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Alleskönnerin

Stoffe aufbauen und umwandeln, entgiften, ausscheiden: Die Leber arbeitet rund um die Uhr für unsere Gesundheit.


Die Leber (altgriechisch „Hepar“) besteht aus einem rechten und einem linken Lappen, befindet sich unterhalb des Zwerchfells und füllt den rechten Oberbauch vollständig aus. Sie liegt nahe bei anderen Organen wie Magen, Gallenblase, Bauchspeicheldrüse, Dünndarm sowie rechter Niere und Nebenniere. Foto: istockphoto

Ohne die Leber geht nichts im menschlichen Körper. Neben der Haut ist sie das größte Organ, wiegt ungefähr zwei Kilo und ist außerdem unsere größte Drüse. Sie ist für viele lebenswichtige Funktionen zuständig, erklärt Dr. Mathilde Kutilek, interimistische Leiterin der Klinischen Abteilung Innere Medizin 2 im Universitätsklinikum St. Pölten: „Die Leber ist ein multifunktionelles Organ, hat zahlreiche Aufgaben. Sie ist das zentrale Stoffwechselorgan, reguliert Zucker- Fett- und Eiweißstoffwechsel und ist die Entgiftungszentrale des Körpers. Giftstoffe werden aus dem Blut gefiltert, Schadstoffe entgiftet und anschließend ausgeschieden.“
Fast alles, was wir aufnehmen, muss durch die Leber und wird dort biochemisch umgebaut. Das wunderbare Chemie-Labor ist somit die erste Adresse für alles, was wir essen und
trinken: Alle Mahlzeiten und Getränke gelangen – in verdauter Ausführung – über die Dünndarmschleimhaut in die Pfortader und mit dem Blutstrom direkt in die Leber. In die Leber
werden jedoch auch Gifte geleitet, die über die Haut oder das Atmungssystem aufgenommen wurden. Die ununterbrochene Aufgabe der Leber ist es nun, alle Giftstoffe aus dem Blut zu filtern und unschädlich zu machen.

Ausscheiden & verdauen

Die weitere zentrale Funktion der Leber ist die Ausscheidung. Die Leber bildet die Galle, in der verschiedene die Verdauung erleichternde Substanzen, die Gallensäuren, enthalten sind.
So baut die Leber beispielsweise das Cholesterin in Gallensäuren für die Fettverdauung um, reguliert also den Cholesterinspiegel. Die Fettverdauung und damit auch die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine sind nur dann möglich, wenn die Leber ordnungsgemäß arbeitet.
Damit nicht genug, ist die Leber auch das wichtigste Immunorgan des Körpers. Leber-Krankheiten können somit ein Risiko für Infektionen darstellen. Bei derlei wichtigen Aufgaben wundert es nicht, dass Leber-Erkrankungen zu den schwerwiegendsten im menschlichen Körper zählen, da sie die zentralen Funktionen der Leber behindern oder unterbinden.
Die häufigste Leber-Erkrankung ist mittlerweile die Fettleber. Die Ursache dafür liegt meist in einem ungesunden Lebensstil, weiß Leber-Expertin Kutilek: „Durch dauernde ungesunde Ernährung wird ständig zu viel Fett und Zucker zugeführt und von der Leber eingelagert. Die Leberzellen entzünden sich dann. Die Fettleber ist mittlerweile ein weit verbreitetes Problem“, bedauert sie. „In den letzten 20 Jahren hat diese Erkrankung stark zugenommen, zu meinen Studienzeiten war das noch kein Thema.“ Die Fettleber bleibt häufig lange Zeit unentdeckt, denn sie schmerzt nicht. Doch sie ist gefährlich, denn aus einer Fettleber kann sich allmählich eine Leberzirrhose entwickeln. Hierbei wandelt sich Lebergewebe in Bindegewebe um und Leberzellen werden massiv zerstört. Die Leberzirrhose ist das Endstadium jeder chronischen Leber-Erkrankung. „Doch Sie haben es selbst in der Hand“, sagt Kutilek: „Die Fett­leber können Sie rückgängig machen, indem Sie Ihren Lebensstil umstellen – gesunde Ernährung und Bewegung in Ihrem Alltag verankern.“
Eine weitere häufige Leber-Erkrankung ist die Hepatitis, bei der sich die Leber entzündet: Je nach dem verursachenden Virus unterscheidet man Hepatitis A, B oder C.
Da die Leber fast keine Schmerzsensoren hat, spürt man nicht, wenn sie krank ist. Ein häufiges Alarmsignal bei Leber-Erkrankungen ist bleierne Müdigkeit, man fühlt sich abgeschlagen und ohne Antrieb.
Weitere mögliche Symptome sind:

  • Wasseransammlung im Bauch
  • Völlegefühl
  • Bauchglatze bei Männern: Die Behaarung am Bauch lichtet sich und verschwindet.
  • Schmerzen sind kein spezifisches Merkmal einer Leber-Schädigung, sie können aber in Form eines Ziehens im rechten Bereich des Oberbauchs auftreten.
  • Die Haut bekommt einen eindeutigen Gelbton.
  • Gefäßzeichnungen auf der Haut (rote Muttermale in Form kleiner Spinnen)
  • Der Körpergeruch verändert sich durch einen steigenden Ammoniakspiegel im Blut. Ein saurer, stechender, durchdringender Geruch tritt auf, wenn die Leber bereits sehr stark geschädigt ist.

