Eine Win-win-Situation
Einen großen Teil des Tages verbringen wir in der Arbeit. Will man einen gesunden Lebensstil führen, darf sich dieser nicht nur auf die Freizeit beschränken. Bei der Firma Würth in Böheimkirchen unterstützt man die Angestellten dabei.
„Ich würde mich ja gerne gesund ernähren, aber in der Mittagspause muss es schnell gehen und deshalb greife ich oft zu Fast Food.“ Haben Sie sich in diesem Satz wiedererkannt? Dann geht es Ihnen wie vielen anderen Arbeitnehmern in Österreich. In der Firmenzentrale der Firma Würth in Böheimkirchen kennt man dieses Problem nicht. Gemeinsam mit dem Caterer Gourmet wird dort eine Kantine für die etwa 700 Angestellten betrieben, in der auch gesunde Kost angeboten wird. An gewissen Gesundheitstagen oder -wochen werden ungesunde Speisen wie Leberkäse komplett aus dem Sortiment verbannt.
Gesundheitswettkämpfe
„Für uns als Arbeitgeber ist die Gesundheit unserer Angestellten natürlich sehr wichtig“, erklärt Geschäftsführer Alfred Wurmbrand, „wir sind der Überzeugung, dass wir unsere Kunden nur begeistern können, wenn auch unsere Mitarbeiter begeistert sind, und dafür ist die Gesundheit der Grundstein.“ Die Kollegen werden motiviert, sich gesund zu ernähren und in den Pausen öfter kleine Spaziergänge zu machen, um dem Körper etwas Gutes zu tun. Wurmbrand ist der Ansicht, dass es zwar an jedem selbst liegt, Verantwortung für seine Gesundheit zu übernehmen, allerdings könne die Firma Anstöße geben. „Wir veranstalten regelmäßige Wettkämpfe, die bei der Belegschaft sehr gut ankommen. Wir hatten beispielsweise einen ‚Kampf der Geschlechter‘, bei dem sowohl die Männer als auch die Frauen Gesundheitspunkte sammeln konnten, wenn sie in unserer Kantine zu einer gesunden Speise gegriffen haben oder in der Pause an die frische Luft gegangen sind“, erklärt der Geschäftsführer, „das hat wirklich großen Spaß gemacht. Am Ende sind bereits E-Mails kursiert, in denen sich Leute verabredet haben, spazieren zu gehen, um möglichst viele Punkte zu sammeln und zu gewinnen.“
well@würth
Kopf des Gesundheitsteams der Firma Würth ist Dr. René Chahrour. Der Betriebsarzt ist seit der Umsiedelung des Firmenstandortes von Wien nach Böheimkirchen im Jahre 1998 dabei und leitet die Initiative well@würth. „Unser Grundgedanke ist, dass der Betrieb einen sozialen Raum darstellt, in dem Gesundheit entsteht. Wir versuchen den Kollegen zu zeigen, wie es geht, wollen sie aber nicht zu sehr bevormunden“, erklärt er. Seit 2010 hat man sich mit dem Thema Gesundheit intensiv auseinandergesetzt. Es werden Vorträge zu unterschiedlichen Themen gehalten, die zum größten Teil der psychischen Gesundheit dienen sollen. „Da geht es zum Beispiel um die Frage, was Arbeit eigentlich für den Menschen bedeutet und was ‚gute Arbeit‘ ist. In der stressigen Zeit, in der wir leben, ist psychische Hygiene besonders bedeutend“, meint Chahrour.
Eine andere Aktion war die Einladung an die Mitarbeiter, Videos der eigenen Abteilung zu produzieren, um deren charakteristisches Wesen einzufangen. Insgesamt entstanden 25 Videos, die wie bei einer Oscar-Prämierung geehrt wurden. Wurmbrand erzählt: „Wir wollten, dass die Kollegen darüber nachdenken, was ihren Arbeitsplatz eigentlich zu ihrem Arbeitsplatz macht. Was gefällt ihnen besonders? Was gefällt ihnen nicht? Und wenn man sich die Videos anschaut, dann hätten die Mitarbeiter auch von Schauspielern gespielt werden können, man hätte trotzdem gewusst, um welche Abteilung es sich handelt, weil die Charakteristika so offensichtlich waren.“ In diesem Jahr ist das Schwerpunktthema die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
60 Teilnehmer beim Ironman
Aber auch die Bewegung kommt bei Würth nicht zu kurz. Es gibt Physiotherapeutinnen, die zwei Mal pro Woche durch den Betrieb gehen, um den Angestellten Tipps über richtiges Sitzen, Bildschirmergonomie und korrektes Heben oder Tragen zu geben. Außerdem können die Kollegen bei Bedarf während der Arbeitszeit eine zehnminütige Teilmassage durch die Physiotherapeutinnen in Anspruch nehmen. „Da ist natürlich die Unterstützung der Mitarbeiter untereinander zu erwähnen“, meint Wurmbrand, „denn wenn jemand zur Massage geht, muss in dieser Zeit natürlich jemand anderer das Telefon abheben oder Ähnliches. Da ist die Hilfsbereitschaft wirklich sehr groß.“ Beim Vitaltag können die Angestellten einen Fitnesstest machen und sich durchchecken lassen. In Sachen Sportlichkeit hat die Belegschaft aber offenbar wenige Probleme, wie Betriebsarzt Chahrour sagt: „Von unseren mehr als 750 Mitarbeitern werden heuer alleine 60 Mitarbeiter in 20 Teams beim Ironman in St. Pölten mitmachen. Trotzdem sitzen die Leute im Haus lange an ihren Computern und die Außendienstverkäufer im Auto. Da braucht es gute Beratung und Inputs für die richtige und ausreichende Bewegung. Die Leute müssen sich regelmäßige Pausen gönnen, um Verspannungen zu vermeiden. Das sind eben die Dinge, die wir ihnen anbieten.“
Mitspracherecht
Das Thema Arbeitssicherheit wird besonders ernst genommen, wie der Betriebsarzt erzählt. Er spricht von Top-Level-Sicherheit, die weit über die gesetzlichen Erfordernisse hinausgeht. Auch weil Mitarbeiter, die in der Praxis tätig sind, für die Aufstellung und Einhaltung der Richtlinien eingesetzt werden. Wurmbrand erläutert: „Wir haben im Haus eine intensive Feedback-Kultur eingeführt. Einmal jährlich gibt es einen Round Table, bei dem Wünsche und Anregungen vorgebracht werden. Alle zwei Jahre findet eine standardisierte Befragung aller Mitarbeiter statt. Auch Gesundheit und Sicherheit sind hier große Themen.“
Die Ergebnisse werden dann systematisch vom Gesundheitsteam, das zum größten Teil im Qualitätsmanagement angesiedelt ist, abgearbeitet. Ein Unternehmen lebt von seinen Mitarbeitern, ist Wurmbrand überzeugt und spricht von einer Win-win-Situation.
