv‘ an der Therapie mitzuarbeiten.“
Zuckersenkung ist nicht alles
Was die neuen Substanzklassen von antidiabetischen Medikamenten betrifft, beschäftigt Ärzte wie Patienten die Frage, ob sie auch die gefährlichen Spätfolgen von Diabetes wie Herzinfarkt oder Schlaganfall verringern können. Dazu gibt es vor allem für die Substanzklasse der SGLT-2-Hemmer seit kurzem hoch interessante Daten: „Wir wissen jetzt aus einer groß angelegten Studie, dass das Medikament Empagliflozin nicht nur Zuckersenkung bewirkt, sondern auch die Rate an Todesfällen und Herzinfarkten in einer Risikopopulation um rund 30 Prozent verringern kann. Eine vergleichbare Risikosenkung war bisher nur für Metformin und Pioglitazon bekannt“, berichtet Experte Stingl. Er erwartet in naher Zukunft viele solcher Studien auch über bereits etablierte Substanzen, wobei in den nächsten zwei Jahren mit großer Spannung die Daten für die so genannten GLP1-Agonisten erwartet werden.
Neu und in den letzten Jahren schon vermehrt eingesetzt sind verbesserte Sensortechnologien bei Insulinpumpen. „Dieses System erkennt, wann der Blutzucker fällt und schaltet die Pumpe somit bei Hypoglykämie-Gefahr automatisch ab“, berichtet Stingl. „Besonders interessant ist diese Neuerung vor allem in der nächtlichen Anwendung für Kinder, Jugendliche oder grundsätzlich hypoglykämiegefährdete Menschen.“
Last but not least muss man in Sachen Neuerungen in der Diabetes-Therapie auch die Entwicklung von neuen Insulinen hervorheben, die in ihrer Wirkung näher an den natürlichen Stoffwechselabläufen sind und wo man im Besonderen auf kurzwirksame und besonders langwirksame Insuline fokussiert. Letztere helfen vor allem Diabetikern, die unregelmäßige Tagesabläufe (z. B. Schichtarbeiter) haben oder an stark schwankenden Blutzuckerwerten und nächtlichen Hypoglykämien leiden. Forschung, Gesundheitssystem und engagierte Ärzte bilden zusammen also ein Team, das kontinuierlich an der Verbesserung der Situation der vielen Diabetes-Betroffenen arbeitet. Arbeiten Sie mit!
Diabetes-Arten
- Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung:
Das Immunsystem zerstört jene Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die normalerweise Insulin produzieren. Dadurch entsteht ein Mangel an Insulin. Deshalb können die Zellen nur unzureichend Glukose aufnehmen, wodurch im Blut zu viel Glukose vorhanden ist. Menschen mit Diabetes Typ 1 müssen regelmäßig den Blutzuckerwert prüfen und brauchen täglich Insulin. Die Krankheit ist unheilbar, aber sehr gut behandelbar. Mit den heutigen Technologien ist ein weitgehend normaler Alltag möglich. - 90 Prozent der Menschen mit Diabetes haben Diabetes vom Typ 2.
Bei ihnen setzt die Produktion von Insulin im Körper nur langsam ein und der Körper reagiert weniger empfindlich auf Insulin. Dazu kommen oft ein zu hoher Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte. Eine gesunde Lebensweise (gesunde Ernährung, mehr Bewegung, nicht rauchen und Gewicht reduzieren) sowie Medikamente sorgen für ein fast normales Leben.
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