Bestens versorgt
Die NÖ Landeskliniken bieten allen Bürgerinnen und Bürgern beste Behandlungsqualität. Das lässt sich an zahlreichen Faktoren belegen, zum Beispiel an der Patientenbefragung

Dipl. KH-BW Helmut Krenn, Kaufmännischer Geschäftsführer der NÖ Landeskliniken-Holding und Dr. Robert Griessner, Medizinischer Geschäftsführer der NÖ Landeskliniken-Holding – FOTO: Nadja Meister
Das Land Niederösterreich hat ab 2003 begonnen, die Krankenhäuser der Gemeinden zu übernehmen, denn für immer mehr Gemeinden wurde die Erhaltung des Krankenhauses zur kaum mehr zu bewältigenden Bürde. Seit fünf Jahren sind nun alle NÖ Krankenhäuser unter dem Dach der NÖ Landeskliniken-Holding vereint. Auch die etwa 19.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden vom Land Niederösterreich unter Vertrag genommen. Damit ist die NÖ Landeskliniken-Holding mit ihren 27 Klinik-Standorten die größte Gesundheitseinrichtung in ganz Österreich. Was hat
sich seither verändert? Darüber sprach GESUND&LEBEN-Chefredakteurin Riki Ritter-Börner mit den beiden Geschäftsführern der NÖ Landeskliniken-Holding.
G&L: Immer wieder gibt es Kritik daran, dass wir so viele Klinik-Standorte in Niederösterreich haben.
Dr. Robert Griessner, Medizinischer Geschäftsführer der NÖ Landeskliniken-Holding: Wir brauchen jeden einzelnen von ihnen, unbedingt. Niederösterreich ist ein großes Land, und wir sind gesetzlich verpflichtet, dass jede Bürgerin und jeder Bürger nicht länger als 45 Minuten ins nächste Klinikum braucht.
Dipl. KH-BW Helmut Krenn, Kaufmännischer Geschäftsführer der NÖ Landeskliniken-Holding: Außerdem sind die Krankenhäuser wichtige Wirtschaftsfaktoren in den Regionen und sichern zusätzlich auch noch Arbeitsplätze – das hat eine Studie klar belegt. Und wenn Sie noch einen Beweis brauchen: Gerade die kleineren Landeskliniken unter 300 Betten schneiden in der Patientenbefragung hervorragend ab, weil sich die Menschen dort wohl und zu Hause fühlen.
G&L: Wie hat sich der Zusammenschluss der Krankenhäuser unter dem Dach der NÖ Landeskliniken-Holding auf die Qualität der Versorgung ausgewirkt?
Griessner: Sehr positiv. Es ist nämlich von der Qualität der Behandlung her völlig egal, ob Sie den Blinddarm in Melk, Krems, Hollabrunn oder Waidhofen an der Thaya entfernen lassen – Sie bekommen überall eine Behandlung auf dem Stand der Wissenschaft, und überall in ausgezeichneter Qualität. Denn wir haben einheitliche Standards in allen Kliniken. Und bestimmte kompliziertere Behandlungen konzentrieren wir an wenigen Kliniken, damit die Ärztinnen und Ärzte dort genug Patienten behandeln und daher wirklich beste Arbeit leisten können. Denn man kann nicht eine Operation nur dreimal im Jahr machen und macht sie dann gut. Wir achten sehr genau darauf, dass die sogenannten Fallzahlen sichergestellt sind und unsere Medizinerinnen und Mediziner daher wirklich Spitzenmedizin leisten können.
G&L: Was tut die NÖ Landeskliniken-Holding, um die Ärzte auf dem Stand des Wissens zu halten? Das Wissen in der Medizin verdoppelt sich alle fünf Jahre.
