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„Ohne Musik kann man nicht leben!“

Der Musiker Mamadou Diabate wuchs in Burkina Faso auf. Seit elf Jahren lebt er in Niederösterreich und Wien, gibt Konzerte auf der ganzen Welt und hat mit seiner Musik eine Schule in Afrika gebaut.


Mamadou Diabate hat es geschafft, mit seiner Musik eine Schule in Burkina Faso zu finanzieren. Das Wichtigste für ihn ist Bildung, und die möchte er möglichst vielen Kindern ermöglichen.

Ein bisschen erinnert seine Geschichte an die des Michael Jackson – mit fünf Jahren begann er Musik zu machen – mit dem xylofonartigen Instrument Balafon – und sein Vater Peneque Diabate war sein erster Lehrer. Papa Diabate zählte zu den besten Balafon-Spielern der westafrikanischen Sambla-Region.

Mit acht Jahren stand Mamadou mit seinen Brüdern und seinem Vater regelmäßig auf der Bühne und nahm an Wettbewerben teil. Er spielte oft auf Hochzeiten und anderen Festivitäten, war immer unterwegs, immer mitten drin: „Das war lustig und anstrengend zugleich, wir spielten oft drei Tage und Nächte durch, ohne Pause, das ist Hochleistungssport“, erzählt Mamadou Diabate, der eine Kondition wie ein Marathonläufer haben muss. Heute noch übt er täglich bis zu sechs Stunden und gibt am Abend Konzerte. An Essen und Trinken war bei solchen „Gigs“ nicht zu denken. Trinken? „Ja, mit einer Hand, mit der anderen machten wir weiter Musik.“ Aber er ist sehr stolz auf seine Wurzeln. Sein einziger Wunsch war immer nur, Musiker zu werden: „Ohne Musik kann man nicht leben, ich lebe für die Musik und ich lebe von der Musik“, sagt er.
Diabate kommt aus einer typisch afrikanischen Musikerfamilie, deren Geschichte bis auf das 13. Jahrhundert zurückgeht – Musik machen und „Story telling“ waren Lebensinhalt und Aufgabe der Diabates, deren Name verpflichtet, bedeutet er doch so viel wie unwiderstehlich, unaufhaltsam – irresistible eben. Und das ist Mamadou Diabate mit Sicherheit, er geht unaufhaltsam seinen Weg: In Burkina Faso aufgewachsen, von morgens bis abends von Musik umhüllt, kam er in den 90er-Jahren erstmals nach Europa. Er war mit seiner Band auf Tournee und lernte zuerst Belgien kennen.

„Mein größter Traum war, eine Schule zu bauen“

Im Jahr 2000 kam er dann nach Österreich, wollte eigentlich nur drei Monate bleiben – und begann dann, sich hier ein völlig neues Leben aufzubauen. Schwierig war für ihn vor allem, die Sprache zu erlernen. „Meine Sprache ist bis heute nicht ganz sauber“, weiß Diabate selbstkritisch. Erschwerend kam dazu, dass er zwar mit fünf Jahren das Musikmachen lernte, aber mit 15 Jahren immer noch nicht schreiben und lesen konnte. Aber da kommt ihm wieder sein Name zu Hilfe: unaufhaltsam – irresistible eben!
Heute sind Schreiben und Lesen kein Problem mehr für ihn. In Österreich hatte er einen Förderer, der Diabate die Schule in Burkina Faso zahlte, „mit Putzen und Kellnerieren habe ich die Schule dann abbezahlt.“ Dann besuchte er seinen Förderer in Wien, begann Deutsch zu lernen, fasste in Niederösterreich und Wien Fuß und begann ein völlig neues Leben, so anders als in Burkina Faso – wo er drei Frauen hätte, unzählige Kinder, und mit durchschnittlich 47 sterben würde.

