Für die Sicherheit der Patienten
Die NÖ Landes- und Universitätskliniken arbeiten auf den verschiedensten Ebenen und mit aller Kraft laufend an Maßnahmen, die die Sicherheit der Patienten fördern und garantieren.

Im Zentrum für Simulation und Patientensicherheit im Landesklinikum Hochegg trainieren Ärzte- und Pflegeteams unter realitätsnahen Bedingungen. Foto: Felicitas Matern
Am 17. September wird heuer der 1. Internationale Tag der Patientensicherheit begangen – eine gute Chance, unter anderem die Wichtigkeit der Hygiene in Gesundheitseinrichtungen für die Sicherheit der PatientInnen ins Bewusstsein zu rufen. Für die NÖ Landes- und Universitätskliniken steht das Thema Patientensicherheit seit Gründung der NÖ Landeskliniken-Holding Tag für Tag auf der Agenda. Sehr viel ist bereits geschehen, in vielen Bereichen gilt Niederösterreich als Vorreiter für hochwirksame Maßnahmen, die teilweise sogar von Bundesseite und von anderen Gesundheitsanbietern übernommen wurden.
Einer der wichtigsten Bausteine zur Patientensicherheit ist die Entscheidung, nicht alle Leistungen an allen Standorten anzubieten. Deshalb hat die NÖ Landeskliniken-Holding für komplexe medizinische Themen Schwerpunkte gebildet.
Zum Beispiel gibt es die Strahlentherapie-Radioonkologie nur in den Kliniken in Krems und Wiener Neustadt, eine eigene Herzchirurgie mit höchster Qualität nur im Universitätsklinikum St. Pölten. Schwerpunkte, die etwas häufiger vorkommen, sind zum Beispiel Handchirurgie oder Adipositas-Chirurgie. Der Hintergrund für die Schwerpunktbildungen: Nur was Ärztinnen und Ärzte oft machen, machen sie auch gut, sie brauchen schlichtweg Übung. Kein Mensch möchte von jemandem operiert werden, der diese spezielle OP nur wenige Male pro Jahr macht, jeder wünscht sich genau den Experten, der das laufend tut und bereits viel Erfahrung gesammelt hat. Diese Schwerpunktbildung steigert also die Ergebnisqualität und Patientensicherheit.
Lernendes System
Einen bedeutenden Schritt setzte die NÖ Landeskliniken-Holding, als sie ein System in die Kliniken brachte, mit dem die Behandlungsergebnisse aus den Routinedaten sichtbar gemacht werden können: In einem hochkomplexen Vorbereitungsschritt wurden Daten aus deutschen und Schweizer Kliniken so für Niederösterreich angepasst, dass sie mit den für jede Behandlung in den Kliniken entstehenden Daten verglichen werden können. So können Experten daraus beispielsweise ablesen, bei wie vielen Hüftimplantaten Komplikationen auftreten und bei welcher Art der Schlaganfälle welches Klinikum die besten Genesungsgrundlagen schafft.
Dieses System ist für Österreich vom Bund übernommen worden und gilt nun für alle Krankenhausträger.
Doch nicht genug damit – die Ergebnisse aus diesem Benchmarking-System werden dazu genützt, dass die Behandlungsqualität steigt: Zeigen sich bei den Benchmarks auffällige Ergebnisse, werden die Krankengeschichten von Primarärztinnen und -ärzte aus Österreich in sogenannten Peer Review Verfahren analysiert. Dabei werden die Abläufe im Krankenhaus und die einzelnen medizinischen Schritte betrachtet und falls erforderlich, werden daraus Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet. Das ist geradezu revolutionär, denn früher hat sich kein Primararzt in die Behandlungsunterlagen schauen lassen. Dieses System hat Niederösterreich bereits seit 2011. Seither stellen sich jedes Jahr – über die inzwischen etablierten Vorgaben des Bundes hinaus – jährlich zwei Fachbereiche den kritischen Reviews. In den Unternehmenszielen der NÖ Landeskliniken-Holding nimmt die Ergebnisqualität für den Patienten einen besonders großen Stellenwert ein.
