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Auf dem Weg zur Weltspitze

Barbara Haas gilt als größte Nachwuchshoffnung im österreichischen Tennissport. Dementsprechend hoch sind auch die Ziele der 16-Jährigen gesteckt: Sie will in die Top Ten der Damen-Weltrangliste.


Ägypten, Thailand, Malaysia, Philippinen, Dubai, Oman. Was sich liest wie die Wunschliste vieler Fernreisender, sind die Turnierschauplätze, an denen Barbara Haas alleine in den ersten Monaten des Jahres 2012 im Einsatz war. Die 16-Jährige ist Weltenbummlerin in Sachen Tennis und 20 bis 25 Wochen im Jahr auf Achse. Ein Leben aus dem Koffer ist für sie mittlerweile zum Alltag geworden. „Es ist nicht so angenehm wie daheim, aber es gehört einfach dazu. Das hat jeder“, ist es für den Teenager das Normalste auf der Welt, ständig in fremden Betten zu schlafen und viele Stunden auf stickigen Flug­häfen zu verbringen, um auf den Abflug zum nächsten Turnier zu warten. „Ich wollte das so. Ich wollte immer Tennisprofi werden, schon als kleines Kind.“ Heute ist sie es.
Dass aus der kleinen Babsi einmal eine große Tennisspielerin werden würde, war quasi vorprogrammiert. Sie wuchs in Weyer nur 300 Meter vom Tennisplatz entfernt auf. Dass sie das Spiel mit der gelben Filzkugel selbst einmal ausprobieren würde, war daher nur eine Frage der Zeit. Und es dauerte nicht allzu lange. Anfangs saß das schmächtige Mädchen nur am Schiedsrichterstuhl, wenn Vater und ältere Schwester die Bälle übers Netz jagten. „Irgendwann hat mein Papa dann gesagt, jetzt darf ich spielen. Jetzt bin ich groß genug, dass ich den Schläger halten kann“, erinnert sich Haas. Da war sie gerade einmal fünf Jahre alt. Tennis machte dem quirligen Youngster von Anfang an viel Spaß und sie blieb dabei. Wohl auch deshalb, weil ihr außergewöhnliches Talent sehr bald unübersehbar war.

Der Schritt in die Selbständigkeit

Im Jahr 2005 nahm der Amstettner Helmut Fellner die damals neunjährige Barbara unter seine Fittiche. Erste Erfolge stellten sich bald ein – zuerst bei Kreismeisterschaften, in der Folge auch bei Landes- und Staatsmeisterschaften. Trainiert wurde anfangs in Waidhofen, später in Amstetten. Weil das ständige Pendeln zwischen Weyer, Waidhofen und Amstetten im Laufe der Zeit zu mühsam und zu zeitaufwändig wurde, wechselte Haas vom Waidhofner Gymnasium in die Amstettner Sporthauptschule und übersiedelte gänzlich nach Amstetten. Alleine. Ohne Eltern. Da war sie noch keine 13 Jahre alt. „Natürlich war das ein anderer Lebensabschnitt für mich. Vorher war ich immer daheim und hab mich von der Mama verwöhnen lassen. In Amstetten hab ich selbständig sein müssen. Und das bin ich auch geworden“, sagt Haas lachend.
Sie zog damals zu den Eltern ihres Trainers, die sie vorher gar nicht kannte. „Was sie für mich getan haben, war unglaublich. Ich war eigentlich wie ein Enkelkind für sie. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar“, hat Haas nur gute Erinnerungen. Zeit für Heimweh blieb ohnehin nicht, denn der Tag war mit Schule und Training ausgefüllt und durchgeplant. „Sicher hab ich mich ab und zu ein bisschen nach zu Hause gesehnt, aber Tennis ist mein Leben, und es ging nur so. In Weyer hätte ich nicht bleiben können“, hatte Haas schon damals eine reife und vor allem professionelle Einstellung zu ihrem jetzigen Beruf. Das Verlassen des Elternhauses war für sie ja nichts Ungewöhnliches. Ihre ältere Schwester Patricia – selbst eine hervorragende Tennis­spielerin – hatte es ihr nämlich vorexerziert. Sie ging mit 13 Jahren in die Südstadt.

