Das Wunder Leben
Es ist ein Feuerwerk, das neues Leben einleitet: Ein Spermium trifft auf eine Eizelle, die sich zuvor ihren Weg in den Eileiter gebahnt hat. Nun hat sie zwölf bis 24 Stunden Zeit, um von einem einzigen der etwa 300 Millionen Spermien befruchtet zu werden. Manche Frauen „spüren“ dieses Ereignis, bei vielen aber bleibt es noch unbemerkt.
Der Schwangerschaftstest bestätigt es: Endlich schwanger! Ob diese Diagnose in der 4., in der 7. Schwangerschaftswoche oder noch später erfolgt: In jedem Fall ist in der Gebärmutter längst alles auf „Wachstum“ eingestellt. Jene Verschmelzung aus Zellen ist nur wenige Millimeter groß, in den winzigen Gewebefalten sind bereits Nerven, Gehirn, Wirbelsäule und Rückenmark sowie das Herz angelegt. Die Nabelschnur arbeitet bereits auf Hochtouren, um den Embryo zu versorgen. Obwohl viele Frauen von der Schwangerschaft möglicherweise noch gar nichts wissen, arbeitet das Herz des Embryos in der 5. Schwangerschaftswoche schon, Nieren und Leber beginnen sich zu entwickeln. Dies ist eine Phase der Reife und der Entwicklung – auch Gliedmaßen und Gedärme reifen und sorgen für einen großen Entwicklungsschub.
Das Wunder nimmt Gestalt an
Ab der 6. Woche ist der Kopf das größte an diesem kaulquappenähnlichen Winzling – und langsam beginnen sich auch Augen und Ohren bzw. deren Öffnungen zu formen. Auch die ersten Bewegungsversuche unternimmt der Knirps bereits in dieser Zeit. Ab der 8. Woche wächst der Embryo sehr rasch, alle bisher nur in Anlagen vorhandenen Organe entwickeln ihre Feinheiten. In dieser Zeit beginnen etwa drei Viertel aller werdenden Mütter, an Übelkeit zu leiden: Nahrungsmittel, die früher geschmeckt haben, erregen Abscheu. Schwangerschaftserbrechen ist eine ganz normale Erscheinung. Es gibt viele Möglichkeiten, diese Beschwerden zu lindern. Günstig ist es, in diesem Fall Rat bei erfahrenen Fachfrauen einzuholen. Beatrix Cmolik, Präsidentin von „Pro Mami – Hebammen für ein gutes Bauchgefühl“ und ihre Kolleginnen kennen das Problem gut und wissen Rat: „In unseren Hebammensprechstunden machen wir uns ein Bild über die körperliche und emotionale Befindlichkeit der Frau – oft sind bei bestimmten Beeinträchtigungen einfache Mittel hilfreich. Ernährungsumstellung zum Beispiel angesichts der charakteristischen Übelkeit, Bewegung im Falle von seelischen Spannungen und vieles mehr.“ Ist nämlich die Sache mit der Übelkeit endlich ausgestanden, kann es sein, dass das Gefühlsleben ein wenig aus dem Ruder gerät. Die Stimmung kann sich von einer Sekunde auf die andere verändern – das ist normal und meist sind die Hormone „schuld“. Mitunter helfen aber auch einfache Bewegungsprogramme wie Qigong, Nordic Walking oder Schwimmen gegen die Beschwerden.
Ab der 8. Woche
Die Schwangerschaft wird ab der 8. Woche langsam sichtbar: Die Gebärmutter weitet sich, um dem neuen Erdenbürger Platz zu machen – ein Umstand, der sich in einem sanften Bäuchlein zeigt. Doch keine Sorge um die Figur. Bei entsprechender Ernährung und Sport ist dies kein Thema. Als Richtwert für die Gewichtszunahme gilt: Eher untergewichtige Frauen sollten in jedem Fall mehr zunehmen, um ein normales Geburtsgewicht ihres Kindes zu erzielen. Sie dürfen getrost zwischen zwölf und 16 Kilo zunehmen, während bei Normalgewichtigen eine durchschnittliche Zunahme zwischen 11,5 und 15 Kilo liegt. Übergewichtige Frauen sollten nur etwa zwischen sieben und 11,5 Kilo zunehmen. Auch die Gewichtszunahme erfolgt in bestimmten Intervallen. So nimmt eine Schwangere zwischen der 1. und 16. Woche durchschnittlich zwei Kilo zu, ebenso viel zwischen der 17. und 22. sowie zwischen der 23. und 26. Woche. Danach geht es schneller – im Schnitt etwa ein halbes Kilo pro Woche. Zu starke Abweichungen von der Norm sollten in jedem Fall mit Hebamme oder Arzt besprochen werden, diese überprüfen bei jeder Vorsorgeuntersuchung das Gewicht.
