Gemeinsam für mehr Prävention
Herr und Frau Österreicher sind im europäischen Vergleich länger krank als in anderen Ländern. Hohe Summen fließen in die Reparaturmedizin und vergleichsweise wenig wird in Prävention und Gesundheitsförderung investiert. Geht es nach der AUVA, der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt, soll sich das aber noch heuer ändern.

„Was genau ist Prävention?“ – Antworten wurden beim Europäischen Forum in Alpbach gesucht: AUVA-Obfrau Renate Römer, Mag. Peter McDonald, geschäftsführender Obmann der Sozialversicherung der Gewerblichen Wirtschaft. FOTO: AUVA/APA-Fotoservice/Pichler
Herr und Frau Österreicher sind im europäischen Vergleich länger krank als in anderen Ländern. Hohe Summen fließen in die Reparaturmedizin und vergleichsweise wenig wird in Prävention und Gesundheitsförderung investiert. Geht es nach der AUVA, der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt, soll sich das aber noch heuer ändern.
Wie können mehr gesunde Lebensjahre erreicht werden? Um diese Frage zu beantworten, müssen vorerst die Begriffe Prävention und Gesundheits-
förderung eindeutig geklärt werden. Davon ist zumindest die AUVA, die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt, überzeugt und setzt einen beispielgebenden Prozess für ein konzertiertes Vorgehen im Gesundheitswesen in Gang.
Präventions-Charta Österreich
„Vom Nebeneinander zum Miteinander“ heißt ab jetzt die Devise bei den Sozialversicherungsträgern, den Krankenkassen, der Wirtschaftskammer, der Arbeiterkammer, der Industriellenvereinigung, dem Österreichischen Gewerkschaftsbund und der Ärztekammer, wenn es um eine gesunde Lebens- und Arbeitswelt geht. Am Ende des ambitionierten Projektes wird die Präventions-Charta Österreich stehen. Am Anfang gilt es, für ein gemeinsames Begriffsverständnis zu sorgen, um auch die finanziellen Mittel in die richtigen Bahnen zu leiten.
In Österreich werden nur rund 1,8 Prozent des Gesundheitsbudgets, das sind weniger als 500 Millionen Euro, für Prävention aufgewendet. In der aktuellen Gesundheitsreform sollen nun weitere 150 Millionen Euro über zehn Jahre hinzukommen. „Doch bevor wir dieses Geld in die Hand nehmen, ist es wichtig zu klären, worüber wir sprechen“, ist Renate Römer, Obfrau der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA), überzeugt.
Gemeinsamer Nenner
Unterstützt wird die Obfrau der AUVA unter anderem von der Vorsitzenden der Trägerkonferenz und Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK), Mag. Ingrid Reischl: „Das Gesundheitswesen muss auf die veränderten Lebenswelten der Menschen eingehen. Daher müssen Prävention und Gesundheitsförderung künftig als integrativer Prozess verstanden werden, der auch Therapie, Rehabilitation und Pflege mit einbezieht.“ Ein aktuelles Beispiel aus Oberösterreich verdeutlicht die Forderung: „Im AKH Linz werden Langsam-Lauf-Aktivitäten für Krebspatienten gemeinsam mit den betreuenden Ärzten sowie dem Pflegepersonal organisiert. Die mäßige Bewegung macht nicht nur den Körper stärker, sondern verbessert auch das Erleben sowie die psychosoziale Situation der Betroffenen“, gibt Reischl Einblick.
Auch die Sozialversicherung der Gewerblichen Wirtschaft (SVA) unterstützt das Vorhaben: „Mit der Initiative der AUVA setzen wir gemeinsam ein klares Signal für mehr Prävention“, so Mag. Peter McDonald, geschäftsführender Obmann der SVA. Manfred Felix, Obmann der Pensionsversicherungsanstalt, freut sich ebenfalls auf den gemeinsamen Weg, der vor den Partnern liegt: „Ein gemeinsames Begriffsverständnis am Beginn eines Reformprozesses ist aber notwendig, damit alle Beteiligten in dieselbe Richtung gehen und die Hebel an derselben Stelle ansetzen.“
Auf gutem Weg
Im Rahmen der diesjährigen gesundheitspolitischen Gespräche beim Europäischen Forum Alpbach wurden in vier Arbeitskreisen mit Experten und Gesundheits-interessierten die Begriffe Primär-, Sekundär-, Tertiär-, Verhaltens- und Verhältnisprävention konkretisiert und definiert. Als Ergebnis liegt nun ein fundiert aufbereitetes, breit abgestimmtes und diskutiertes Verständnis aller Beteiligten vor. „Ebenso klar geworden ist uns in diesem Prozess aber auch, dass wir an manchen Aspekten noch intensiv arbeiten müssen und dass es weiße Flecken auf unserer Präventionslandkarte gibt“, ist Römer überzeugt. Um diese Lücken oder eine Überversorgung deutlich zu machen, wird in einem nächsten Arbeitsschritt eine Koordinationsstelle eingerichtet, die einen Ist-Stand aller Aktivitäten zu Prävention und Gesundheitsförderung dokumentieren und Best-Practice-Modelle sammeln wird. „Mein Wunsch ist es, dass wir uns im weiteren Prozess auf drei konkrete Projekte einigen, die wir gemeinsam umsetzen und klare Ziele finden, wie die zusätzlichen 150 Präventionsmillionen aus der Gesundheitsreform bis zum Jahr 2020 sinnvoll eingesetzt werden können“, hofft Römer.
Zentrale Diskussionsergebnisse:
- Pädagogen müssen verstärkt in die Gesundheitsförderung einbezogen werden.
- Bei der Auswahl der Themen müssen Prioritäten gesetzt werden.
- Das Potenzial von Schulärzten soll stärker genutzt werden.
- Gesundheit muss als Querschnittsmaterie in alle Politikbereiche – von der Bildung bis hin zur Raumplanung – Eingang finden.
- Vorhandene, bewährte Modelle der Prävention und Gesundheitsförderung müssen österreichweit ausgerollt werden.




