Dem Körper einheizen
Sie haben ständig kalte Finger oder Zehen und frieren leicht? Dann sollten Sie zu Lebensmitteln greifen, die den Körper von innen wohlig wärmen.
Die Temperaturen sinken, es stürmt und schneit. Haben Sie nun Gusto auf Erdbeereis und Wassermelone oder doch eher auf eine warme Suppe und ein herzhaftes Gulasch? Es kommt nicht von ungefähr, dass auch unser Speiseplan sich an den Wandel der Jahreszeiten hält.
Früher, als Nahrungsmittel nur saisonal verfügbar waren, wurde im Winter ganz intuitiv so gekocht, um den Körper von innen zu wärmen, weiß Dr. Andrea Zauner-Dungl, Leiterin des
Zentrums für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) an der Donau-Universität Krems: „Das Wissen über wärmende und kühlende Lebensmittel gab es früher auch bei uns, es ist aber verloren gegangen. Wir haben heute ein sehr technisiertes Verständnis von Gesundheit.“
Thermische Wirkung
Essen besitzt thermische Energie. Jeder, der schon einmal in eine Chilischote gebissen hat, weiß das – ein plötzlicher Schweißausbruch ist garantiert. Wenn man jedoch diese wärmenden Nahrungsmittel dosiert und gezielt einsetzt, können sie uns helfen, die kalten Wintermonate ohne Frösteln zu überstehen. In China ist das Bewusstsein für natürliche Zusammenhänge viel stärker ausgeprägt als bei uns, dort teilt man Lebensmittel nach ihrer Thermik ein – in heiß oder wärmend, neutral und kühl oder kalt (siehe Infokasten Seite 40). Während in der westlichen Welt das Hauptaugenmerk auf einer ausreichenden Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen liegt, achtet die chinesische Küche besonders auf die thermische Wirkung von Lebensmitteln und ihren Organbezug.
Yin und Yang
Eines der Grundprinzipien der Traditionellen Chinesischen Medizin ist die Unterteilung in Yin und Yang. Yin bedeutet Kälte, Yang entspricht der Hitze. „Manche Fleischsorten, Lauch, Zwiebeln und viele Gewürze wärmen den Körper von innen. Südfrüchte und Gurken kühlen hingegen eher“, weiß
Zauner-Dungl. Sie hat eine einfache Faustregel parat, um zu unterscheiden, ob ein Lebensmittel wärmt oder kühlt: „Das hängt von seiner Beschaffenheit, von der Wuchsform und auch von der Herkunft ab: „Wenn etwas dort wächst, wo es sehr heiß ist, muss es dazu da sein, zu kühlen.“ So kann man seinem Körper – je nach Bedürfnis – ganz natürlich von innen einheizen oder ihn auch kühlen.
Warum frieren Frauen mehr als Männer?
Auch dass Frauen „erfrorener“ sind als Männer, erschließt sich mit der Traditionellen Chinesischen Medizin: Denn sie haben mehr Yin und daher frieren sie öfter. Zusätzlich wollen sich viele Frauen besonders gesund ernähren und greifen deshalb tendenziell zu eher kühlenden Nahrungsmitteln wie Joghurt, rohem Obst und Gemüse, Salaten etc. In den Wintermonaten ist das jedoch nicht ideal. Oft hilft es schon, einfach eine warme Mahlzeit zu essen, um den Körper wieder aufzuwärmen.
Zu wenig Energie
Gerade im Winter sollten Menschen, die leicht frieren, vorwiegend zu wärmenden Lebensmitteln greifen. TCM-Expertin Zauner-Dungl erklärt: „Menschen, die ständig kalte Finger und Zehen haben, leiden aus Sicht der TCM meist an einer Blockade – das bedeutet, dass der Energie-Fluss im Körper stockt und daher werden nicht mehr alle Körperteile ausreichend mit Energie und somit mit Wärme versorgt.“ Dieser Energie-Mangel macht sich auch durch Müdigkeit, depressive Verstimmung, Blähungen, Völlegefühl, Konzentrationsschwäche und Infektanfälligkeit bemerkbar. Außerdem steigt unser Bedarf an Energie stetig: „Wir dürfen nicht vergessen, dass die Lebensintensität zugenommen hat und somit mehr Energie im Alltag verbraucht wird – allerdings nicht in Kilojoule, sondern in nicht quantifizierbarer Lebensenergie“, warnt Zauner-Dungl.
Suppe, Brei und Tee
Um den leeren Energietank wieder aufzufüllen, sollte man einerseits zu wärmenden Lebensmitteln greifen, andererseits aber auch den Energiefluss durch körperliche Aktivität anregen. Ideal sind Suppen – sie kräftigen und bringen dem Körper Energie. Dabei sollten Sie jedoch nicht zu einer Fertigsuppe greifen, sondern diese aus Fleisch und Wurzelgemüse zubereiten. Die chinesische Ernährungslehre empfiehlt schon zum Frühstück eine warme Mahlzeit, wie beispielsweise warmen Reis- oder Getreidebrei (Rezept siehe Seite 38). Bei Tee muss man auf die richtige Sorte achten. Denn während Pfefferminz- oder Kamillentee den Körper eher kühlt, wirken sich Fenchel-, Wacholder-, Beifuß-, Rosmarin-, Ingwer- oder Yogi-Tee wärmend aus.