Ein kompletter Mensch
Apropos Gewicht: Nun ist es an der Zeit, die Ernährungssituation genau zu überdenken, denn der Fötus braucht gerade in dieser Zeit bestimmte Stoffe wie Kalzium, um Knochenerkrankungen vorzubeugen, oder Jod, denn das dadurch produzierte Schilddrüsenhormon ist wichtig für den Embryo in der Frühschwangerschaft. Es ist für das Wachstum von Nerven und Gehirnzellen verantwortlich. Bis zur 12. bzw. 13. Schwangerschaftswoche hat das Baby noch keine eigene Schilddrüsenfunktion, ist sozusagen mitbeteiligt mit der Hormonversorgung der Mutter. Erst ab der 13. Woche ist es in dieser Hinsicht unabhängig. Inzwischen hat der Winzling richtig „Figur“ bekommen – zwar mit etwa acht Wochen noch nicht mal zwei Zentimeter groß verfügt er doch schon über Augenlider, längere Arme, kleine Fingerchen und Genitalien. Für „späte Mütter“ über 35 liegt nun die Entscheidung nahe, ob ein Chorionzotten-Test durchgeführt werden soll, der bestimmte Defekte am Fötus erkennen lässt.
Das Kleine wächst und wächst. Mit zehn Wochen hat es im Durchschnitt eine stattliche Größe von drei Zentimetern – und es macht sich bemerkbar, indem es strampelt und tritt. Obwohl die Gebärmutter nicht größer ist als eine Zuckermelone, ist das Lebewesen darin schon auf gutem Weg: Leber, Niere, Darm, Gehirn und Lungen funktionieren, die Wirbelsäule tritt deutlich hervor. Nun hat der Fötus nur noch eine einzige große Aufgabe: wachsen, wachsen, wachsen. Auch die komplizierten Nervenverbindungen beginnen sich zu vernetzen.
Halbzeit
Ab etwa der Hälfte der Schwangerschaft beginnt aus dem kleinen Embryo ein lustiger Sprössling zu werden, der Turnübungen absolviert und sich in „Atemtechnik“ profiliert. Freilich, nach wie vor wird der Fötus von der Plazenta mit Sauerstoff versorgt; sie hat aber auch eine Reihe anderer Aufgaben, wie Infektabwehr oder Hormonproduktion, die für das Ungeborene wichtig sind. Etwa 15 Zentimeter ist es jetzt groß und reagiert schon auf Außenreize, wie Streicheln, Massieren oder (väterliche) Hände.
Zwischen der 17. und 20. Schwangerschaftswoche ist das Herz bereits außerordentlich leistungsfähig und pumpt Blut durch die Adern. Die Herzfrequenz ist etwa doppelt so hoch wie bei einem Erwachsenen. Das Gehirn entwickelt sich und ist nun zu komplexeren Vorgänge fähig – wie etwa Stirnrunzeln. Das alles bei einem Gewicht von etwa 250 Gramm. Zwischen der 16. und 26. Schwangerschaftswoche mutiert das Kleine zu einem wahren Energiebündel. Es schlägt Purzelbäume, lutscht am Daumen und versucht, sich mit allen möglichen Übungen in der Schwerelosigkeit der Fruchtblase die Zeit zu vertreiben.
Zeit für eine „Erdung“
Ab der 25. Schwangerschaftswoche kann das Baby seine Langeweile auch schon eindrucksvoll demonstrieren: durch langes Gähnen oder durch Augenöffnen und -schließen. Es misst jetzt bereits mehr als 30 cm, reagiert auf die Stimme der Mutter, auf Geräusche oder Musik. In seinem Kokon hat es noch ein paar Wochen „Schonzeit“, ehe es die wohlige Wasserwelt verlassen muss. Dies sollte jedoch nicht vor der 29. Woche erfolgen, denn die Lungen sind noch nicht perfekt ausgebildet, das Immunsystem ist noch nicht fit für die große Welt.
