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Interkulturell kochen

Des Projekt Elongó hilft Flüchtlingsfamilien, sich im Alltag in Österreich zurechtzufinden.


Wovon sollte man täglich wie viel essen? Sandra Pummer, BSc, und Christa Rameder, MA, von der Initiative »Tut gut!« veranschaulichen dies anhand der Ernährungspyramide.

Velibah mit Käse (gefüllte Teigtaschen mit Mozzarella und Hirtenkäse), Plov (Reis mit Fleisch), Teigtaschen mit Hühnerfleisch, vegetarischer Reis mit Zitrone und Karotte – so gut schmeckt Kaukasien. Die krisengeschüttelte Region in Zentralasien stand im Mittelpunkt eines interkulturellen Kochabends in der Diakonie Flüchtlingsdienst. Zubereitet wurden die Speisen von zwei Frauen aus Tschetschenien und Kasachstan, die in Österreich ihre zweite Heimat gefunden haben. Gekocht haben sie für Menschen, die ebenfalls ihr Zuhause verlassen mussten – wegen Krieg, Verfolgung, Hunger oder Naturkatastrophen. Die Gruppe war bunt zusammengewürfelt, einige kamen aus Tschetschenien, Kasachstan, dem Iran oder aus Afghanistan, Kongo, Syrien und Moldawien. Die verschiedenen Kulturen saßen an diesem Abend zusammen, lernten sich kennen, aßen gemeinsam und tauschten Erfahrungen aus. Organisiert hat diesen interkulturellen Kochabend das Integrations- und Bildungszentrum St. Pölten (siehe Kunten), die Initiative »Tut gut!« war für den gesundheitlichen Aspekt zuständig. Schließlich ging es auch darum, die Teilnehmenden auf mögliche Fett- und Zuckerfallen hinzuweisen. Jeder sollte sich gesund und ausgewogen ernähren, egal woher er kommt.

Hilfe beim Integrieren

Der Kochabend ist Teil des Projekts Elongó (bedeutet auf Lingala, einer zentralafrikanischen Sprache, „gemeinsam, zusammen“). Und das Gemeinsame steht bei diesem Projekt des Integrations- und Bildungszentrums im Mittelpunkt. Ehrenamtliche „Buddies“ treffen über einen vereinbarten Zeitraum regel­mäßig anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte und unterstützen diese, sich in Österreich zu orientieren, die neue Sprache zu üben und Kontakte zu knüpfen. Gemeinsam wird gekocht, Aufgaben mit den Kindern gemacht, ein Ausflug unternommen oder einfach eine Tasse Tee getrunken. Aktuell sind 21 Buddies im Einsatz, weitere werden gesucht. Buddies sind eine wichtige Stütze im Alltag der Flüchtlingsfamilien und helfen ihnen, sich zu integrieren. Der kaukasische Kochabend war ein voller Erfolg, Menschen haben einander kennengelernt und Erfahrungen ausgetauscht. Und geschmeckt hat’s auch, keine Teigtasche blieb übrig. Sich über die Kulinarik kennenzulernen und zu vernetzen, scheint ein guter Weg zu sein. Der nächste interkulturelle Kochabend am 19. Jänner 2015 widmet sich der österreichischen Küche. Weitere sind bereits geplant, dann stehen afrikanische, kurdische und arabische Spezialitäten am Speiseplan.

Integrations- und Bildungszentrum St. Pölten

Das IBZ St. Pölten richtet sich an anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte, die im Einzugsgebiet NÖ West ansässig sind. Angeboten werden Sprachkurse, Integrationsberatung, das Ehrenamtlichenprojekt Elongó, interkulturelle Frauencafés und vieles mehr. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Inneres, Europäischen Flüchtlingsfonds, Land Niederösterreich und Arbeitsmarktservice Niederösterreich.
Informationen: Tel.: 02742/71473, www.fluechtlingsdienst.diakonie.at