Griessner: Wir investieren sehr viel in die Weiterbildung der Ärztinnen und Ärzte, zum Beispiel Jahr für Jahr eine Million nur für Fortbildung. Die Donau-Universität Krems bietet mit dem Zentrum für Evidenzbasierte Medizin und der Cochrane-Gesellschaft allen Ärzten den Stand des Wissens weltweit, die Ärzte können sogar dort Ergebnisse recherchieren lassen. Außerdem ist eine eigene Medizin-Uni in Krems in Aufbau, damit uns der Ärztenachwuchs nicht ausgeht und wir auf höchstem Niveau ausbilden.
G&L: Patienten wünschen sich Sicherheit bei der Behandlung. Was tun die Landeskliniken dafür, dass keine Fehler passieren?
Griessner: Auch hier sind wir an sehr vielen Themen und Bereichen dran: Wir arbeiten ganz konkret und in jedem Klinikum, jeder Abteilung am Riskmanagement, haben in den Kliniken diverse Checklisten im Hochrisikobereich wie den OPs eingeführt, haben Qualitätsmanagement und viele weitere Tools. Ein gutes Beispiel für Behandlungssicherheit sind die Tumorboards (siehe Seite 18, Anm. der Red.), bei denen Experten aller zuständigen Fachrichtungen zusammenarbeiten, was durch dafür eigens installierte Videokonferenzsysteme auch flächendeckend gelingt. Und wir haben in der EDV aufgerüstet, arbeiten jetzt schon mit einem NÖ-ELGA, damit unter anderem auch ganz schnell Zweitmeinungen eingeholt werden können. Hervorheben möchte ich die Qualitätsindikatoren, die bereits von ganz Österreich übernommen wurden – die sind eine Leistung der NÖ Landeskliniken-Holding (siehe Spalte „Medizinische Qualität messen“ Seite 22, Anm. der Red.).
G&L: Das klingt alles sehr kostenintensiv. Geht sich das denn finanziell überhaupt aus?
Krenn: Weil wir zum Beispiel den Einkauf für die 27 Klinik-Standorte gemeinsam machen, nutzen wir den sogenannten Skaleneffekt, also dass wir größere Mengen kaufen und dafür bessere Preise bekommen als ein einzelnes Klinikum. Das spart Jahr für Jahr viele Millionen Euro, die wir für die vorhin genannten Verbesserungen der Versorgung nutzen können.
G&L: Das ist schon zu Beginn der Holding-Zeit bei den Verbrauchsgütern gelungen, und die Zahlen waren von Anfang an beeindruckend. Aber lässt sich heute, nach fünf Jahren, auch noch etwas sparen?
Krenn: Natürlich. Denn es dauert einfach eine Zeit, bis die verschiedenen Kliniken auch wirtschaftlich zusammenwachsen. Das bedeutet, dass zum Beispiel im Einkauf zehntausende Produkte in einem gemeinsamen System gelistet werden müssen. Gerade ist es gelungen, durch den gemeinsamen Einkauf von Herzschrittmachern 65 Prozent der bisherigen Jahreskosten einzusparen.
G&L: Auf Kosten der Qualität?
Krenn: Bestimmt nicht. Wir fragen immer jene Experten, die die Produkte verwenden. In der Einkaufsgruppe für Herzschrittmacher sind das Primarärzte und leitende Oberärzte, die genau festlegen, was diese Produkte können müssen – und diese Qualität bekommen sie dann auch.
G&L: Viel wird gebaut und renoviert, da geht es um viele Millionen Euro – lohnt sich das?
Krenn: Über die Jahre sind es an die zwei Milliarden – und ja, es lohnt sich. Das sehen wir an der Patientenbefragung, wo uns die Qualität der Landeskliniken aufgezeigt wird, nicht nur mit einem Riesenlob für die Ärztinnen und Ärzte und das gesamte Pflegepersonal, sondern auch für die Hotelkomponente, das Wohlfühlenkönnen in hellen, angenehmen Räumen, denn das ist für das Gesundwerden auch wichtig (siehe unten).