Liegt eines dieser Symptome vor, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Dankbares Organ

Doch soweit muss es nicht kommen. Denn die Leber ist ein ungeheuer dankbares Organ, schwärmt Ärztin Kutilek: „Ihre Regenerationskraft ist beispiellos. Eine Fettleber und eine Leberzirrhose im Anfangsstadium können sich noch zurückbilden. Und die Leber wächst sogar nach: Wenn man einen Teil wegschneidet,
bilden sich wieder neue Leberzellen. In diesem Ausmaß kann das kein anderes Organ.“

Entgiften der Leber

Einigen Pflanzen wird heilende und stärkende Wirkung in Bezug auf die Leber zugeschrieben, vor allem Pflanzen, die Bitterstoffe enthalten, wie Mariendistel, Löwenzahn oder Artischocke.

Redensarten rund um die Leber

Hintergrund dieser Redensarten ist die Vorstellung der Medizin des Altertums und des Mittelalters, dass die Leber Sitz der Gefühle sei. Insbesondere der Zorn wurde hier vermutet.

„Eine Laus über die Leber gelaufen“: Hier ist es ein nichtiger Anlass – die kleine Laus –, die zu Verärgerung und Zorn führt.

„Etwas frei oder frisch von der Leber weg sagen“: Diese Redensart meint das offene, rückhaltlose und freimütige Sprechen.

„Beleidigte Leberwurst“: Die Redewendung stammt von einer Erzählung, in der es um eine Leberwurst geht, die im kochenden Wasser eines Kessels vor Wut platzt, weil der Fleischhauer alle anderen Würste, wie zum Beispiel die Blutwurst, aus dem Kessel nimmt, weil sie nicht so lange kochen dürfen. Und weil die Leberwurst allein im Kochtopf bleiben muss, ist sie beleidigt.

Universitätsklinikum St. Pölten
Propst-Führer-Straße 4 3100 St. Pölten
Tel.: 02742/9004-0
www.stpoelten.lknoe.at

Tipps für eine gesunde Leber
  

Die Ursachen für Leberprobleme liegen oft im Lebensstil. Die häufigsten Schädigungen der Leber entstehen durch fettreiche Ernährung, Alkohol und zu wenig Bewegung.
Es empfiehlt sich, folgende Nahrungsmittel häufig zu genießen:

  • Vollkornprodukte
  • Milchprodukte mit niedrigem Fettwert
  • Obst und Gemüse
  • frische Kräuter
  • Wasser, verdünnte Fruchtsäfte
  • hochwertige Pflanzenöle

Selten konsumiert werden sollten:

  • tierische Fette (Wurst, Fleisch)
  • Paniertes, Frittiertes
  • stark Zuckerhaltige Produkte wie Eistee, Cola, Limonaden, Schokolade, Mehlspeisen etc.
  • Weißmehlprodukte
  • Fastfood, Fertigprodukte
  • alkoholische Getränke

Hauptfunktionen der Leber
  

  • Bilden von Gallenflüssigkeit (ca. 600 ml pro Tag)
  • Verwerten von Aminosäuren
  • Umwandeln von Zuckermolekülen in Stärke
  • Gewinnen von Energie und Fetten       
  • Umwandeln von Fetten in Speicherfett
  • Speichern von Eiweißen
  • Speichern von Stärke und Bereitstellen von Zuckermolekülen aus Stärke
  • Speichern und Bereitstellen von Vitaminen und Spurenelementen
  • Bilden von Ausgangsprodukten (Cholesterol) für Sexualhormone
  • Entgiften körpereigener und körperfremder Substanzen (inklusive Alkohol, Schad- und Giftstoffe sowie Medikamente), sogenannte Biotransformation
  • Beteiligen an Immunfunktionen
  • Bilden von Plasmaproteinen (Gerinnungsfaktoren)
  • Speichern und Bereitstellen von Blut

Bewegung sorgt für eine gute Durchblutung der Leber und beschleunigt den Stoffwechsel. Beim Schwitzen wird der Körper zudem über die Haut entgiftet. Außerdem baut Bewegung Fett ab, die Leber erholt sich. Ideal ist ein Mix aus Ausdauer- und Krafttraining.