Doch im warmen Nest ist es ohnedies bequemer, auch wenn schon recht wenig Platz ist. Doch das stört den Sprössling nicht weiter, er sucht sich eine günstige „Geburtsposition“ und absolviert in dieser Zeit seine Bewegungstrainings. Bis zur 37. Schwangerschaftswoche ist das Zwerglein jedenfalls etwa 35 Zentimeter groß und rund drei Kilo schwer. Es macht sich bereit für die Geburt, verhält sich zwischen der 37. und 40. Woche eher ruhig – vielleicht um zu überlegen, welcher wohl der beste Tag für einen „Geburtstag“ wäre?
Was macht eine Hebamme?
Beatrix Cmolik, Präsidentin von „Pro Mami – Hebammen für ein gutes Bauchgefühl“
G+L: Was sind die Aufgaben von Hebammen?
Cmolik: Um Mutter und Kind den besten Start in die gemeinsame Lebensphase zu ermöglichen, stehen in Österreich ca. 1.900 Hebammen zur Verfügung – Expertinnen, wenn es um das physiologische und psychische Wohlbefinden von Schwangeren und jungen Müttern geht. Doch viele Frauen wissen nicht, dass sie auch außerhalb der Klinik, sowie vor und nach der Geburt – unter bestimmten Voraussetzungen – Anspruch auf die Begleitung durch eine Hebamme haben. Sie stehen weder in Konkurrenz zu behandelnden Ärzten noch zu Vätern, die sich bei der Geburt ihrer Kinder einbringen möchten. Moderne Hebammen sind in vielen Disziplinen ausgebildet, ob in TCM- oder homöopathischem Wissen, ob in Atemtechnik oder im gynäkologischen Bereich.
G+L: Was lernen Schwangere bei Ihnen?
Cmolik: Sie erfahren im Zuge der Hebammenberatung alles über richtige Atemtechnik, üben, ihre Beweglichkeit zu erhalten, Wissenswertes über eine gute Körperhaltung, denn diese entspannt das Becken und fördert die gute Positionierung des Babys im Mutterleib – wir gehen auf jede Frau individuell ein.
G+L: Begleiten Sie auch Frauen bei Hausgeburten?
Cmolik: Von 1.000 Babys in meiner 20-jährigen Berufstätigkeit waren 300 Hausgeburten. Dies waren komplikationslose Geburten, denn viele Frauen fühlen sich im vertrauten Wohnumfeld oft wohler, sind entspannter. Eine Hausgeburt setzt in jedem Fall eine ideale Schwangerschaft voraus, denn Interventionen oder Medikamente sind im Geburtsvorgang nicht eingeplant. Doch sollte es nur zur leichtesten Komplikation kommen, weil zum Beispiel Probleme mit den Herztönen auftreten oder die Frau doch Angst hat, zögere ich auch nicht, eine Hausgeburt abzubrechen. Andererseits sind zeitgemäße Geburtskliniken gut eingerichtet, und keine Mutter muss heute mehr das Gefühl haben, in einem klinischen Ambiente zu gebären.
G+L: Warum gibt es so wenige Frauen, die Hebammenhilfe in Anspruch nehmen?
Cmolik: Viele Frauen wissen nicht um die Möglichkeit, eine Hebamme zuziehen zu können. In jeder Klinik stehen freilich rund um die Uhr diensthabende Hebammen zur Verfügung, will frau jedoch die Hebamme ihres Vertrauens mit in die Klinik bringen, sollte dies zuvor mit der Klinik abgesprochen werden.
G+L: Helfen Sie Frauen auch nach der Geburt?
Cmolik: Natürlich. Eine erfahrene Hebamme kann sowohl im Falle eines Kaiserschnitts, nach dem viele Frauen in den ersten Wochen nach der Geburt überfordert sind, als auch nach einer „normalen“ Geburt viele Probleme minimieren. Hebammen können abschätzen, ob es sich beispielsweise bei psychischen Verstimmungen um harmlose, vorübergehende Symptome handelt oder ob die Frau medizinisch behandelt werden muss. Eine Hebamme weiß auch, was getan werden kann, wenn der Nabel des Babys nur langsam heilt, auch bei Stillproblemen sowie schmerzenden Brustwarzen weiß sie Abhilfe.