Qualität der Landeskliniken
Wie erfährt man, wie die Qualität der einzelnen Abteilungen und Kliniken tatsächlich ist? Man fragt die „Kunden“, die Patientinnen und Patienten. Das tun die NÖ Landeskliniken seit nunmehr sechs Jahren – mit erstaunlichen, weil jedes Mal besseren Ergebnissen. Im Vorjahr wurden insgesamt 270 Stationen und 18 medizinische Fächer beurteilt.
Die Patientinnen und Patienten sind mit den Angeboten und den Leistungen in den NÖ Landeskliniken sehr zufrieden. Sowohl das Ärzteteam (94,76 Punkte) als auch das Pflegepersonal (96,32 Punkte) kam dem maximalen Wert von 100 sehr nahe.
Durch die Anregungen aus der letzten Patientenbefragung wurden bereits wieder neue Maßnahmen in den einzelnen Kliniken umgesetzt. Hier einige Beispiele:
- Verbesserung der Zimmerausstattung und Neugestaltung von Aufenthaltsbereichen für Patientinnen und Patienten
- Überarbeitung des Speiseplans
- Verbesserte Koordination der Untersuchungstermine zur Reduzierung von Wartezeiten
- Teebar in allen Ambulanzen
Bauen für unsere Gesundheit
In vielen NÖ Landeskliniken wurde und wird gebaut – die Meilensteine und der Stand der Dinge. Noch vor zehn Jahren war das Land Niederösterreich Rechtsträger von nur wenigen Krankenhäusern: Eine Geschäftsstelle im Amt der NÖ Landesregierung betreute die a.ö. Krankenhäuser Mödling-Hinterbrühl, Mauer, Hochegg und Tulln; 2003 kam das a.ö. KH Baden in die Rechtsträgerschaft des Landes, und weitere Übernahmen zeichneten sich ab: Den Gemeinden wuchsen die Kosten und die Verantwortung über den Kopf. Deshalb entstand 2004 die NÖ Landeskliniken-Holding. Schon 2005 kamen die Landeskliniken Waidhofen/Thaya, Mistelbach-Gänserndorf, Hollabrunn, St. Pölten, Lilienfeld, Amstetten, Hainburg und Gmünd dazu, und die NÖ Landeskliniken-Holding wurde per Landesgesetz zum Fonds mit eigener Rechtspersönlichkeit. 2006 kamen die a.ö. Krankenhäuser Melk, Waidhofen/Ybbs, Zwettl, Scheibbs und der Krankenanstaltenverband Waldviertel mit Horn und Allentsteig unter das Dach der NÖ Landeskliniken-Holding. Im Jahr 2007 folgte der Krankenanstaltenverbund Korneuburg-Stockerau, 2008 dann die letzten Kliniken in NÖ, die a.ö. KH Wiener Neustadt, Neunkirchen und Klosterneuburg. Seither ist viel geschehen, und in den kommenden Jahren ist auch noch viel geplant.