Diabate möchte seine Dankbarkeit zeigen und einen Beitrag leisten: afrikanischen Kindern die Möglichkeit geben, Lesen und Schreiben schon in Kindertagen zu lernen: „Mein größter Traum war, eine Schule zu bauen.“ Und so investierte er ab 2002 einen großen Teil seiner Gagen in das Projekt „Schule in Afrika“: 38.000 Euro kostete der Ankauf eines Grundstücks und der Bau sowie die Ausstattung des Schulgebäudes in Bobo Dioulasso, Burkina Faso. Mit 1.030 Euro pro Monat schlägt sich der Erhalt der Schule (inklusive Hausmeister, Lehrer und Wasser) zu Buche, und die Schule steht seit dem Herbst: „Die Kinder sitzen schon drinnen, lernen und singen“, freut sich Diabate, der ihnen die Chance gibt, einen besseren Start ins Leben zu haben. Diabates Schule ist im Gegensatz zu den sonstigen Schulen in Burkina Faso gratis, die Schüler bekommen jeden Tag eine warme Mahlzeit und sind unfallversichert. Und Diabates Schule hat kleinere Klassen: mit 75 Kindern (!) und „das ist wenig, weil in einer normalen Schulklasse in Burkina Faso sitzen für gewöhnlich mehr als 120 Kinder.“

1.030 Euro für den Erhalt einer ganzen Schule ist nicht viel, aber auf Diabate lastet trotzdem die ganze Verantwortung, hat er doch selbst seit kurzem eine eigene Familie zu erhalten. Aber er lässt nicht locker, möchte die Schule weiter ausbauen: „Nicht jeder bekommt so eine Chance, das zu tun, was ich tun kann, ich muss zufrieden und dankbar sein.“
Heute ist sein Sohn neun Monate alt und „er singt schon, aber keiner versteht seine Sprache“, strahlt der glückliche Vater. Ist es für ihn schwierig in Österreich? Ist es schwierig, sich hier zu integrieren? Das war für ihn in den elf Jahren nie ein Problem, sagt er, „das ist eine Frage, wie man sich gibt.“ Von der Polizei wurde er nie speziell kontrolliert außer bei einer normalen Straßenkontrolle, „man muss akzeptieren, dass die Polizei ihre Arbeit zu tun hat, Aggression erzeugt Aggression, das ist nun mal so. Es gibt kein Land auf der Welt, wo es keine Ausländerprobleme gibt“, ist Diabate überzeugt, „Rassismus gibt es auch in Burkina Faso.“

Diabate begegnet der Welt immer mit einem Lächeln, und dieser positiven Ausstrahlung ist nur schwer etwas Negatives entgegenzusetzen, dieser authentischen Fröhlichkeit kann man sich kaum entziehen. Traurig ist er nur, wenn „ich Sorgen mit meiner Schule habe“, wenn er zu grübeln beginnt, was einmal in 20 Jahren ist, wer sein Projekt dann weiterführt und erhält. Deshalb hat er auch einen Verein gegründet, wo man über den Mitgliedsbeitrag Diabates Schule in Burkina Faso unterstützen kann.

„In Afrika sind immer 50 Leute um mich“

Einmal im Jahr fährt er in seine Heimat Burkina Faso, dort tankt er dann Energie. Aber nach zwei Wochen sind seine Akkus voll, dann zieht es ihn schon wieder zurück nach Österreich: „In Afrika sind immer Minimum 50 Leute um mich, man hat nie seine Ruhe.“
Und die braucht der Musiker, dann sehnt er sich nach seiner Wohnung, wo er die Türe hinter sich zumachen kann und alleine ist. Dann denkt er an seine Schule in Afrika, die den Namen Sababu trägt, was so viel wie Chance heißt. Und zitiert
Nelson Mandela, der einmal sagte: „Bildung ist die stärkste Waffe, mit der wir die Welt verändern können.“

Sandra Sagmeister
Fotos: ROLAND VORABERGER

Konzerte

  • 4. Juni: Haag, Kulturbauernhof Böllerbauer, Benefizkonzert für ZARA with Percussion Mania 
  • 7. Juni: Schallaburg, Festival „Fabelhaft“, Solobalafon
  • 8. Juni: Mistelbach, Festival „Fabelhaft“, Solobalafon
  • 11. Juni: St. Pölten, Festival „Fabelhaft“, Solobalafon
  • 12. Juni: Bad Schönau, Festival „Fabelhaft“, Solobalafon

www.mamadoudiabate.com

Der Förderverein Sababu (Chance) für Chancengleichheit und Förderung des interkulturellen Dialogs ist für die Schule in Bobo Dioulasso zuständig. Man kann spenden oder für je 8 Euro im Monat eine Patenschaft für die Schulbildung eines Kindes übernehmen.

Informationen:
sababu.mamadoudiabate.com
projekt_sababu(at)hotmail.com

Spendenkonto:
745 09500 000,
Bankleitzahl 46590