Ein Projekt zum Wohlfühlen
Gemeinden in Niederösterreich können jetzt etwas Besonderes für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tun: Das Projekt »Betriebliche Gesundheitsförderung im Gemeindedienst« der Initiative »Tut gut!« unterstützt sie dabei, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Das Projekt motiviert.
Arbeitsbedingungen verbessern, das Wohlbefinden und die persönlichen Kompetenzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stärken, das Gesundheitsbewusstsein schärfen. Das sind unter anderem die Ziele der »Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) im Gemeindedienst«. Die Initiative »Tut gut!« rief das Projekt im Vorjahr ins Leben, um mit den teilnehmenden Gemeinden für die einzelnen Abteilungen, wie Bauhof, Gemeindeverwaltung, Kinder-garten, Schulwartinnen und Schulwarte etc., Verbesserungsvorschläge auszuarbeiten. Eine Besonderheit des Projekts ist darüber hinaus, den Arbeitskreis der »Gesunden Gemeinde« miteinzubeziehen. Auch in dieser Gruppe werden die gesundheitsförderlichen und -hemmenden Faktoren erarbeitet und darauf aufbauend entsprechende Maßnahmen entwickelt. Projektleiterin Christa Rameder, MA, über die Zielsetzungen: „Wir überlegen uns im Rahmen dieses Projektes gemeinsam mit den Mitarbeitern, welche Maßnahmen gesetzt werden können, um die Arbeitssituation zu verbessern. Außerdem wollen wir Abläufe, Mittel und Strukturen, die sich bereits bewährt haben, noch ausbauen.“ Die Vorteile des Projekts sind klar: Die Zufriedenheit bei der Arbeit und durch die Arbeit ist eine wichtige Voraussetzung für die körperliche und seelische Gesundheit.
„Positive Geschichte“
„Betriebliche Gesundheitsförderung ist eine sehr positive Geschichte“, freut sich Amtsleiter Josef Ströbitzer aus Neuhofen an der Ybbs. „Man erkennt gewisse Situationen einfach leichter. Unsere Mitarbeiter haben bewusst mitgemacht und sind durch Gespräche auf sehr viele Kleinigkeiten mit großer Bedeutung aufmerksam geworden. Ich kann das Projekt nur weiterempfehlen, es ist eine tolle Erfahrung.“ Seine Arbeitskollegen stimmen zu, etwa Gemeinde-bedienstete Andrea Doersieb, zuständig für
Kassaverwaltung, Buchhaltung und Lohnverrechnung und die „gute Seele“ des Gemeindeamts: „Ich war schon bei der Vorstellung des Projekts beeindruckt. Und nach der anfänglichen Skepsis haben alle mitgemacht. Man erkennt einfach so vieles, das man sonst nicht wahrnimmt.“ Bei ihr landen auch alle Personalfragen, daher fungierte sie im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung als Ansprechpartnerin in Neuhofen.
Bewusstsein für Gesundheit
Doch nicht nur aus Neuhofen hört man positive Stimmen. Von Aussagen wie „Ich hätte mir nicht gedacht, dass wir hier so viel erarbeiten“ bis zu „Endlich konnten wir uns neben unserer eigentlichen Tätigkeit im Team die Zeit nehmen, um über unser Arbeitsumfeld nachzudenken“ spannt sich der Bogen des positiven Feedbacks in den anderen fünf Gemeinden (siehe Kasten Seite 14), die im Vorjahr mit dem Projekt »Betriebliche Gesundheitsförderung« – kurz BGF – begonnen haben. Das Projekt läuft seit letztem Herbst. Es wird begleitend von der Donau-Universität Krems evaluiert und gliedert sich in sieben Stufen (siehe unten).
