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Flott versorgt – rasch zu Hause

Was leisten Tageskliniken und wann nützen sie den Patienten? GESUND+LEBEN zeigt am Beispiel der neuen Tagesklinik am Landesklinikum Mödling, wie tagesklinische Behandlungen ablaufen.


„Sicherheit in jeder Hinsicht steht in den Tageskliniken an erster Stelle!“ - OÄ Dr. Silvia Bodi

„Um 6:30 wurde ich aufgenommen, bereits nach kurzer Zeit ging es in den Operationssaal und nun darf ich schon wieder nach Hause“, strahlt Regina Strobl, die nach der Arthroskopie ihres Knies bereits auf die Abschlussuntersuchung durch den Stationsarzt wartet. Vor einer Woche hatte sie einen ambulanten Termin auf der operativen Fachambulanz im Landesklinikum Mödling, bei dem die geplante Untersuchung ihres Kniegelenks besprochen wurde. Anschließend holte sie sich die Narkosefreigabe in der Präanästhesieambulanz. „Besser könnte das nicht ablaufen – ich musste nur zweimal ins Krankenhaus, einmal zu den Untersuchungen und jetzt zur Operation“, berichtet Strobl. Die Möglichkeit, den Eingriff als „Tagesgast“ im Krankenhaus durch­führen zu lassen, begeisterte die Patientin sofort. Die Nacht vor der Operation zu Hause zu verbringen und sich danach in den eigenen vier Wänden erholen zu können, war für Strobl ausschlaggebend. An alles wird schon im Vorfeld gedacht, freut sich die Patientin über die perfekte Vorbereitung: Bereits bei der Terminvergabe werden die Medikamente für die Zeit nach der Operation verordnet und können schon vorab besorgt werden. Wird man dann entlassen, kann man direkt nach Hause gehen.

Immer mehr tagesklinische Eingriffe

In vielen NÖ Landeskliniken werden Eingriffe tagesklinisch erledigt – immer, wenn bei leichten Eingriffen nicht mit Problemen danach zu rechnen ist, dürfen Patienten am Nachmittag oder Abend nach Hause. Sollten sie allerdings eine längere Überwachung und
Pflege benötigen, können sie selbstverständlich auf
eine Normalstation übernommen werden. Typisch für tagesklinische Eingriffe sind zum Beispiel Operationen des Grauen Stars, wie sie etwa in den Landeskliniken Wiener Neustadt und Horn an speziellen Augen-Tagesklinik-Stationen gemacht werden. Im Landesklinikum Mödling gibt es seit kurzem eine interdisziplinäre Tagesklinik. Organisatorische Leiterin dieser Station ist die Anästhesistin OÄ Dr. Silvia Bodi, eine erfahrene und bewährte OP-Managerin, die die Tagesklinik auch mitaufgebaut hat. „Wir
bieten unseren Patienten medizinische Versorgung und Sicherheit auf höchstem Niveau in Verbindung mit einem möglichst kurzen Klinikaufenthalt.“ Und sie berichtet über ein interessantes Phänomen: „Die Patienten fühlen sich bei einem kurzen stationären Verbleib auch deutlich weniger krank.“

Interdisziplinäre Anlaufstelle

Insgesamt 14 Betten stehen den Patienten im
Landesklinikum Mödling zur Verfügung. Behandelt werden hier Patienten aus verschiedenen Fächern: Unfallchirurgische Patienten wie Regina Strobl machen einen Teil aus, es sind hier vorrangig die Operationen an den Händen, die Arthroskopien und Materialentfernungen (etwa Schrauben oder Nägel, die zur Stabilität eines Bruches gedient haben und nun entfernt werden). Ein hoher Prozentsatz kommt aus dem Bereich der Gynäkologie, ein weiterer Teil aus der Chirurgie wie Nabelbrüche oder Hämorrhoiden. Ein Tag der Woche ist ganz den kleinsten
Patienten gewidmet – der Kinder-Urologie, wo etwa Vorhautverengungen operiert werden. „An diesem Tag haben Kinderkrankenpflegekräfte Dienst auf der Abteilung. Damit schaffen wir für die Zeit vor und nach der Operation das beste Umfeld für die
Kleinen“, weiß Bodi. Auch internistische Unter­suchungen, die eine Narkose erfordern, werden auf der Tagesklinik durchgeführt.

Körperliche Verfassung und soziales Umfeld zählen

Sollte ein Eingriff aber doch nicht so problemlos verlaufen, muss die Operation ausgedehnt werden oder fühlt sich der Patient einer Entlassung am selben Tag nicht gewachsen, dann ist auch das kein Problem. „Natürlich besteht immer die Möglichkeit, stationär im Krankenhaus zu bleiben. Auch wenn eine Entlassung möglich ist, aber der Patient einfach Angst hat, frisch operiert die Klinik zu verlassen, kann er selbstverständlich bleiben“, zerstreut Bodi Sorgen und Ängste. Ebenso unterschiedlich wie die Operationen ist auch das Alter der Patienten – der bisher älteste Patient war 88 Jahre, der jüngste sechs Monate. Wichtig sind immer die körperliche Verfassung und das soziale Umfeld. So muss bei der Entlassung ein Angehöriger zu Hause sein. Ist jemand nach der Operation alleine, ist eine tagesklinische Operation nicht möglich. „Sicherheit steht für uns an erster Stelle. Dies gilt für die Zeit im Krankenhaus ebenso wie für die Zeit nach der Entlassung“, betont Bodi.

