Baggern Sie sich fit!
Volleyball ist ein gesunder Freizeitspaß: Das Baggern und Pritschen ist längst sowohl als Fitnessprogramm als auch als Leistungs- und Wettkampfsport anerkannt.
Eigentlich wollte Michael Henschke Fußballprofi werden. Eine schwere Knieverletzung machte ihm aber einen Strich durch die Rechnung und so kam der Berliner vor mehr als 30 Jahren durch einen puren Zufall zum Volleyball. „Ich wusste damals gar nicht, dass es diese Sportart gibt“, erinnert sich der heute 51-Jährige schmunzelnd an seine Anfänge zurück. Sein Erfolgsrezept, mit dem er bereits nach kurzer Zeit Jugendteams zum Meistertitel führte, war einfach und frech zugleich. „Gegenüber der Firma, in der ich gearbeitet habe, haben die besten Volleyballer der DDR trainiert. Ich hab mich immer wieder ins Training reingeschlichen, hab mich ganz oben in den letzten Rang gesetzt und den Profis ein Jahr lang zugeschaut, wie sie trainieren. Was die gemacht haben, hab ich auf Kinder umgemünzt und auf den Henschke-Stil umgebaut. Das hat sich dann so entwickelt, dass ich mich im Volleyball auskannte und hauptamtlicher Trainer wurde“, schildert Henschke. Heute ist der gebürtige Deutsche, der selbst nie aktiv Meisterschaft spielte, der erfolgreichste Volleyballtrainer Österreichs und kann bei Engagements in Salzburg, Wien und seit 2008 in Amstetten bereits auf 39 gewonnene Meistertitel im Nachwuchsbereich verweisen. Weitere sind natürlich nicht ausgeschlossen.
Fairplay und Teamgeist
Was aber war es, was den verhinderten Fußballer an der für ihn anfangs völlig neuen Ballsportart derart reizte, dass er beruflich umsattelte? „Dass es keinen direkten Körperkontakt gibt, keine Fouls und keine Aggressivität wie etwa beim Handball, Fußball oder Basketball. Da ist ein Netz dazwischen und du kannst den da drüben nicht umhauen oder verletzen, damit du gewinnst. Das geht beim Volleyball nicht“, betont Henschke den Fairplay-Charakter, der diesen Sport für ihn so besonders macht. Außerdem begeistert ihn, dass beim Volleyball Zusammenhalt und Teamgeist noch viel mehr gefragt sind als bei anderen Mannschafts-Sportarten. „Es gibt beim Volleyball niemals das Wort ich, sondern nur wir. Ein Spiel funktioniert nur mit einer Mannschaft. Das fängt beim Trainer an und hört beim zwölften Spieler auf“, betont der Wahl-Niederösterreicher, der auch als Mensch der Teamplayer schlechthin ist. Vor allem bei Kindern sei die soziale Komponente des Sports gerade heute besonders wichtig, meint Henschke. „Man muss lernen zu teilen und sich gegenseitig zu helfen. Wenn einer einen Annahmefehler macht, muss der andere hinterherlaufen und den Ball holen. Du kannst auch einen überragenden Angreifer haben, aber wenn der Annahmespieler die Murmel nicht nach vorne bringt oder der Zuspieler den Ball nicht zum Angreifer kriegt, dann hilft das gar nichts“, verdeutlicht der Nachwuchs-Cheftrainer und Sportdirektor des VCA Hypo Niederösterreich, was eine erfolgreiche Volleyballmannschaft auszeichnet.
Nur Teamgeist allein macht aber noch keinen guten Volleyballer. Reaktion, Ballgefühl und eine schnelle Auffassungsgabe sollte man schon mitbringen. Körpergröße ist zwar keine Bedingung, aber in einer Sportart, in der bei den Herren die Zwei-Meter-Hünen dominieren, kein Nachteil. „Ich sag immer, ich kann ihnen alles beibringen, nur nicht das Wachsen“, grinst Henschke, dem die meisten seiner Nachwuchsspieler bereits ordentlich über den Kopf gewachsen sind. Wenn sie gewisse körperliche Voraussetzungen mitbringen, dann sei es, so Henschke, auch möglich, aus unsportlichen Kindern passable Volleyballer zu machen.
Einsteigen ab zehn Jahren
Das ideale Einstiegsalter liegt beim Volleyball bei zehn Jahren, eventuell auch ein wenig früher. Jünger als acht Jahre sollten die Kinder aber nicht sein. „Es gibt zwar Kinderbälle, die ein bisschen kleiner sind, aber prinzipiell ist es ein Problem, dass der Ball ziemlich groß ist und die Finger noch sehr klein sind“, warnt der Experte. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die sportlichen Defizite in den letzten Jahren immer größer werden. „Die Kinder können heutzutage nicht mehr fangen und werfen. Da ist die Verletzungsgefahr dann sehr groß“, bemängelt Henschke die Qualität des Turnunterrichts in den Volksschulen.