NÖ Mitte
Landesklinikum St. Pölten
- Gesamt-Um- und Ausbau mit Mai 2011 gestartet
- Fertigstellung Haus K – Klinikleitung (Mai 2012)
- Fertigstellung neuer Notarztstützpunkt (Juni 2012)
- Derzeit Errichtung neues Logistik- und Organisationszentrum
Landesklinikum Krems
- Sanierung/Erneuerung der gesamten Energieversorgung (2012)
- Neue Räumlichkeiten für Endoskopie (Juli 2012)
Landesklinikum Tulln
- Abschluss Umbaumaßnahmen im Bereich Radiologie, neue Angiographie (März 2012)
Landesklinikum Lilienfeld
- Umbaumaßnahmen für OP-Bereich in Vorbereitung Landesklinikum Klosterneuburg
- Umbaumaßnahmen für interdisziplinären Aufnahmebereich in Vorbereitung
Thermenregion
Landesklinikum Baden
- Baufertigstellung – Parkdeck (2012)
- Baufertigstellung – Technisches Versorgungszentrum (2012)
- Baubeginn Neubau
Landesklinikum Mödling
- Baufertigstellung – Parkplatz/Leinergebäude
- Baufertigstellung – Prov. Betriebskindergarten
- Weiterführung Bautätigkeiten Neubau
- Gleichenfeier für Pavillon A (Jänner 2013)
Landesklinikum Neunkirchen
- Weiterführung der Planungstätigkeiten für den kompletten Neubau des Landesklinikums
- Baufertigstellung – Prov. Hubschrauberlandeplatz
- Baufertigstellung – Prov. Parkplatz
- Übersiedlung Verwaltung in prov. Bürocontainer
Landesklinikums Wiener Neustadt
- n Weiterführung der sicherheitstechnischen und organisatorischen Maßnahmen im bestehenden Gebäude
- n Weiterführung der Zielplanung für den kompletten Neubau des Landesklinikums
- n Neubau Logistikzentrum
Weinviertel
Landesklinikum Mistelbach
- Rohbau-Fertigstellung des Zubaus, Gleichenfeier für den Zubau (Jänner 2013)
- Besiedlung Zubau (Ende 2014)
- Danach Umbau der Bestandsbauten (bis 2016)
Landesklinikum Hollabrunn
- Weiterführung der Zielplanung für mittel- bis langfristige Entwicklungen
Landesklinikum Hainburg
- Weiterführung der Planungstätigkeiten sowie Vorbereitung für den Beginn der 1. Bauphase – Zu- und Umbau
- Baubeginn 1. Bauphase – Fertigstellung Erlöserkirche/Neu
Waldviertel
Landesklinikum Zwettl
- Derzeit keine Bautätigkeiten – Vorbereitung Projektabschluss
Mostviertel
Landesklinikum Amstetten
- Baubeginn letzter Abschnitt der Zu- und Umbaumaßnahmen
Landesklinikum Mauer
- Neubau Entzugs-Abteilung. Weitere Zielplanung für die Neu-Strukturierung und den Neubau des Landesklinikums
Landesklinikum Melk
- Weiterführung Zu- und Umbaumaßnahmen wie Aufnahme-station, Tagesklinik, Eingangszone mit Serviceeinrichtungen, Kapelle
Landesklinikum Waidhofen/Ybbs
- Weiterführung Zu- und Umbaumaßnahmen wie Errichtung interdisziplinäre Bettenstation, Überarbeitung Eingangsbereich und Außenanlagen, Adaptierung der Haustechnik, Teileröffnung Eingangsbereich
Landesklinikum Scheibbs
- Weiterführung der Neugestaltung (Zu- und Umbaumaßnahmen) der öffentlichen und ambulanten Bereiche des Landesklinikums, u. a. Hubschrauberlandeplatz, Umbau Innere Medizin und Palliativstation, Standardanpassung
- Teileröffnung Eingangstrakt
Medizinische Qualität messen
Die Qualität der medizinischen Leistungen zu messen – und das so, dass man die Ergebnisse mit anderen Einrichtungen und Ländern vergleichen kann –, ist ein extrem wichtiger Faktor für Kliniken. Die NÖ Landeskliniken-Holding entwickelte deshalb Qualitätsindikatoren, die sich mit denen von Kliniken aus der Schweiz und aus Deutschland vergleichen lassen. Diese Indikatoren, A-IQI, nutzen Daten, die routinemäßig bei allen Behandlungen erstellt werden. Das System wurde mittlerweile von allen Bundesländern übernommen. Zeigen sich bei einer Abteilung schlechte Werte, wird diese von Primarärzten aus einem anderen Klinikum untersucht. Voneinander zu lernen war für viele Ärzte anfangs ein schwieriges Thema, mittlerweile werden diese sogenannten Peer Reviews optimal genutzt, um in allen Kliniken höchste Behandlungsqualität sicherstellen zu können.




