Gesundheit fördern am Arbeitsplatz
Betriebliche Gesundheitsförderung ist ein wirksames Mittel, um zufriedene und gesunde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu haben. 33 NÖ Betriebe wurden jetzt von der NÖ Gebietskrankenkasse für ihre Initiativen ausgezeichnet.
Obstkorb am Besprechungstisch – ist das schon Gesundheitsförderung? Nicht schlecht, aber natürlich nur ein kleiner Aspekt, würden die Profis sagen. Wir verbringen einen großen Teil unserer Lebenszeit am Arbeitsplatz, deshalb lohnt es sich, wenn Betriebe sich um das Thema gesunde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern. Seit 20 Jahren ist betriebliche Gesundheitsförderung ein Thema, das langsam in das Bewusstsein der Verantwortlichen gelangt. Doch was ist gute Gesundheitsförderung? Die Antworten auf diese Frage sind so vielfältig wie die Tätigkeiten in den Betrieben. Unfall-Vorsorge gehört ebenso dazu wie der Obstkorb in der Teeküche oder auf dem Besprechungstisch. Doch das Spektrum der möglichen Maßnahmen geht noch viel weiter. Und reicht von Bewegungsinitiativen bis hin zur gesundheitsfördernden Kommunikation zum Beispiel in Form von Jahresgesprächen zwischen den jeweiligen Vorgesetzten und ihren Mitarbeitern.
Qualität sichern
Möglichkeiten gibt es viele. Doch was wirkt wirklich? Darum kümmert sich das seit 1996 bestehende Euroepäische Netzwerk Betriebliche Gesundheitsförderung. Um die Strategie betrieblicher Gesundheitsförderung auch regional zu verbreiten, wurde im Jahr 2000 das „Österreichische Netzwerk Betriebliche Gesundheitsförderung“ gegründet. Regionalstellen in allen Bundesländern und die Sozialpartner haben sich zur Aufgabe gemacht, gemeinsame Angebote zu entwickeln und den Betrieben in ihren Bundesländern konkrete Unterstützung anzubieten.
In Niederösterreich kümmert sich die NÖ Gebietskrankenkasse (NÖGKK) seit zehn Jahren darum. Denn Gesundheit, Motivation und Wohlbefinden am Arbeitsplatz, gepaart mit erhöhter Produktivität und weniger Kosten – das alles macht betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) möglich.
Wirkungsvolle Werkzeuge sind strukturierte Angebote zur Unterstützung der Betriebe – ob mit fünf oder tausend Mitarbeitern. Ausdruck gelungener und konsequent betriebener Projekte sind die BGF-Gütesiegel, die heuer bereits 33 Betriebe bekamen – sie gelten jeweils für drei Jahre. Die NÖGKK verleiht diese Gütesiegel seit 2005, insgesamt 74 Firmen haben diese Auszeichnung in den letzten Jahren erhalten.
Im Vorjahr lag ein Schwerpunkt auf dem Programm „Gesundes Führen“ für Klein- und Kleinstbetriebe. Dabei geht es zuerst um die Gesundheit der Führungskräfte selbst, die dann meist das Gelernte rasch an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitergeben. Im Mittelpunkt stehen strukturierte Mitarbeitergespräche in Form von „gesunden Dialogen“. Die Ergebnisse werden anschließend ausgewertet und Maßnahmen erarbeitet, der ganze Prozess von Expertinnen und Experten der BGF begleitet.
Ziele für die Führungskräfte sind unter anderem Stabilisierung und Verbesserung von Gesundheit, Wohlbefinden und Arbeitsfähigkeit, eine bessere Work-Life-Balance, ein geringeres Burnout-Risiko und ein gesünderer Lebensstil. Ziele für die Beschäftigten sind ebenfalls eine stabile Gesundheit und Arbeitsfähigkeit, bessere Führung durch die Vorgesetzten sowie ganz allgemein eine bessere Kommunikation zwischen den Ebenen. Dass wertschätzende Dialoge nicht nur gut für die Gesundheit sind, sondern oft auch Arbeitsabläufe verbessern und effizienter machen, haben viele der teilnehmenden Unternehmen gesehen.
Rahmenbedingungen schaffen
Dass es sich lohnt, in betriebliche Gesundheitsförderung zu investieren, belegen die jüngsten Evaluierungen der NÖGKK. Obmann KR
Gerhard Hutter weiß: „Die nachhaltigen Effekte zeigen sich sowohl auf der Individual- als auch auf der Unternehmensebene. 98 Prozent der Belegschaft in den BGF-Unternehmen bestätigen, dass es zu einer Verbesserung der Arbeitssituation gekommen ist. Gesundheit, Mitarbeiterzufriedenheit und Teamkultur werden wesentlich besser bewertet als in Betrieben ohne BGF-Historie. Ebenso profitiert das gesamte
Gesundheitswesen, denn Gesundheitsförderung auf lange Sicht ist die beste Möglichkeit, Krankheitskosten so gering als möglich zu halten.“
Gesundheitsminister Alois Stöger betont: „Es ist wichtig, die Gesundheit der Menschen in all ihren Lebenslagen zu stärken. Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, um nicht nur das Verhalten des Einzelnen positiv zu verändern, sondern die gesamten Verhältnisse zu verbessern. Der Arbeitsplatz spielt dabei eine zentrale Rolle – immerhin verbringen wir rund ein Drittel der Lebenszeit in der Arbeit. Ich gratuliere jedem Unternehmen, das mit Programmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung einen Beitrag leistet, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein längeres Leben bei guter Gesundheit führen können. Davon profitieren schließlich alle – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Betriebe und die ganze Gesellschaft.“
Ausgezeichnet!