G+L: Eine Eigenschaft, die viele Frauen verbindet, ist der absolute Perfektionismus-Glaube. Wie gehen Sie damit um?
Cmolik: Wenn Frauen am dritten Tag nach der Geburt das Krankenhaus verlassen, sind sie keineswegs fit und zu 100 Prozent einsatzfähig. In dieser Phase ist es gut, wenn eine Fachfrau ein Auge drauf richtet. Junge Mütter, die möglicherweise noch an Geburtsverletzungen laborieren, brauchen liebevolle Betreuung – viele aber haben Ringe unter den Augen und schlafen kaum, weil sie sich dieses Loslassen von „Verpflichtungen“ nicht zugestehen. Wir als Hebammen möchten daher eine Kultur aufbauen, die einen Austausch ermöglicht und letztlich die Erkenntnis zeigt, dass es ein anspruchsvolle Anforderung ist, Mami zu werden.
Stammzellen aus Nabelschnurblut
Aus den Stammzellen bilden sich alle Gewebe sowie sämtliche Organe. Stammzellen haben auch die Aufgabe, alte und kranke Zellen zu erneuern. Das Blut aus der Nabelschnur enthält diese ganz besonderen Stammzellen, sie sind frei von Umwelteinflüssen und am Höhepunkt ihrer
Teilungsfähigkeit. Doch oft werden sie mit der Plazenta nach der Geburt einfach entsorgt. Möchten Sie sich anders entscheiden, haben Sie folgende Möglichkeiten: Entweder Sie spenden das Nabelschnurblut oder Sie
lassen es ausschließlich für Ihr Kind einlagern. Stammzellen werden heute beispielsweise erfolgreich zur Behandlung von Leukämie eingesetzt.
Was tun bei unerfülltem Kinderwunsch?
Für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch gibt es in den NÖ Landeskliniken spezielle Anlaufstellen – die Kinderwunsch-Ambulanzen.
Unerfüllter Kinderwunsch ist ein zunehmendes Problem, das zumindest jedes 7. Paar betrifft. Weltweit sind bis zu 80 Millionen und hierzulande mehr als 30.000 Paare ungewollt kinderlos. Die Gründe dafür sind vielfältig und betreffen beide Partner gleichermaßen. Wenn der Wunsch nach einem Kind nicht in Erfüllung geht, entstehen auf der Suche nach Erklärungen meist viele Fragen, quälende Gedanken und wechselnde Gefühle.
Prim. Univ.-Prof. Dr. Matthias Klein, Leiter der Kinderwunsch-Ambulanz im Landesklinikum St. Pölten, rät: „Manövrieren Sie sich nicht in einen Teufelskreis hinein, sondern lassen Sie uns darüber reden! In den Kinderwunsch-Ambulanzen der NÖ Landeskliniken finden Sie Verständnis und Diskretion genauso wie kompetente Beratung, Diagnose und Therapie. Gemeinsam finden wir einen Weg zu Ihrem ersehnten Nachwuchs! Wir unterstützen Sie in einfühlsamer Weise und widmen uns ganz Ihrer persönlichen Situation.“
Mögliche Ursachen können sein: Fruchtbarkeitsstörungen bei der Frau, hormonelle Störungen oder Probleme mit den Eileitern, Stress und andere Belastungen ebenso wie dass sie Antikörper gegen das Sperma bildet. Beim Mann kann die Spermienreifung gestört oder die Spermaqualität gering sein, auch bei ihm kann Stress eine Rolle spielen.
Heute ermöglichen die verschiedenen Verfahren der modernen Reproduktionsmedizin eine effiziente Therapie, sodass bei Kinderlosigkeit in vielen Fällen geholfen werden kann. Die Experten untersuchen die Paare genau,
helfen bei der Kontrolle des Zyklus, arbeiten mit Hormontherapie und diversen Methoden wie der In-vitro-Fertilisation (IVF), der künstlichen Befruchtung.
Kinderwunschambulanzen
- Landesklinikum St. Pölten: 02742/9004-12425
- Landesklinikum Horn: 02982/9004-7150
- Landesklinikum Baden: 02252/9004-540
- Landesklinikum Wiener Neustadt: 02622/9004-2453