Kritische Ereignisse
Ein weiteres wichtiges Projekt zur Patientensicherheit hat sich die NÖ Landeskliniken-Holding von der Luftfahrt abgeschaut – das Projekt zur Implementierung eines CIRS (Critical Incident Reporting System). Zahlreiche internationale Studien zeigen, dass „Fehler in der Medizin“ zu den zehn häufigsten Todesursachen von Patienten zählen. In den letzten zehn Jahren hat sich an dieser Größenordnung trotz des permanenten medizinischen Fortschritts kaum etwas geändert. Kritische Ereignisse („critical incidents“) sind Vorläufer und Indikatoren für schwerwiegende Zwischenfälle.
Systeme zur Erfassung und Analyse dieser kritischen Ereignisse („critical incident reporting systems“, CIRS) können einen bedeutenden Beitrag dazu leisten, sowohl klinikintern als auch institutionsübergreifend Systemschwachstellen rechtzeitig zu entdecken, um durch die Etablierung geeigneter Maßnahmen die Patientensicherheit schon vorbeugend zu erhöhen. 2014 hat die NÖ Landeskliniken-Holding ein Pilotprojekt gestartet: In acht Standorten gibt es ein IT-gestütztes System, wo Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Berufsgruppen anonym Fehler oder Beinahe-Fehler melden können, die ihnen oder anderen passiert sind. Die anonymisierten Meldungen werden von einem geschulten Bearbeiter-Team analysiert und Verbesserungsmaßnahmen daraus abgeleitet und umgesetzt.
Trainingslager
Ebenfalls aus der Luftfahrt stammt das Training an Simulatoren: Noch bevor ein Pilot das erste Mal ins Flugzeug steigt, trainiert er Starts, Landungen und das Verhalten in kritischen Situationen und bei Zwischenfällen am Simulator. Das tun im Landesklinikum Hochegg und unter Anleitung erfahrener Kolleginnen und Kollegen nicht nur einzelne Ärztinnen und Ärzte, sondern ganze OP-Teams aus den NÖ Kliniken. Sie üben zum Beispiel, wie sie mit einem Baby in kritischem Zustand umgehen müssen. Die Teams vergessen im Stress, dass die Situation nicht echt ist, denn diese computerunterstützten Spezialpuppen wirken real. Wenn die Teams dann in der Praxis mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind, können sie relativ stressfrei richtig handeln – ein sehr wesentlicher Beitrag zur Patientensicherheit. Simulatoren für
Trainings gibt es auch für spezielle Operationen.
Ausbildung & Einschulung
Viel wird in den NÖ Landes- und Universitätskliniken getan. Das fängt bei der Ausbildung und Einschulung junger Pflegekräfte und Ärzte an, auf die allergrößter Wert gelegt wird. Hygieneteams mit Pflegekräften und Ärzten kümmern sich in allen Standorten um Schulungen und Weiterbildungen. Riskmanagement-Programme laufen ebenfalls an allen Standorten, sie werden von externen Experten geleitet und in ihrer Wirksamkeit kontrolliert. Über all dies berichtet GESUND&LEBEN immer wieder.
Faktor Weiterbildung
Viel Wert wird in den einzelnen Abteilungen auf die laufende Weiterbildung der Ärztinnen und Ärzte gelegt. Auch Systeme wie die Tumorboards – interdisziplinäre Konferenzen für jeden einzelnen Krebspatienten – sichern die Behandlungsqualität und -sicherheit. Und zur Dokumentation gibt es (siehe GESUND&LEBEN 06/2015) nun das neue Onkologie-Informationssystem OIS. Auch aus dieser ersten umfassenden Datensammlung werden die Ärzte künftig lernen können. Vor allem sichert es die optimale Behandlung aller Krebspatienten in Niederösterreich.
Aktionstag der Patientensicherheit
Am 17. September 2015 findet der 1. Internationale Aktionstag der Patientensicherheit statt. Er steht unter dem Motto „Hygiene und Vermeidung von Infektionen in Gesundheitseinrichtungen“. Ziel ist es zu zeigen, dass bereits viel getan wird, um die Sicherheit der Patientinnen und Patienten sowie der Angehörigen der Gesundheitsberufe zu fördern. Organisiert wird er von der Österreichischen Plattform Patientensicherheit.
Informationen: www.plattformpatientensicherheit.at, www.patient-safety-day.org, www.tagderpatientensicherheit.at