Ein Manager mit 13

Dass in Barbara Haas großes Talent schlummert, blieb in Tenniskreisen nicht lange unbemerkt. So fiel sie vor vier Jahren bei der österreichischen Meisterschaft in Wien dem Burgenländer
Raimund Stefanits auf. Ihm imponierte nicht nur das Talent, sondern vor allem die Persönlichkeit der jungen Dame. „Was mich an Babsi fasziniert hat, war ihr unglaublicher Ehrgeiz. Sie war extrem fokussiert – nicht nur im Match, sondern auch im Training. Und sie hat immer gewusst, was sie will. Auch schon mit zwölf Jahren“, schwärmt
Stefanits von der Spielerin, die er mittlerweile seit mehr als drei Jahren managt.Ehrgeiz und Zielstrebigkeit zählt auch Haas selbst zu ihren großen Stärken. Die sind im Leben eines Jungprofis unabdingbar, denn der Trainingsalltag eines Profisportlers ist kein Zuckerschlecken. Ist Haas in der Heimat, dann trainiert sie in Wien, wo sie nach der Trennung von Coach Helmut Fellner (Ende des Jahres 2011) ihre Zelte aufgeschlagen hat. Fünf bis sechs, manchmal auch sieben Stunden Training sind da keine Seltenheit. Schnelligkeitstraining von 9 bis 10 Uhr, danach zwei Stunden Tennistraining. Zwei Stunden Pause, dann wieder zwei Stunden Tennistraining und im Anschluss noch Krafttraining. Tagein, tagaus – fünf Tage die Woche. „Danach tu ich nur noch Abendessen, schau noch ein wenig im Internet und dann geh ich ins Bett“, bleibt während der Woche nicht viel Zeit für Freizeit oder andere Interessen.
Das nimmt Haas gerne in Kauf. Denn sie hat ein großes Ziel: Sie will in die Top Ten der Damen-Weltrangliste. Bis dahin kann aber noch viel passieren. Das weiß die 16-Jährige. Für heuer sind die Ziele auch noch andere: Top 20 in der Jugend-Weltrangliste und ein Ranking unter 500 in der Damen-Weltrangliste. Damit will sich Haas in Zukunft aber nicht begnügen. „Ich hoffe, dass ich so schnell wie möglich den Sprung nach oben, also unter die Top 100 schaffe, weil ich weiß, dass das ein langer und zäher Weg nach vorne ist. Da sind auch schon viele hängengeblieben“, schaut Haas dennoch mit Optimismus in die Zukunft.

Ein steiler Weg nach oben

Eine große Karriere traut auch Raimund
Stefanits seinem Schützling zu. „Wenn sie so weitermacht, sehe ich sie in fünf Jahren ganz sicher unter den Top 100 der Welt. Vom Potenzial her ist ihr Weg nach oben ganz offen. Das ist gar keine Frage“, streut er Haas Rosen. Eines gibt der Manager aber zu bedenken: „Das Wichtigste ist, dass Barbara verletzungsfrei bleibt. Alles andere kann man beeinflussen – etwa Training oder Turnierplanung. Die Gesundheit ist dafür aber Voraussetzung.“ Und die lässt sich leider ja nur schwer planen.

FOTO: Ingrid Vogl

Steckbrief

  • Geboren: 19. März 1996     in Steyr
  • Wohnhaft: Wien, Weyer
  • Eltern: Martina und Eduard Haas
  • Geschwister: Patricia (18) und Edi (9)
  • Trainer: Jaroslav Bulant
  • Erfolge: Bis dato herausragend sind der dritte Platz beim größten Nachwuchsturnier der Welt, der Orange Bowl in Miami, im Jahr 2010 sowie der Sieg beim NIKE Juniors Masters 2010 auf den Bahamas mit anschließendem NIKE-Werbevertrag. Als eine von nur sechs Spielerinnen auf der Tour darf Haas seither die Kollektion von Topstar Maria Sharapova tragen.

Das Projekt

Im Jahr 2009 startete Manager Raimund Stefanits mit Barbara Haas ein ganz besonderes Modell. Private Investoren zahlen sechs Jahre lang in einen Pool ein, um danach fünf Jahre lang von den Einnahmen der Spielerin zu profitieren. Ein Tennisjahr der Barbara Haas kostet derzeit zwischen 80.000 und 100.000 Euro. 60 Prozent sind durch die Investoren gedeckt, der Rest durch Sponsoren. Die Karriere von Haas in den nächsten Jahren ist bereits jetzt finanziell abgesichert.