Bewegtes Leben mit Parkinson
Johann Salzwimmer, Erfinder der giftgrünen Smoveys, durchlebte viele Höhen und Tiefen. Vor 17 Jahren erhielt er die Diagnose Parkinson. Bis heute kämpft er tagtäglich gegen die Krankheit an.

Hans Salzwimmer hatte nicht nur die Idee für die giftgrünen Smoveys, auch die Grundübungen für das Trainieren mit den Handgeräten stammen von ihm. Foto: Daniela Schlemmer
„Einen Brief gibt man auf, aber nicht sich selbst!“ Ein Motto, das Johann Salzwimmer, besser bekannt als „SalzHans“ nicht einfach nur sagt, sondern auch lebt. Er blickt auf ein Leben mit vielen Höhen und Tiefen zurück. Als Tennislehrer mit eigener Tennisschule betreute er über 20 Jahre lang rund 400 Schüler. Neben dem Tennis war er auch noch begeisterter und hervorragender Schifahrer. Auch sein gesellschaftliches Leben war erfüllt. Stolz präsentiert er heute noch ein Foto von seinem Besuch am Opernball. Doch dann kam 1996 die plötzliche Wende. „Beim Helikopterschifahren in Kanada gab es einen abrupten Bruch“, erinnert sich „SalzHans“. Er merkte, dass sein Körper plötzlich nicht mehr so gut funktionierte. Zurück in Österreich erhielt er dann die niederschmetternde Diagnose: Parkinson.
Die nächsten Jahre waren schwierig. „Mir ging es sehr schlecht“, sagt er heute. „Damals dachten die Leute auch noch, Parkinson sei ansteckend. Menschen mit der Krankheit haben sich versteckt.“ Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich immer weiter. Er wurde zum Pflegefall. Er konnte nicht mehr alleine duschen, sich anziehen oder mit Messer und Gabel essen.
Doch er gab sich nicht auf. „Ich hatte kein Geld und konnte mir auch keinen Therapeuten oder teure Geräte leisten. Ich wusste aber, ich brauche etwas, das mir hilft“, erinnert sich der Oberösterreicher aus Großraming (an der Grenze zum Bezirk Amstetten, NÖ). Er blieb weiter in Bewegung und versuchte noch, Tennis zu spielen. Dabei merkte er, dass seine Symptome während und nach dem Spiel stets geringer waren. „Ich habe mir dann genau die Bewegungen von Boris Becker angeschaut“, berichtet er. Das machte ihn erfinderisch. Mit einfachen Tennisschlägern startete er 2005 seine Selbsttherapie. Vom Installateur besorgte er sich dazu noch spezielle Schläuche, die er am Kopf des Schlägers befestigte: „Damit ich den notwendigen Schwung bekam, den ich brauchte, um die Steife aus meinem Körper zu bekommen, habe ich Kugeln in die Schläuche gefüllt.“ Mit dieser einfachen Konstruktion begann er sich zu bewegen. Der Prototyp der Smoveys war geboren.
„Ich wurde ausgelacht“
In seinen eigenen vier Wänden in Großraming hat er sich als Erinnerung an diese Zeit ein kleines Museum eingerichtet. Dort bewahrt er noch den Original-Smovey auf und alle weiteren Adaptionen des Handgeräts, die er im Laufe der Zeit weiterentwickelt hat. Der Weg zum Erfolg der Smoveys war ein langer und steiniger. „Im Ort wurde ich ausgelacht, weil ich mit meinen Tennisschlägern spazieren ging“, erinnert sich „SalzHans“. Doch davon ließ er sich nicht unterkriegen und gemeinsam mit seinem Freund Willi Enzlberger entwickelte er schließlich das erste geschlossene Schwungsystem aus einem strukturierten Schlauch und Stahlkugeln. Diese werden heute übrigens zu hundert Prozent in Österreich, in einer Integrationswerkstatt in Weyer (OÖ), hergestellt.
Heute ist Salzwimmer längst nicht mehr der Einzige, der mit den runden Schläuchen trainiert. Immer mehr Menschen nutzen die Handgeräte, in den eigenen vier Wänden, in der freien Natur oder auch im Wasser. Seit dem heurigen Jahr bietet Johann Salzwimmer auch sogenannte Smovey-Walks an. Er will vor allem auch anderen Menschen Mut machen. „Das Wichtigste ist, dass man sich nicht aufgibt. Es ist entscheidend, dass man etwas tut und an sich arbeitet“, ist er überzeugt.
