Los geht's! Jeder Schritt tut gut
Die Motivations-Kampagne für mehr Alltagsbewegung zieht immer weitere Kreise. Warum Bewegung so wichtig ist und was „Gesunde Gemeinden“ zur Motivation tun können, lesen Sie hier.
Seit einigen Wochen tragen immer mehr Menschen in Niederösterreich Schrittzähler. Die Kampagne „Los geht’s!“ trifft scheinbar bei vielen den Nerv:
Alltagsbewegung, um gesund zu bleiben, kommt gut an. Denn „jede Bewegung ist besser als keine Bewegung“, erklärt Sportwissenschafterin Mag.
Alexandra Fuchs von der Initiative „Gesundes Niederösterreich: Tut gut!“ im Interview.
G+L: Was bringt regelmäßiges Gehen für die Gesundheit?
Fuchs: Eine Hausfrau mit kleinem Kind legt 13.000 Schritte pro Tag zurück - Büroangestellte dagegen nur 3.000 Schritte. Laut NÖ Gesundheitsbericht bewegen sich ganze 58 Prozent der Landsleute wenig, nur 18 Prozent bezeichnen sich selbst als sportlich inaktiv – ernüchternde Zahlen. Jede Bewegung ist besser als keine Bewegung. Denn Bewegung zählt zu den besten Schutzfaktoren für unsere Gesundheit. Sie stärkt das Herz-Kreislauf-System und hilft, sich gesund und fit zu fühlen. Gehen ist die natürlichste Fortbewegungsart des Menschen, ist einfach in den Alltag zu integrieren und meist bis ins hohe Alter möglich. Die gesundheitlichen Auswirkungen durch regelmäßiges Gehen sind enorm, nachweislich werden der BMI (Body-Mass-Index) und der Blutdruck positiv beeinflusst.
G+L: Niederösterreich setzt mit der Kampagne „Los geht’s“ einen neuen Schritt in der Gesundheitsvorsorge. Was ist der Kern des Projekts?
Fuchs: Menschen zu einem „bewegten“ Alltag zu motivieren und dabei zu unterstützen, langfristig 10.000 Schritte pro Tag zu gehen. Unter www.gesundesnoe.at kann jeder die tägliche Schrittzahl in ein Online-Schrittetagebuch eintragen und die persönliche Entwicklung beobachten, sowie eine virtuelle Reise starten. Oder man trägt die Schrittezahl regelmäßig in seine Broschüre ein. An vielen Orten sehen Sie Aufkleber und Plakate, die beispielsweise auf den Gebrauch der Stufen statt des Fahrstuhls hinweisen, oder auffällige Bodenmarkierungen in Fußform.
G+L: Wie kann man die 10.000 Schritte längerfristig erreichen?
Fuchs: Auch wenn man anfangs pro Tag nicht mehr als 3.000 Schritte schafft, ist das kein Problem. Das erste Ziel sollte sein, diese Schrittanzahl pro Woche um zehn Prozent zu steigern, bis man bei 10.000 Schritten pro Tag oder 70.000 Schritten pro Woche angelangt ist. Versuchen Sie ganz nach dem Motto „wenig hilft viel“ Ihren Alltag als Ihr persönliches Fitnesscenter zu sehen. Benutzen Sie die Stiegen statt den Lift, gehen Sie zu Fuß, statt mit dem Auto zu fahren, und nützen Sie jede Gelegenheit, um sich zu strecken und zu recken. Unterbrechen Sie langes Stehen oder Sitzen durch zehnminütige Bewegungsphasen. Alleine sechs solcher „Bewegungspausen“ machen in Summe eine Stunde Bewegung am Tag. Entdecken Sie mit diesen kleinen Veränderungen den Spaß an der Bewegung wieder. Stellen Sie sich bequeme Schuhe bereit, und schon kann ein bewegungsfreudiger Alltag beginnen.
G+L: Welche Ideen können noch motivieren?
Fuchs: Suchen Sie sich Gleichgesinnte und tragen Sie Ihre Bewegungs- und Trainingseinheiten als wichtigen Termin in Ihren Kalender ein. Wählen Sie eine oder mehrere Sportarten, die Ihnen langfristig Spaß machen und die ohne großen Aufwand möglich sind. Fallen Sie nicht Ihrem Ehrgeiz zum Opfer, niemand erwartet sportliche Hochleistungen von Ihnen. Hören Sie auf Ihren Körper. Dazu gehört auch, zur richtigen Zeit eine Pause zu machen oder – wenn man an seine Grenzen stößt – aufzuhören. Mit dem Rad fahren, einkaufen gehen, mit dem Hund – auch wenn es nur der eigene Schweinehund ist – spazieren gehen, mit Kindern spielen oder im Garten arbeiten sind Chancen, einem bewegten Alltag näherzukommen.
G+L: Der Schrittzähler als ständiger Begleiter und das Führen eines Schrittetagebuches – wie sinnvoll ist beides?
