Allergie-Alarm
Die Pollen fliegen wieder, und Allergien sind grundsätzlich im Steigen begriffen. GESUND&LEBEN weiß, was Sie akut tun können oder sollen und welche präventiven Möglichkeiten es gibt.
Der von vielen heiß ersehnte Frühling ist für Sie kein ungetrübtes Vergnügen, denn Sie sind Allergikerin oder Allergiker? Dann sind Sie nicht allein: Mittlerweile leiden rund 20 Prozent der Menschen in den westlich-industrialisierten Ländern an Heuschnupfen und Co, wobei laut wissenschaftlichen Untersuchungen Frauen etwas häufiger betroffen sind als Männer. Experten konstatieren auch, dass vor allem Kinder und Jugendliche wesentlich häufiger als noch vor zwanzig Jahren an Allergien verschiedener Art leiden. Das hat mehrere Gründe: „Zum einen
verfügen wir heute über eine bessere Diagnostik und können auch dort, wo Betroffene die Sache früher vielleicht als heftigen Schnupfen abtaten, eindeutige Diagnosen stellen“, sagt Dr. Lukas Grafenauer, Facharzt für Lungenheilkunde im Landesklinikum Stockerau mit Praxis in Korneuburg. „Zum anderen wissen wir wegen der durch zahlreiche wissenschaftliche Studien unterstützten Hygienehypothese, dass Kinder, die in einer allzu sauberen und hygienischen Umgebung aufwachsen, ein größeres Risiko haben, Allergien zu entwickeln. Und nicht zuletzt steigt dieses Risiko auch durch den Faktor Rauchen und Passivrauchen, denn Zigarettenrauch macht die Schleimhäute auch für Allergene sensibler.“
Was tun im Akutfall?
Die Nase rinnt, die Augen tränen und Sie fühlen sich wirklich nicht gut – was tun? Wer noch nicht genau weiß, ob sich dahinter wirklich eine Allergie verbirgt, der sollte schleunigst den Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde oder den Lungenfacharzt aufsuchen, denn Allergien sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. „Im Akutstadium geht es um Notfallbehandlung mit Antihistaminika, die der allergischen Entzündung entgegenwirken, und Kortison, das ebenfalls entzündungshemmend lokal an den Schleimhäuten wirkt. Diese Präparate sollte man nach Absprache mit dem Arzt über einen längeren Zeitraum einnehmen“, erklärt Grafenauer. Er rät auch dazu, den Lungenfacharzt zu konsultieren, wenn zudem die Bronchien betroffen sind. „Hier wirken Antihistaminika nicht ausreichend, man benötigt vielleicht ein inhalatives Medikament. Auch sollte bei stärkeren, saisonal auftretenden Symptomen unbedingt die Lungenfunktion geprüft werden, um zu sehen, ob und wie stark die Atemwege verengt sind.“
Wer profitiert von Immuntherapie?
Wer durch eine exakte Testung von sich weiß, dass er Pollenallergiker ist, kann schon vor Beginn der Pollensaison eine sogenannte Immuntherapie machen. Diese wird je nach Indikation entweder per Injektion (subkutane Immuntherapie) oder sublingual (Tropfen oder Tabletten unter die Zunge) verabreicht. „Die wiederholte Gabe der Substanz, gegen die eine Allergie besteht, führt zu einer Veränderung der Immunantwort und dazu, dass das Immunsystem nicht mehr oder zumindest nicht mehr so stark auf den Allergieauslöser reagiert“, erklärt der Experte. Die exakten Wirkmechanismen der Immuntherapie sind bis dato noch nicht vollständig geklärt, aber Studien belegen, dass vor allem Patienten mit Insektengift-, Pollen- und Hausstaubmilbenallergie besonders gut darauf ansprechen.
Besonders Kinder können von einer Impfkur profitieren – weil einerseits noch keine Folgeschäden vorliegen; zum anderen verringert sich die Wahrscheinlichkeit von Folgeerkrankungen wie zum Beispiel Asthma nach Heuschnupfen. Auch soll das Risiko für die Entstehung weiterer Allergien so vermindert werden.