Nur zwei Besuche in der Klinik

Am Untersuchungstag kommen die Patienten zuerst auf die jeweilige Fachambulanz. Dort werden alle Fragen zur Operation selbst abgeklärt und auch die Situation zu Hause besprochen. Danach kann der Patient direkt in die Präanästhesieambulanz wechseln. In einem genauen Aufnahmegespräch verschafft sich der Narkosefacharzt ein Bild vom Allgemeinzustand und von etwaigen Problemen. „Bei uns gibt es weder Blutabnahme noch Lungenröntgen automatisch, beides wird nur gemacht, wenn es sich aus der klinischen Untersuchung ergibt“, setzt Bodi auch hier auf Effizienz. Nach der Narkosefreigabe und der Untersuchung durch den Stationsarzt informieren Pflegekräfte den Patienten umfassend über den geplanten tagesklinischen Ablauf.
Am Tag vor der geplanten Operation werden die Patienten am frühen Nachmittag verständigt, wann der genaue Aufnahmetermin ist. Rund eineinhalb Stunden vor dem Eingriff werden sie ins Krankenhaus bestellt. Da diese Zeitspanne gefüllt mit Vorbereitungen ist, vergeht sie meist wie im Flug. Zeit, nervös zu werden, gibt es kaum. Nach der Operation kommen die Patienten in den Aufwachraum, der sich direkt neben dem Operationssaal befindet. Sind sie munter und gut ansprechbar, geht es zurück auf die Station. Das therapeutische Team, bestehend aus Ärzten und Pflegekräften auf der Station, sorgt dafür, dass die Patienten gut versorgt, bestens informiert und mit einem Entlassungsbrief des Operateurs versehen, die Tagesklinik verlassen können.

Lob und Dankbarkeit

Nun, nach nur wenigen Wochen des Betriebes freut sich das Team der Tagesklinik rund um die organisatorische Leiterin Dr. Bodi und die Stationsleitung Franz Lehner, MA bereits über viel positives
Feedback von Seiten der Patienten: Die ersten
Dankschreiben sind eingetroffen. Von „Verwöhn­programm ohnegleichen“, „Liebenswürdigkeit und Achtsamkeit“ oder „in keinem 5-Stern-Hotel könnte man besser aufgehoben sein“ ist hier zu lesen.
Patienten, die sich wohl und sicher fühlten – von der ersten Sekunde bis zur letzten. Ein Umstand, der alle Mitarbeiter der Abteilung besonders freut und auch Prim. Dr. Burghard Plainer, Leiter der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin, sehr stolz macht: „Die standardisierten Abläufe sind das
Ergebnis eines dreiviertel Jahres intensiver Planung. Das Team rund um Dr. Bodi hat hier Hervorragendes geleistet! Schön, wenn man sieht, dass dies auch die Patienten goutieren.“  
Mittlerweile ist es Nachmittag auf der Abteilung geworden. Ruhig ist es, die letzten Patienten werden abgeholt und alles für den nächsten Tag vorbereitet. Ein letzter Blick auf den Plan von morgen und die Computer werden abgeschaltet. Und morgen in der Früh geht es wieder los, mit Elan, viel Kraft und Freude und – wie es im Patientenbrief so schön formuliert ist – mit Achtsamkeit.

FOTO: Gerald Lechner

Tageskliniken und tagesklinische Eingriffe in den NÖ Landeskliniken

In den Landeskliniken der Thermenregion werden tagesklinische Leistungen in allen Grundversorgungshäusern durchgeführt. Eine bauliche Struktur gibt es im Landesklinikum Wiener Neustadt (Augen-Tagesklinik) sowie im Landesklinikum Mödling (Interdisziplinäre Tagesklinik).
In allen Landeskliniken der Gesundheitsregion Mostviertel werden tagesklinische Leistungen durchgeführt. In allen Kliniken wurden Projekte gestartet, damit für eine Tagesklinik notwendige Strukturen, seien sie baulicher, personeller oder prozesstechnischer Natur, in entsprechender Ausprägung vorhanden sind, um die Patienten auch weiterhin qualitätsvoll betreuen und behandeln zu können.
In den Waldviertel-Kliniken werden tagesklinische Leistungen in allen Akutversorgungshäusern durchgeführt. Eine eigene bauliche Struktur gibt es dafür in Horn (Augen-Tagesklinik) und seit kurzem auch in Zwettl.
In allen Kliniken der Region Weinviertel  werden tagesklinische Leistungen durchgeführt. Im Landesklinikum Korneuburg-Stockerau gibt es eine Tages- und Wochenklinik am Standort Stockerau, ebenso im Landesklinikum Mistelbach-Gänserndorf am Standort Gänserndorf, in der tagesklinisch Leistungen aus den Bereichen Chirurgie, Gynäkologie, HNO, Orthopädie, Unfallchirurgie und Urologie erbracht werden.  Im Landesklinikum Hollabrunn besteht eine sozialpsychiatrische Tagesklinik. In den Landeskliniken Hollabrunn und Mistelbach werden onkologische Tageskliniken betrieben.  Im Landesklinikum Hainburg gibt es eine interdisziplinäre Tagesklinik zusammen mit einer interdisziplinären Zentralambulanz.
In allen Landeskliniken der Region NÖ Mitte werden tagesklinische
Leistungen angeboten und durchgeführt. Eigene tagesklinische Einrichtungen gibt es im Landesklinikum St. Pölten an der Augenabteilung, in den Landeskliniken Lilienfeld und Klosterneuburg als interdisziplinär geführte Tagesklinik und im Landesklinikum Krems an der Chirurgischen Abteilung.