Vertrauen in Mitarbeiter
Katharina Racher von der Initiative »Tut gut!« ist begeistert: „Die Firma Würth ist bei der Umsetzung gesundheitsförderlicher Maßnahmen ein Vorzeigebetrieb. Besonders damit, sich einen Schwerpunkt zu setzen, ist der Betrieb ein gutes Vorbild. Mit dem Schwerpunktthema ‚Familienfreundlichkeit‘ wird hier noch mehr die Bedeutung der Gesundheit der Mitarbeiter für ihre Umgebung, ihre Familien und somit auch ihre Gemeinden hervorgehoben.“ Nicht ohne Eigennutzen, wie sie nachsetzt: „Erwiesenermaßen wirken sich Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeiter auch auf die Produktivität eines Betriebes aus.“ Bei Würth habe man sich bei der Zielsetzung nicht ausschließlich an die Kennzahlen geklammert, betont Wurmbrand. Man habe sich nicht zu hohe Ziele gesteckt und sei spielerisch an die Sache herangegangen. Mit Erfolg.
„Unsere Mitarbeiter gehen nur in den Krankenstand, wenn sie wirklich krank sind.
Wir überprüfen die Krankenstände auch nicht“, erklärt er, „wir sind einfach der Meinung, dass wir das, was wir vorleben, auch zurückbekommen.“ Wenn der Geschäftsführer weiß, dass ein Mitarbeiter im Urlaub oder Krankenstand ist, schickt er ihm E-Mails oft erst, wenn er wieder im Büro ist, um keinen Druck auszuüben.
Gegenseitige Loyalität
Aber nicht nur in den Büros, auch in der Logistik wird auf Gesundheit geachtet. Neben der Kühlung der Hallen gegenüber der Außentemperatur, zahlreichen Hebehilfen und sonstigen Arbeitserleichterungen wird besonders auf die Sauberkeit großer Wert gelegt. Da die Logistik-Mitarbeiter Strecken von bis zu acht Kilometern täglich zurücklegen, zahlt ihnen das Unternehmen bei Bedarf Schuheinlagen und stellt auch dort Sicherheitsschuhe zur Verfügung, wo sie gesetzlich nicht nötig sind. Diese Loyalität kommt von den Mitarbeitern zurück: Der durchschnittliche Mitarbeiter im Würth-Lager ist seit 13 Jahren im Unternehmen.
Die internen Gesundheitsaktionen sollen für Geschäftsführer Wurmbrand einen Mehrwert bringen: „Die Punkte der Gesundheitswettkämpfe, die unsere Angestellten untereinander austragen, werden am Ende jeweils in Euro umgerechnet und an die Special Olympics gespendet. So kommt zum Gesundheitsbewusstsein auch noch ein sozialer Aspekt hinzu, der die Mitarbeiter auch sehr motiviert.“
»Tut gut!« hilft Betrieben
Betriebliche Gesundheitsförderung ist dann erfolgreich und nachhaltig, wenn sowohl die organisatorische als auch die individuelle Ebene beachtet wird.
Die Förderung aktiver Mitarbeiterbeteiligung sowie Stärkung persönlicher Kompetenzen und die daraus resultierende Optimierung von Arbeitsorganisation und Arbeitsbedingungen führen zu gesunden, motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dies ist die Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. 2030 werden bereits mehr als 40 Prozent der Erwerbstätigen über 45 Jahre alt sein. Der Erhalt von Arbeitsfähigkeit und Wohlbefinden der Mitarbeiter sollten daher schon heute Thema sein. Die Initiative »Tut gut!« unterstützt Unternehmen, die betriebliche Gesundheitsförderung starten möchten.
Informationen zu Förderungen & kompetenter Begleitung: Initiative »Tut gut!«, Katharina Racher, Projektleitung Betriebliche Gesundheitsförderung,
Tel.: 02742/9011-14412, 0664/88633194, katharina.racher
noetutgut.at, www.noetutgut.at