Prinzipiell ist die Verletzungsgefahr beim
Volleyball durch den fehlenden Körperkontakt nämlich eher gering. „Es wird immer mal Wehwehchen in der Schulter und im Knie geben und passieren, dass jemand umknickt“, betont Michael Henschke, dass schwere Verletzungen im Volleyball mittlerweile eher selten geworden sind. Früher war das anders. „Vor 20 Jahren gab es noch nicht diese Spezial-Volleyballschuhe mit doppelter und dreifacher Dämpfung wie heute. Damals warst du mit 30 auf Rücken und Knien kaputt. Die Entwicklung der Materialien hat sich da schon unwahrscheinlich verbessert“, erklärt der Meistertrainer. Bei mangelnder Technik besteht hingegen Verletzungsgefahr für die Finger. Das Risiko kann man aber mittels Sport-Tapes minimieren.
Neben der geringen Verletzungsgefahr hat der Volleyballsport auch für Hobbysportler einige Vorteile, denn jeder kann Volleyball spielen und auf geringem Niveau relativ schnell zu Erfolgserlebnissen kommen. Und Spaß am Spiel ist in der Gruppe zudem garantiert. Außerdem ist Volleyball ein billiger Sport, denn die Ausrüstungskosten halten sich in Grenzen.
Viele Vorteile und trotzdem in Gefahr
Obwohl viel Positives für den Volleyballsport spricht, stehen drei der vier niederösterreichischen Topvereine (Amstetten, Arbesbach und Melk) vor einer ungewissen Zukunft und fürchten um ihre Existenz. Der Grund für die tiefen Sorgenfalten: Ihre Hallen sind für internationale Bewerbe und die Bundesliga zu niedrig. Eine Sondergenehmigung wie in den letzten Jahren wird es ab der nächsten Saison definitiv nicht mehr geben. Für den VCA Hypo Niederösterreich in Amstetten, der den Grunddurchgang in der 1. Bundesliga dominierte, gibt es zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer. „Es gibt einen einstimmigen Grundsatzbeschluss der Gemeinde zum Umbau der Pölz-Halle“, kann Sportdirektor Michael Henschke Erfreuliches berichten. Für die nähere Zukunft bringt das den Amstettnern aber nichts. Da die Sporthalle erst 2015 saniert wird, ist der VCA für zwei Jahre heimatlos und muss – voraussichtlich nach St. Pölten oder Enns – auspendeln. „Wie wir die zwei Jahre überbrücken, wissen wir selber noch nicht. Wir hoffen, dass wir es überleben“, erklärt Henschke und spricht von „Mörderkosten“, die auf den VCA zukommen werden.
Um den Spielbetrieb für die Herren aus Arbesbach aufrechtzuerhalten, wird geprüft, ob die Sporthalle in Zwettl adaptiert werden kann. Ein Ergebnis steht noch aus. Keine Lösung gibt es derzeit auch für die Melker Bundesliga-Damen. Die Sporthalle im Stift Melk ist denkmalgeschützt und kann nicht verändert werden. Letzter Ausweg wäre im Zuge des Ausbaus der Kaserne eine neue Halle zu errichten. Gelingt das nicht, steht der Verein vor der vollkommenen Auflösung und mehr als 100 Nachwuchsspieler auf der Straße. Ebenso in Amstetten. „Jetzt ist die Politik gefragt, ob sie etwas für den Sport tun will oder nicht“, hofft Michael Henschke auf Hilfe für den niederösterreichischen Volleyballsport.
Informationen:
- VCA HYPO NÖ Amstetten
www.vca.at - NÖ Volleyballverband
www.noevv.at - Öst. Volleyballverband
www.volleynet.at
Zahlen, Daten & Fakten
Als Vorläufer des Volleyballsports kann man alle Formen des Hin- und Rückschlagspiels bezeichnen, die es bereits bei den Römern und den Azteken gab. Zur Entwicklung des eigentlichen Volleyballspiels kam es aber erst in der Neuzeit. Im Jahr 1895 kreierte William G. Morgan ein Spiel, das Elemente aus Tennis, Handball, Basketball und Baseball verband und Mintonette genannt wurde. Die Zahl der Spieler war dabei ebenso unbegrenzt wie die Zahl der erlaubten Ballkontakte. Bei den Regeln kam es nach und nach zu Änderungen. 1964 war Hallenvolleyball dann erstmals olympisch, der kleine Bruder Beachvolleyball folgte 1996.
Ziel des Spieles ist es, den Ball so zu platzieren, dass er im gegnerischen Feld den Boden berührt bzw. zu verhindern, dass der Ball im eigenen Feld aufspringt. Eine Volleyballmannschaft setzt sich aus sechs Feldspielern und sechs Wechselspielern zusammen.