Maßnahmen können vielfältig sein
Zwei konkrete Maßnahmen, die in Neuhofen bereits umgesetzt wurden, waren ein Headset für Sekretärin Andrea Neuheimer und Gesundheitsschuhe für die Schulwartinnen. Schulwartin Heidemarie König freute sich über die Anschaffung: „Wir haben uns solche Schuhe schon lange gewünscht. Es ist toll, dass uns die Gemeinde jetzt unterstützt hat. Der Kauf hat sich jedenfalls ausgezahlt!“ Sekretärin Neuheimer, die unter einer motorischen Beeinträchtigung leidet, ist ebenfalls begeistert: „Das Headset wird mir das Telefonieren und Schreiben deutlich erleichtern.“
Moderation als Schlüsselelement
Die teilnehmenden Gemeinden werden von Anfang an von eigens dafür ausgebildeten Moderatorinnen betreut. In Neuhofen war das Heidemarie Fröhlich, MBA. Die Moderatorin, die innerhalb der Initiative »Tut gut!« in mehreren Projekten tätig ist, schildert die Kernziele sowie die Abwicklung: „Wir arbeiten durch unsere Treffen und Besprechungen neue Lösungen aus, die das Wohlbefinden steigern sollen. In Neuhofen wünschte man auch Teambuilding-Maßnahmen. Da haben wir angesetzt und gleich mit der Planung von gemeinsamen Aktivitäten begonnen – davon haben auch die Führungskräfte stark profitiert. Besonders wichtig ist, dass alle Maßnahmen nachhaltig wirken.“ Und Christa Rameder ergänzt: „Natürlich bauen wir darauf, dass die Gemeindemitarbeiter als Multiplikatoren agieren und so das Gesundheitsbewusstsein noch weiter verbreiten.“
Erfolgreicher Probegalopp
Im vergangenen Jahr lief das Projekt erstmals an. Sechs Gemeinden (Ottenschlag, Kapelln, Neuhofen/Ybbs, Gaweinstal, Hochneukirchen-Gschaidt und Jaidhof) nahmen daran teil und befinden sich momentan noch mitten in der Umsetzungsphase. Der Tenor ist einhellig: Alle Gemeinden resümieren die bisherige Teilnahme am Projekt positiv. „Ich bin sehr froh, dass wir mitgemacht haben. Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen das Projekt voll mit. Ein besonderer Vorteil war, dass die einzelnen Abteilungen etwas übereinander erfahren haben. Das trägt zur Sensibilisierung bei und zum Verständnis untereinander. Wir sind zu sehr vielen neuen Erkenntnissen gelangt. Man kann sagen: Wir sind eine sehr aktive »Gesunde Gemeinde« und die betriebliche Gesundheitsförderung hat dies noch verstärkt“, freut sich Neuhofens Bürgermeister OSR Gottfried Eidler. Auch in Jaidhof ist man von den Projektinhalten begeistert: „Durch dieses Projekt wird aufgezeigt, dass es einfache, alltägliche Dinge sind, die das Betriebsklima und die gemeinsame Zusammenarbeit positiv beeinflussen und fördern können“, erklärt Bürgermeister Franz Aschauer. Rameder freut sich über die Unterstützung der Gemeindechefs: „Dies verdeutlicht einmal mehr die Wichtigkeit der Mitarbeiter.“
Nächste Generation startet
Nun startet der nächste Projektdurchlauf, bei dem weitere Gemeinden mitmachen können. Voraussetzung ist die Zertifizierung als »Gesunde Gemeinde« und die Beschäftigung von mindestens 20 Mitarbeitern. Der Projektprozess ist kostenlos, für die Umsetzung der Maßnahmen ist die Gemeinde selbst verantwortlich. Es kann jedoch bei der Initiative »Tut gut!« finanzielle Unterstützung beantragt werden. Das Projekt läuft über eine Dauer von etwa zwei Jahren. Gesucht werden acht neue Gemeinden. Melden Sie sich bis spätestens 31. Oktober 2014 an – für ein Mehr an Gesundheit am Arbeitsplatz.
Maßnahmen in den Gemeinden
Auszug einiger Aktivitäten, die seit Einführung des Projekts »Betriebliche Gesundheitsförderung im Gemeindedienst« gelaufen/geplant sind:
Gaweinstal
- wöchentliche Dienstbesprechungen mit Möglichkeit zum Gespräch mit dem Bürgermeister
- Teambuilding: gemeinsamer Ausflug aller Gemeindeabteilungen
- personelle Unterstützung bei Grabarbeiten für den Friedhof
- Kosten für den Ankauf eines Stelzenbaggers für Grabarbeiten in den Friedhöfen im Budgetvoranschlag 2015 berücksichtigt
- Ankauf einer neuen Reinigungsmaschine in der Schule
- Berücksichtigung der Kosten für eine Klimatisierung des Gemeindeamts im Budgetvoranschlag 2015
- Ergonomie am Arbeitsplatz: Verbesserungen geplant im Bereich der Helligkeit des Arbeitsplatzes, Sitzgelegenheiten in Kindergärten, Entspannungsangebot für den Arbeitskreis »Gesunde Gemeinde« (in Kooperation mit der FH Wiener Neustadt)