Fuchs: Beides sind gute Motivationshilfen, die Menschen dabei unterstützen können, mehr zu Fuß zu gehen. Studien haben gezeigt, dass sie am besten bei Personen wirken, die sich nur wenig bewegen, aber sehr motiviert sind, den eigenen Lebensstil zu ändern. Die Methoden können die Gehzeit um durchschnittlich 30 bis 60 Minuten pro Woche steigern. Schon eine halbe Stunde zusätzliche Aktivität kann für Menschen, die sich zu wenig bewegen, einen wichtigen Fortschritt und eine gesundheitliche Verbesserung bedeuten.
G+L: Was tun, wenn man 10.000 Schritte erreicht hat?
Fuchs: Gut für die Gesundheit wäre, die Anzahl der Schritte zwei- bis dreimal pro Woche auf 15.000 bis 16.000 zu erhöhen oder zweieinhalb Stunden pro Woche Bewegung mit mittlerer Intensität zu machen. Damit sind körperliche Aktivitäten gemeint, bei denen große Muskelgruppen beteiligt sind und währenddessen noch gesprochen werden kann. Neben einem Herz-Kreislauf-Training wäre es ideal, wenn man zusätzlich zweimal pro Woche Krafttraining absolviert, gepaart mit Koordinationsübungen und einem Beweglichkeitstraining.
G+L: Was bringt Krafttraining?
Fuchs: Unsere Muskulatur ist das größte Stoffwechselorgan, der Ort, in dem Fett zu Energie und Wärme umgewandelt wird. Durch ein regelmäßiges Training wird die Muskelmasse erhöht und damit auch der Energieverbrauch in Ruhe erhöht, also wenn Sie sitzen, liegen oder schlafen. Wenn Sie mehr wollen, und beispielsweise schon ein bisschen walken, laufen oder Tennis spielen, betreiben Sie Ihre Sportart regelmäßig, geplant und systematisch.
G+L: Wie wichtig sind Ziele zum Dranbleiben?
Fuchs: Hinter jedem erfolgreichen Training steckt ein Ziel. Sich richtige Ziele zu stecken ist dabei die Kunst, denn zu hochgesteckte Ziele frustrieren und man gibt leicht wieder auf. Richtige und vor allem realistisch gesetzte Ziele steigern die Motivation. Das bedeutet in der Praxis, sich Ziele klar zu formulieren. Zum Beispiel: „Heute walke ich 5 km, ohne stehen zu bleiben“ oder „In dieser Woche möchte ich auf 3 Gesamttrainingsstunden kommen.“ Wichtig ist: Wenn man schon längere Zeit nicht trainiert hat beziehungsweise über 35 Jahre alt ist, sich grünes Licht vom Arzt zu holen und dann das Training unter trainingswissenschaftlichen Prinzipien absolviert – wie nach dem Prinzip einer wirksamen und wiederkehrenden Belastung und auch der optimalen Relation von Belastung und Erholung.
„Los geht’s“-Gehwege in „Gesunden Gemeinden“
„Gesunde Gemeinden“ können im Rahmen der „Los geht’s“-Kampagne eigene „Los geht’s!“-Gehwege anlegen und dafür eine kostenlose Beschilderung erhalten. Derartige Wege motivieren die Einwohner, die persönliche Schrittebilanz zu verbessern.
Die Kriterien:
- Spazierweg, einfach zu bewältigen, gut befestigt
- Rundweg
- zentrale Lage (z. B. ab Gemeindeamt, am Pfarrplatz)
- zwischen 1.000 und 10.000 Schritte lang (0,8 bis 8 km)
Beispiel: Der „Los geht’s!“-Gehweg in der Gemeinde ist 1,6 km lang und startet direkt beim Gemeindeamt. Die Gemeindebediensteten wissen, wenn sie in der Mittagspause ihr Schrittekonto auffüllen möchten und diesen Weg nützen, können sie zusätzliche 2.000 Schritte verbuchen und benötigen dafür etwa 20 Minuten.
Welche Unterstützung gibt es?
- 1 Einstiegstafel (kostenlos)
- 10 Richtungspfeile (kostenlos)
Alternative: „Gesunde Gemeinden“, die bereits Wanderwege angelegt haben, können Spezialsticker mit einer motivierenden Botschaft bestellen und ihre vorhandenen Wanderwege somit in die Kampagne miteinbeziehen.
Informationen: Mag. Alexandra Lengauer-Strasser, Tel.: 02742/90610-764.
Wichtiger Hinweis: Für dieses Angebot steht ein begrenztes Kontingent zur Verfügung.
Wanderwege gibt es in
- Bad Pirawarth
- Bad Traunstein
- Baden
- Brunn an der Wild
- Ernsthofen
- Gerolding
- Großriedenthal
- Harbach
- Hochbärneck
- Hochkogelberg
- Kirchberg/Pielach
- Krummnußbaum
- Lichtenegg
- Maria Schnee
- Maria Laach
- Markt Piesting
- Mönichkirchen/Wechsel
- Puchberg
- Pulkau
- Raabs
- Rabenstein an der Pielach
- Rax
- Schrems
- St.Veit/Gölsen
- Texingtal
- Waidhofen/Ybbs