Richtig zubereiten
Neben dem Nahrungsmittel selbst kommt es auch stark auf die Zubereitungsart an, ergänzt Zauner-Dungl: „Rohe Speisen kühlen eher, warme, gekochte Mahlzeiten hingegen wärmen. Gekochtes, Gedünstetes, Geschmortes oder Gebackenes ist im Winter günstiger als Rohkost. So können Lebensmittel, die als neutral eingestuft werden, durch Kochen oder Braten
wärmende Eigenschaften entwickeln. Grundsätzlich gilt: Je länger etwas schmort, umso mehr Energie bekommen wir daraus. Übrigens: Schon unsere Großmütter haben kranken Menschen lang gekochte Suppen zur Stärkung gegeben, diese sind auch leichter verdaulich.“
Richtig ausgewählt macht Essen also nicht nur satt, sondern wirkt wie eine Heizung von innen. Damit Sie ohne Frösteln durch den Winter kommen!
Foto: istockphoto
Rezept-Tipps von Dr. Andrea Zauner-Dungl
Dr. Andrea Zauner-Dungl Dungl-Zentren Wien
Mölker Bastei 5, 1010 Wien
Lerchenfelder Straße 99, 1070 Wien
Brei oder Congee
Dieses Grundrezept können Sie mit allen Getreide-Arten zubereiten. Aus diesem einfachen Brei können Sie ein leckeres, energiereiches und wohltuendes Frühstück, eine schnelle Mittagsmahlzeit oder ein leichtes und bekömmliches Dessert fabrizieren.
Zubereitung: In einen hohen Topf geben Sie entweder Vollkornreis, weißen Reis oder anderes Getreide mit kaltem Wasser (100–150 g auf 1 Liter Wasser). Am besten eignet sich Vollkornreis. Etwa zwei bis sechs Stunden lang kochen – zuerst auf hoher Stufe ohne Deckel aufkochen, dann zugedeckt nur noch leicht köcheln lassen. Je länger die Kochzeit, desto aufbauender wirkt das Congee. Ein Congee lässt sich auch über Nacht kochen, wenn Sie über entsprechende Kochvorrichtungen verfügen – hierzu benötigen Sie allerdings mehr Wasser. Das Congee kann für mehrere Tage vorgekocht werden. Als Zutaten bzw. Beilagen eignen sich Gemüse, Gewürze oder Kräuter, Hülsenfrüchte sowie geschmortes Obst.
Buchweizensuppe
Zutaten (4 Portionen): 4 EL Buchweizen, 40 g Olivenöl, 4 Champignons, 1 kleine Zwiebel, 1 Karotte, 1 Knoblauchzehe, 1 EL Gemüsepaste, 1 l Wasser, gehackter Majoran, Koriander und Basilikum, frischer Liebstöckel oder Bohnenkraut
Zubereitung: Zwiebel fein hacken, in Öl anschwitzen, Buchweizen kurz mitrösten, die Champignons dazugeben, anschließend mit Wasser aufgießen und den EL Gemüsepaste hineingeben – die ganze Mischung zum Kochen bringen. Karotte fein raffeln, Knoblauch pressen und beides der Suppe hinzufügen. Nach etwa 5 Minuten den gehackten Majoran, Koriander und Basilikum einrühren. Nun lässt man die Suppe noch etwa 10 Minuten lang auf mittelgroßer Flamme kochen und schmeckt sie kurz vor dem Servieren mit Liebstöckel oder frischem Bohnenkraut ab.
11 Tipps für wohlige innere Wärme
- Traditionelles Wintergemüse: Rote Rüben, Kohl, Fenchel, Rot- und Sauerkraut, Kürbis, Lauch und Zwiebel liefern wichtige Vitamine, Nährstoffe – und Wärme.
- Wunderwuzzi Hülsenfrucht: Erbsen, Bohnen, Linsen – ob im Eintopf, als Chili con Carne oder auch als Suppe – sind nicht nur wärmend, sondern zählen zu den wertvollsten pflanzlichen Eiweißlieferanten, haben eine Menge an Folsäure und Phytosterinen und wirken sich besonders positiv auf Abwehrkraft und Cholesterinspiegel aus. Täglich 1 EL gekochter Bohnen kann hier oft Wunder wirken.
- Fleisch: Lamm und Wild sind an kalten Tagen besonders zu empfehlen.
- Als Snack: getrocknete Apfelringe, ein Bratapfel oder Kompott mit wärmenden Gewürzen
- Auf die Nuss: Erd-, Hasel- und Walnüsse, Pinienkerne sowie Kastanien sind im Winter günstig.
- Der optimale Durstlöscher: Am besten wirken Fenchel-, Wacholder-, Beifuß-, Rosmarin-, Ingwer- oder Yogi-Tee.
- Einfach zubereitet: Aromatisieren Sie heißes Wasser mit Gewürzen wie Ingwer oder Zimt. Dafür ein kleines Stück Ingwer schälen, in Scheiben schneiden, mit heißem Wasser aufgießen und zehn Minuten ziehen lassen.
- Würzen Sie: Wärmend wirken Chili, Pfeffer, Ingwer, Curry, Kümmel, Anis, Zimt, Muskat, Petersilie, Knoblauch, Koriander, Kardamom.
- Maßvoller Genuss: Auch Alkohol – natürlich nur in Maßen – wärmt von innen. Rotwein und Glühwein wirken dabei stärker als Weißwein oder ein Spritzer. Klassische Glühwein- und Punschgewürze wie Zimt und Nelken verstärken diese Wirkung.
- Lieber weniger: Essen Sie im Winter weniger Südfrüchte wie Orangen, Zitronen, Ananas und Kiwi. Auch Milchprodukte sind nicht ideal, denn diese kühlen nicht nur, sie haben auch eine nässende Wirkung.
- Richtig zubereiten: Gekocht, gedünstet, gebraten, geschmort oder gebacken – so zubereitete Lebensmittel geben dem Körper Wärme. Ideal sind auch lang gekochte Suppen und Eintöpfe.