Hochneukirchen-Gschaidt
- Tätigkeitsbericht der Gemeindemitarbeiter in der Gemeindezeitung
- Gestaltung eines Folders für den Arbeitskreis »Gesunde Gemeinde«
- Umgestaltung des Eingangsbereiches im Bürgerservice-Büro
- Sicherheitsverbesserung für Bauhofmitarbeiter im Umgang mit Problemstoffen
- Organisation eines regionalen Vernetzungstreffens für Kindergartenbetreuerinnen
- Anschaffung einer Waschmaschine für den Kindergarten
- Stärkung und Verbesserung der internen Kommunikationsstrukturen
Jaidhof
- regelmäßige Abstimmung von Bauhof und Amtsleiter bezüglich Arbeitsaufträgen
- Umsetzung eines Dokumentations- und Ablagesystems in Planung
- Verbesserung derProtokollführung von Besprechungen
- Ankauf eines handlichen Staubsaugers für den Kindergarten
- 2015: neue Fenster im Kindergarten
- gemeinsame Mitarbeiterausflüge in Planung
- Organisation eines achtstündigen Erste-Hilfe-Kurses für Mitarbeiter und Arbeitskreis »Gesunde Gemeinde«
- Anschaffung von vier Bürosesseln fürs Sekretariat
- Neugründung des Arbeitskreises »Gesunde Gemeinde« in Planung
- Ankauf eines Aufwischwagens fürs Gemeindeamt Kapelln
- externe Reinigungsfirma für schwer zugängliche Fenster in Volksschule und Kindergarten
- Rückengymnastikkurs für Mitarbeiter
- gemeinsame Unternehmungen der Mitarbeiter
- regelmäßige Arbeitsmeetings mit „gesunder Jause“
- verbessertes Fahnenmastsystem
Neuhofen/Ybbs
- Einführung 14-tägiger Arbeitsmeetings für Mitarbeiter und Führungskräfte der Verwaltung
- Planung gemeinsamer Ausflüge und Teambuilding-Aktivitäten
- regelmäßige Kolumne in der Gemeindezeitung zur Information über die Tätigkeiten der Gemeindemitarbeiter
- Veranstaltung eines „Willkommensfestes“ des Arbeitskreises »Gesunde Gemeinde«: Informationen zur kommunalen Gesundheitsvorsorge
- externe Reinigungsfirma für schwer zugängliche Fenster in Volksschule und Kindergarten
- Renovierung des Schlagzeugraumes in der Musikschule
- Headset für Gemeindesekretärin
- Einkauf von Regenjacken für die Bauhof-Mitarbeiter
Ottenschlag
- Anschaffung von komfortablem Schuhwerk für körperlich belastete Mitarbeiter
- Ergonomieberatung
- Planung eines Kommunikationstrainings und von Workshops zur Verbesserung der Kommunikation
- verbesserte Koordination von Grundreinigung und Umbauarbeiten in der Hauptschule
- genauere Kontrolle der Öffnungszeiten
- Jugendworkshop zur Einbindung der Jugend in den Arbeitskreis »Gesunde Gemeinde«
- Betriebsausflüge zum Teambuilding geplant (Gemeinde und Arbeitskreis »Gesunde Gemeinde«)
»Betriebliche Gesundheitsförderung im Gemeindedienst«
In sieben Stationen zum Ziel:
- Information und Ist-Erhebung: Alle Mitarbeiter werden über das Projekt informiert und zur Ist-Situation am Arbeitsplatz schriftlich und anonym befragt.
- Führungskräftegespräche: Die Moderatorinnen und Moderatoren führen mit allen Führungskräften Einzelgespräche durch, bei denen die eigenen Ressourcen und Belastungen und die der Mitarbeiter ermittelt werden.
- Gesundheitszirkel: Nach den Einstiegsgesprächen bilden die verschiedenen Abteilungen der Gemeinde und der Arbeitskreis »Gesunde Gemeinde« jeweils eigene Gesundheitszirkel. Innerhalb dieser Arbeitsgruppen werden Ideen entwickelt, konkrete Umsetzungsvorschläge gesammelt und daraus Maßnahmen erarbeitet.
- Zusammenführungsworkshop: Die Ergebnisse aus den Gesundheitszirkeln und den Führungskräftegesprächen werden sichtbar gemacht. Führungskräfte und Mitarbeiter besprechen gemeinsam, welche Maßnahmen von wem und wann umgesetzt werden.
- Umsetzungsphase: Innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate werden die erarbeiteten Maßnahmen eigenverantwortlich umgesetzt. Als Ansprechperson steht die Moderatorin zur Verfügung.
- Zielerreichungsworkshop: Es erfolgt eine Reflexion des Projekterfolgs. Um mögliche Änderungen aufzuzeigen, wird die bereits am Beginn des Projekts durchgeführte Befragung ein zweites Mal vorgenommen.
- Abschluss: Im Zuge des Abschlussgesprächs wird das gesamte Projekt nochmals mit Bürgermeister, Amtsleitung, Arbeitskreisleitung und Moderatorin besprochen.
Informationen & Anmeldung: Tel.: 02742/9011-14401, christa.rameder
noetutgut.at, www.noetutgut.at