Radfahren, Wandern & Schifahren
Sein Leben mit Parkinson ist ein stetes Auf und Ab. Wenn es ihm schlechter geht, holt er sich positive Energie von seinem „Kraftstein“, dem „Leopold von Buch“-Denkmal im Pechgraben bei Großraming. Dieser Granitstein gilt als einer der bedeutendsten geologischen Naturdenkmäler in Österreich, da er an dieser Stelle völlig ortsfremd ist. Einige Minuten lang presst „SalzHans“ dann seine Hände gegen den Stein und nimmt dessen Energie auf. Das hilft ihm, ist er sich sicher. Er ist heute stolz auf seine Erfindung und die Gemeinschaft, die dahinter steht. „Hätte ich viel gejammert, hätte ich das nicht erfunden und nicht so viele tolle Menschen kennengelernt“, sagt er. „Für mich ist es ein Wunder, dass ich anderen Menschen helfen kann.“ 17 Jahre lebt er nun schon mit Parkinson. Er ließ sich nicht von der Krankheit unterkriegen und geht heute noch Rad fahren, wandern und schifahren. „Ich könnte auch noch Tennis spielen, allerdings habe ich mittlerweile ein Sichtproblem, daher geht es nicht mehr.“ Menschen mit Parkinson rät er: „Wichtig ist es, Pausen einzuhalten und sich niemals aufzugeben.“
Morbus Parkinson
Morbus Parkinson, auch Schüttellähmung genannt, ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen und gilt gegenwärtig als nicht heilbar. Prominenter Patient ist der ehemalige Außenminister Dr. Alois Mock.
Parkinson ist eine degenerative Erkrankung des Gehirns. Bestimmte Nervenzellen sterben ab und dadurch kann der Botenstoff Dopamin nicht mehr ausreichend produziert werden. So treten als Hauptsymptome Steifheit der Muskulatur, Zittern und eine Verlangsamung der Bewegung auf.
Helfen die grünen Handgeräte?
GESUND&LEBEN bat Oberärztin Dr. Andrea Podolsky, Leiterin des Instituts Präventiv- und angewandte Sportmedizin im Landesklinikum Krems, sich mit den Smovey-Handgeräten
auseinanderzusetzen.
Welche Effekte bringt das Training mit Smoveys?
Der Haupteffekt vom Trainieren mit Smoveys entsteht durch das Ausdauer- oder Krafttraining, also durch Gehen oder Kräftigungsübungen mit den Handgeräten. Smovey bringt auch eine zusätzliche Anforderung an die Koordination. Beim Gehen wird man durch Smovey motiviert, die Arme mitschwingen zu lassen und damit den Schultergürtel aktiver zu bewegen, als man das sonst wahrscheinlich tun würde. Bei den Kräftigungsübungen besteht die koordinative Komponente darin, zu versuchen, die Kugeln in Bewegung zu halten, ohne dass sie am Handgriff hart anstoßen und damit einen kleinen Ruck verursachen. Damit wird die Muskulatur zusätzlich ein wenig aktiviert, die die Gelenke stabilisiert; wegen des geringen Gewichts und der niedrigen Intensität ist das eher nur für sehr muskelschwache Menschen von Bedeutung. Bewegt man die Smoveys unter direkter Berührung eines Körperteils, spürt man dort eine leichte Vibration, die hauptsächlich oberflächlich wirkt. Ob das, wie in der Werbung angegeben, einen lymphdrainierenden Effekt hat, ist eher unwahrscheinlich.
Für wen ist das Trainieren mit Smoveys besonders förderlich?
Das Gerät eignet sich für gelenksgesunde Personen jeden Alters. Der besondere Wert liegt meiner Meinung nach darin, dass sich Menschen bewegen, die sonst vielleicht Schwierigkeiten haben, sich zu motivieren.
Gegen welche Beschwerden/Krankheiten kann man aktiv gegensteuern? Und wie regelmäßig sollte man trainieren?
Ausdauertraining wirkt generell gegen die Entstehung von Übergewicht und damit assoziierten Erkrankungen wie Diabetes. Smovey kann dabei jedoch lediglich die Motivation unterstützen, hat selbst keinen zusätzlichen nennenswert energieverbrauchenden Effekt. Krafttraining fördert das Muskelwachstum und die Knochenfestigkeit und ist damit für stabile Gelenke und gegen Knochenabbau wirksam, wenn es richtig und in ausreichendem Umfang durchgeführt wird. Durch verschiedene Maßnahmen, wie zum Beispiel einen Schwingstab oder die Verwendung unebener Unterlagen, kann man auch die tiefer liegende Haltemuskulatur aktivieren. Dies gelingt mit Smovey eher nur bei muskelschwachen Personen, da für eine normal kräftige Person die Intensität zu gering ist.
Was bewirkt das Trainieren mit Smoveys bei Parkinson-Patienten?
Parkinson-Patienten haben Probleme, ihre Bewegungen zu kontrollieren. Smovey ist eine Motivation, die Bewegungsgenauigkeit ständig zu üben. Das erzeugt sicher einen positiven Effekt.
Landesklinikum Krems
Mitterweg 10
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Tel.: 02732/9004-0
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