< vorhergehender Beitrag

Rund um die Uhr

Für alte oder kranke Menschen ist es oft nicht möglich, ihren Alltag alleine zu meistern. Wenn sie sich gegen ein Heim entscheiden, können Personenbetreuer 24 Stunden am Tag unterstützend zur Seite stehen.


Darina Lovaszova ist ausgebildete Krankenschwester und arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Personenbetreuerin. FOTO: Philipp Monihart

Darina Lovaszova hat zwei Leben. Sie ist 62 Jahre alt und in Pension. In ihrer ersten Heimat Nové Zámky in der Slowakei hat sie ein Haus mit einem schönen Garten und einem Swimmingpool. Sie reist gerne, macht gerne Sport und sagt von sich, dass sie sich zu Hause nach 32 anstrengenden Jahren als Krankenschwester und Röntgenassistentin nur mehr entspannen möchte. Eine Putzfrau sorgt dafür, dass das Haus stets sauber ist. Sie verbringt dort allerdings nur die Hälfte ihrer Lebenszeit. Denn nach zwei Wochen packt sie wieder ihre Koffer und fährt in ihre zweite Heimat – Wien. Dort lebt sie in einer schicken Wohnung im ersten Bezirk mit einem 93-Jährigen Mann zusammen, für den sie putzt, kocht, Einkäufe erledigt und dem sie Gesellschaft leistet. Darina Lovaszova ist Personenbetreuerin. Mit einer Kollegin, die ebenfalls aus der Slowakei kommt, wechselt sie sich ab. Beide bleiben jeweils zwei Wochen am Stück bei ihrem Klienten und sind 24 Stunden am Tag für ihn da. Eine gängige Regelung. „Zwei Stunden pro Tag sind Freizeit“, erklärt Lovaszova, „doch in der Praxis lässt sich das oft nicht zu hundert Prozent trennen.“

Gesellschaft leisten

Seit neun Jahren ist sie bereits für die Familie tätig. Zu Beginn musste die Frau ihres Klienten betreut werden. „Sie war schwer krank und hat mich bei jeder Bewegung gebraucht“, erzählt sie. Auch beim Einnehmen der Medizin und bei der Körperhygiene helfen Personenbetreuer mit. „Als sie dann nach vier Jahren verstarb, fragte mich ihr Ehemann, ob ich nicht weiterarbeiten möchte“, erzählt Lovaszova, „es ging ihm zwar noch relativ gut, aber in seinem Alter kann sich das jederzeit ändern.“ So pendelt die selbstständige Unternehmerin nach wie vor im Zwei-Wochen-Rhythmus nach Wien. Ein großer Teil ihrer Arbeit ist nun, ihrem Klienten Gesellschaft zu leisten. Neben dem Kochen, Putzen und Einkaufen stehen gemeinsame Spaziergänge, Besuche bei Freunden und auch Theaterbesuche an. Die Betreuerin meint: „Er möchte einfach nicht alleine sein. Falls etwas passiert, bin ich da und kann helfen. Wenn es ihm dann schlechter geht, kann ich mich intensiver um ihn kümmern. Zurzeit tun wir aber alles dafür, dass es noch lange nicht so weit kommt.“

Ausbildung

Die Personenbetreuung ist ein freies Gewerbe, für das man keine gesetzliche Ausbildung benötigt. Verschiedene Organisationen bieten allerdings Lehrgänge an, die für viele Vermittlungsagenturen eine Voraussetzung für die Zusammenarbeit mit den Betreuern darstellen. Da viele Betreuer aus Osteuropa kommen, werden die Ausbildungen bereits in diesen Ländern absolviert. Als ehemalige Krankenschwester benötigte Darina Lovaszova keine weiteren Kurse, kennt aber Kolleginnen, die in der Slowakei eine sechswöchige Ausbildung mit anschließendem Praktikum in einem Krankenhaus gemacht haben. Diese Lehrgänge werden von anerkannten Organisationen angeboten und entsprechen in Umfang und Leistung der Qualifikation einer österreichischen Heimhilfe. Sie sind auch deshalb sinnvoll, weil Personenbetreuer in Einzelfällen Verbände wechseln, Insulininjektionen verabreichen oder Blutentnahmen zur Messung des Blutzuckerspiegels durchführen. Allerdings muss dafür eine schriftliche ärztliche Anordnung mit Anleitung und Unterweisung vorliegen. Außerdem haben die Personenbetreuer jederzeit das Recht, solche Tätigkeiten abzulehnen.