Die Feldgröße beträgt 18 x 9 Meter. Die Feldhälften werden durch ein Netz getrennt, das bei den Frauen 2,24 Meter und bei den Männern 2,43 Meter hoch ist. Der Ball, der mit einem Umfang von 65 bis 67
Zentimetern und einem Gewicht von 260 bis 280 Gramm kleiner und deutlich leichter ist als ein Fußball oder Basketball, darf innerhalb einer Mannschaft dreimal berührt werden, bevor er auf die andere Seite des Netzes gespielt werden muss. Gespielt wird auf drei gewonnene Sätze, jeweils bis 25 Punkte (zwei Punkte Unterschied). Ausnahme
ist der fünfte Satz, der nur bis 15 Punkte (zwei Punkte Unterschied) gespielt wird.
Volleyball ist eine Weltsportart, die von 900 Millionen Menschen gespielt wird. Die führenden Nationen sind Brasilien, Russland, USA und Italien. Österreich spielt im Hallenvolleyball nur eine kleine Rolle.
Der niederösterreichische Volleyballverband (NÖVV) ist der größte Landesverband und umfasst 49 Mitgliedsvereine. Vier NÖ Mannschaften sind in der 1. Bundesliga aktiv: Amstetten und Arbesbach bei den Herren sowie Melk und SVS Post Schwechat bei den Damen. Mit Ausnahme der Melker Damen spielten die niederösterreichischen Topvereine heuer auch international im Europacup.
11 Punkte die man über Volleyball wissen sollte
Techniken
- Aufschlag: Mit dem Aufschlag oder Service beginnt ein neuer Ballwechsel. Der Aufschlag kann von unten oder von oben (stehend oder im Sprung) gespielt werden. Der aufschlagende Spieler hat nur einen Versuch. Berührt der Ball das Netzband, ist dies im Vergleich zum Tennis ein gültiger Aufschlag und wird nicht wiederholt.
- Unteres Zuspiel (= Baggern): Beim Baggern wird der Ball mit den parallel gehaltenen, durchgestreckten Armen von unten gespielt. Die Spielfläche liegt dabei auf den Innenseiten der Unterarme. Der Bagger wird hauptsächlich bei der Annahme eines gegnerischen Aufschlags oder bei der Abwehr eines Angriffsschlags eingesetzt. In Ausnahmefällen wird beim Zuspiel gebaggert.
- Oberes Zuspiel (= Pritschen): Beim oberen Zuspiel zeigen die Handflächen in Richtung des Balles, der sich oberhalb der Schulterachse befinden sollte, wobei Daumen und Zeigefinger beider Hände ein offenes Dreieck bilden. Die gespreizten Finger entscheiden über Richtung und Geschwindigkeit des Balles. Diese Aktion findet hauptsächlich beim Zuspiel als Vorbereitung eines Angriffsschlags Verwendung.
- Smash-Angriffsschlag: Der Schmetterschlag ist die wirkungsvollste und meist verwendete Art, einen Punkt zu erzielen. Bei Erreichen einer geeigneten Sprunghöhe schlägt der Spieler den Ball kräftig nach unten über das Netz, sodass er im Idealfall im Spielfeld der gegnerischen Mannschaft auftrifft. Der Schlag wird mit der ganzen Hand mit geöffneten Fingern ausgeführt.
- Block: Ein oder mehrere Spieler (höchstens drei) springen in der Nähe des Netzes hoch und versuchen mit ausgestreckten Armen und gespreizten Fingern dem gegnerischen Angriff als Hindernis entgegenzutreten und ihn so abzuwehren. Wenn der Ball trotzdem in die Hälfte der abwehrenden Mannschaft fällt, kann er weitergespielt werden.
Spielpositionen - Mittelblocker: Die Hauptaufgaben sind das Blockspiel auf allen drei vorderen Positionen und der Schnellangriff durch die Mitte.
- Außenangreifer: Er greift von der linken Seite des Feldes aus an, stellt den Block auf seiner Feldseite und nimmt an.
- Aufspieler: Seine Hauptaufgabe ist es, den angenommenen oder abgewehrten Ball mit der zweiten Ballberührung des Teams seinen Angreifern zuzuspielen. Durch das sogenannte Läufersystem gelangt der Aufspieler immer auf jene Position, von der aus er am besten zuspielen kann.
- Diagonalspieler: Er steht spiegelbildlich (diagonal) zum eigenen Aufspieler. In den höheren Spielklassen ist der Diagonalspieler in der Regel der Hauptangreifer. Er übernimmt auch die Blockarbeit des gegnerischen Angriffs. Er wird selten in der Annahme eingesetzt.
- Libero: Er ist ein Annahme- und Abwehrspezialist. Er darf keine Angriffsschläge durchführen, wenn sich der Ball oberhalb der Netzkante befindet. Außerdem darf er nicht blocken und servieren. Der Libero unterscheidet sich vom Rest der Mannschaft durch ein andersfarbiges Trikot. Die Liberoposition wurde erst 1998 in den Regeln festgeschrieben.
- Universalspieler: Dies sind solche Spieler, die wegen ihrer Fähigkeiten mit unterschiedlichen Aufgaben betraut werden und daher auf verschiedenen Positionen eingesetzt werden können – in der Regel mit Ausnahme der Libero- und Aufspielerposition.