Folgende Unternehmen erhielten das BGF-Güte-siegel zum ersten Mal:
- Audio Exklusiv GmbH
- hair design christine
- Hotel zum Brüdertor
- Spar Markt Blahuschek GmbH
- Hair by Kathi – einzighaarig
- PARGA Park- und Gartentechnik GmbH
- Josef GmbH
- König Sonnenschutz GmbH
- Fossek OG
- Österreichische Bundesforste AG Nationalparkbetrieb Donau-Auen
- Viklicky Kälte- und Klimatechnik
- Maschinenring Service NÖ-Wien
- Pflegeheim Petra Pum
- avm St. Valentin
- Dr. Wolf Immobilienverwaltung
- Auer Wasser und Wärme GmbH
- Mag. Eichmann & Schwatte Friseur OG
- Österreichische Bundesforste AG Unternehmensleitung
- Citroen Österreich GmbH Ersatzteilzentrum Spillern
- Ortner GmbH
- Bezirkshauptmannschaft St. Pölten
- Ing. Siegfried Manschein GmbH
Folgende Firmen erhielten – dank der Nachhaltigkeit ihrer Gesundheitsmaßnahmen – das Gütesiegel für weitere drei Jahre:
- Gasthof Rostiger Anker
- Moorheilbad Haarbach
- Stadtgemeinde Tulln
- Augenarzt Dr. Fridrich Klaus
- Fairwurzelt
- Constantia Teich GmbH
- Ökokreis
- Kerschner Wohndesign GmbH
- NÖ Landespflegeheim Frohsinn
- Marktgemeinde Wimpassing
- Alten- und Pflegeheim der Barmherzigen Brüder
Das Qualitätssicherungsmodell des Österreichischen Netzwerkes für BGF
Die 1. Stufe der Qualitätssicherung ist die Charta. Die Unterzeichnung der Charta gilt als Absichtserklärung eines Unternehmens, sich den Grundsätzen der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) zu verschreiben und die Unternehmenspolitik an diesen Prinzipien zu orientieren.
Die 2. Stufe ist das Gütesiegel. Dieses Siegel wird an all jene Unternehmen vergeben, die BGF nach den Kriterien des Europäischen Netzwerkes BGF (ENWHP) realisiert haben oder nur einige der Kriterien erfüllen, aber dennoch durch besondere Innovativität hervorzuheben sind.
Überreicht werden den Unternehmen eine Gütesiegel-Plakette mit Urkunde und das Gütesiegel-Logo in elektronischer Form, das beispielsweise für Marketingzwecke genutzt werden kann. Das Siegel wird für eine Laufzeit von drei Jahren verliehen. Nach Ablauf der Drei-Jahres-Frist muss es neuerlich beantragt und die Gesundheitsorientierung des Unternehmens erneut geprüft werden.
Die Abwicklung der Bewerbung sowie die Nominierung erfolgen mittels einer standardisierten Bewerbungsvorlage durch die Regionalstellen, in NÖ ist dies die NÖGKK. Dieser Antrag enthält auch die Frage nach Interesse für den BGF-Preis. Ein Fachbeirat (je eine Vertretung der Koordinationsstelle des Netzwerkes BGF und des Fonds Gesundes Österreich sowie
zwei Experten aus dem deutschsprachigen Ausland) begutachtet den Betrieb hinsichtlich der Erfüllung der Kriterien und gibt eine Empfehlung ab. Die Entscheidung über die Zuerkennung des Gütesiegels treffen die Mitglieder/Partner des Österreichischen Netzwerkes für BGF mit Zweidrittelmehrheit.
Die 3. und höchste Stufe ist der BGF-Preis. Dieser prämiert herausragende Projekte der betrieblichen Gesundheitsförderung.
Informationen: www.netzwerk-bgf.at
Warum betriebliche Gesundheitsförderung?
Informationen: NÖGKK, Claudia Knierer,
Tel.: 050899-6212, www.noebgf.at
Der tiefgreifende soziale und wirtschaftliche Umbruch in vielen anderen Ländern hat auch vor den Toren Niederösterreichs nicht Halt gemacht. Der Wettbewerb verschärft sich. Verstärkte Dienstleistungsorientierung und Personalabbau setzen sich ebenso durch wie neue Informationstechnologien und neue Beschäftigungsverhältnisse (z. B. Teilzeit- und Telearbeit).
Der Anteil älterer Arbeitnehmerinnen und -nehmer steigt. Diese Entwicklung hat enorme Konsequenzen für Betriebe, noch mehr aber für Beschäftigte. Von ihnen werden mehr Tempo, mehr Flexibilität, mehr Qualität und permanente Lernbereitschaft erwartet. Nur mit motivierten, gut qualifizierten und vor allem gesunden Arbeitnehmern können Unternehmen die wirtschaftlichen Herausforderungen von heute erfolgreich bewältigen und ihre Chancen von morgen nutzen.
Die NÖ Gebietskrankenkasse hat die Aufgabe übernommen, Impulse für Gesundheitsförderung in der Arbeitswelt zu setzen und das Konzept der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) in die Unternehmen zu tragen. Betriebliche Gesundheitsförderung bezeichnet alle gemeinsamen Maßnahmen von Arbeitnehmerinnen und -nehmern sowie Arbeitgeberinnen und -gebern zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz. BGF stellt gezielt Arbeitsstrukturen, Arbeitsabläufe und Arbeitsumwelten in den Blickpunkt. Durch die Optimierung betrieblicher Rahmenbedingungen kann Arbeit gesund gestaltet werden. Ziel ist es nicht nur betriebliche Verhältnisse zu verändern, sondern auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu einem gesunden Lebensstil zu befähigen. BGF ist ein nachhaltiger Weg zu mehr Lebensqualität und einem ganzheitlichen Gesundheitsverständnis.