Abwechslung

Lovaszova mag ihren Beruf. In einem Büro zu arbeiten und jeden Tag das Gleiche zu tun, das konnte sie sich nie vorstellen, wie sie sagt: „Ich wollte immer neue Menschen treffen und fand es jedes Mal spannend, zu einem neuen Klienten zu kommen.“ Mit ihrem aktuellen Auftraggeber versteht sie sich sehr gut. „Ich muss nicht immer allem zustimmen. Wir sind gleichberechtigt und ich kann meine Wünsche jederzeit äußern“, sagt sie. Von früheren Klienten weiß Lovaszova, dass das nicht selbstverständlich ist: „Ich hatte sehr viel Glück, dass ich hierher gekommen bin.“

Kosten

Personen, die eine Betreuung brauchen, leben nicht immer alleine. Oft werden Personenbetreuer in einem Familienverband eingesetzt. Berufstätige Angehörige haben meistens nicht die Zeit, um eine 24-stündige Betreuung zu gewährleisten. Für die Klienten sind die Kosten für eine solche Betreuung nicht unerheblich. In der Regel kommen Tageskosten zwischen 50 und 60 Euro auf sie zu, wobei hier Kost, Unterkunft und Transport für die Betreuer noch nicht mit einberechnet sind.
Ab Pflegestufe 3 kann um eine staatliche Förderung angesucht werden, wenn die pflegebedürftige Person monatlich weniger als 2.500 Euro netto verdient. Es werden je Betreuer 275 Euro pro Monat, also 550 Euro für zwei selbstständige Betreuer ausbezahlt, die sich abwechseln. Wichtig ist, die Förderung zu Beginn des Betreuungsverhältnisses zu beantragen.

Informationen
Personenberatung und Personenbetreuung, Fachverband Wirtschaftskammer Österreich,
Tel.: 05/909003270, fv-pb(at)wko.at, www.wko.at

Tipps vom Fachmann

Dr. Gerhard Weinbörmair, Obmann der Fachgruppe der Personenberatung und Personenbetreuung in der Wirtschaftskammer NÖ

Worauf sollen Angehörige achten, die sich an eine Agentur zur Vermittlung einer 24-Stunden-Betreuung wenden?
Von den Agenturen müssen die Preise für die Leistungen detailliert und ohne versteckte Nebenkosten bekannt gegeben werden.
Der Betreuungsbedarf und die Betreuungssituation müssen vor Ort erhoben werden.

Was unternimmt die Wirtschaftskammer zur Sicherung der Qualität der Vermittlung?
Die Wirtschaftskammer entwickelt Standes­regeln und schafft ein Qualitätssiegel.

Nachgefragt

Robert Pozdena, Berufszweigsprecher Personenbetreuung

Wie können Betroffene oder Angehörige erkennen, ob die Betreuungsperson, die ihr von einer Agentur vermittelt wird, ihre Arbeit gut macht?
Seriöse Vermittlungsagenturen bieten ein Qualitätsmanagement an, bei dem fachlich versiertes Pflegepersonal in regelmäßigen Abständen die Dienste der Personenbetreuer kontrolliert und im Bedarfsfall entsprechende Handlungsanleitungen bietet.

Was tun Agenturen, um die Qualität der Betreuung sicherzustellen?
Sie treffen eine seriöse und professionelle Vorauswahl der Personenbetreuer. Das Überprüfen von Qualifikationszertifikaten, der Deutschkenntnisse, die Betreuungserfahrungen sowie etwaiges Einholen von Referenzen zeichnet eine gute Vermittlungsagentur aus.