Ein großes Problem ist die Tatsache, dass Allergien die unangenehme Eigenschaft haben, sich weiterzuentwickeln, wenn man nichts dagegen tut. Bekanntestes Beispiel dafür ist der von vielen Betroffenen oft auf die leichte Schulter genommene Heuschnupfen: Bei einem von drei Allergikern findet ein sogenannter Etagenwechsel in Richtung Asthma statt.
Vorsicht: Kreuzallergien!
Eine andere unangenehme Angelegenheit sind die sogenannten Kreuzallergien. So hört man etwa immer häufiger, dass Menschen mit einer Pollenallergie Kreuzallergien entwickeln. Besonders häufig wird etwa auf Nüsse, Steinobst, Fisch und Meeresfrüchte kreuzreagiert, und je länger Pollen- oder andere inhalative Allergien (Hausstaubmilbe, Tierhaare) bestehen, umso häufiger kommt es zu Kreuzreaktionen auf ähnliche Moleküle in Lebensmitteln.
Und: In Sachen Nahrungsmittelallergien ist besondere Vorsicht geboten, denn es gibt nicht nur die Kreuzallergien, sondern etwa auch die echte Nahrungsmittelallergie vom Typ 1, die zum anaphylaktischen Schock führen und somit akut lebensbedrohlich sein kann. Hier hilft nur die strikte Meidung des Allergens. Zudem existiert die Histaminintoleranz – keine Allergie, sondern eine Histaminabbaustörung, bei der es bei histaminhältigen Nahrungsmitteln wie etwa Käse, Rotwein oder Paradeisern zu Symptomen wie Kopfschmerzen, Haut- oder Magen- und Darmreaktionen kommen kann.
Vielfach unterschätzt ist übrigens die „graue Maus“ unter den Allergien, die Hausstaubmilbenallergie. Dabei ist sie nach der Gräserpollenallergie die zweithäufigste und gilt oft als Ursache für asthmatische Erkrankungen. Meist wird sie aber nicht bemerkt, übergangen oder nicht ernst genommen – nur jeder zweite Milbenallergiker geht mit seinen Beschwerden zum Arzt. Typische Symptome sind morgendliche Niesanfälle und Schnupfen sowie Husten und ein Engegefühl in der Brust. Diese Beschwerden treten im Gegensatz zu denen einer Pollenallergie während des ganzen Jahres auf und erreichen im Herbst ihren Höhepunkt. Was Sie tun können, ist Ihre Matratzen und die Bettwäsche mit milbenundurchlässigen Bezügen zu überziehen und die Bettwäsche regelmäßig bei 60 Grad zu waschen. Empfohlen wird auch, die Räume und insbesondere das Schlafzimmer mit möglichst wenigen Polstermöbeln einzurichten, auf Staubfänger wie Kissen oder Plüschtiere zu verzichten, Teppiche und Vorhänge zu entfernen und täglich zu lüften.
Tipps für die Pollensaison
Ein Wort noch zur jetzigen Pollensaison: Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man, um sich zu schützen, nach dem Vermeidungsprinzip arbeiten, etwa auch bei der Urlaubsplanung belastete Gebiete zu bestimmten Zeiten meiden. Wenn die Pollen daheim fliegen, so ist es ratsam, sich nicht allzu viel im Freien aufzuhalten, und man sollte dort vor allem anstrengende Tätigkeiten sein
lassen. Beim Autofahren sollte man die Fenster geschlossen halten und die Lüftung ausschalten. Und: Auch Pollenfilter erweisen sich als recht
probat.
Trotzdem bleibt eines sicher: Eine Allergie ist etwas wirklich Unangenehmes, aber, erklärt Experte Grafenauer: „Es gibt für jeden Menschen mit allergischen Beschwerden eine gute Behandlungsmöglichkeit. Wichtig ist, rechtzeitig den Facharzt oder ein spezialisiertes Institut aufzusuchen. Dort wird man eine adäquate Therapie finden, die neue Lebensqualität schenkt.“





