Ein besonderes Kind
Eine Mutter hat mir die folgenden Gedanken für und über ihre Tochter geschenkt und ich darf sie Ihnen mit ihrem Einverständnis weiterschenken:
Eine Mutter hat mir die folgenden Gedanken für und über ihre Tochter geschenkt und ich darf sie Ihnen mit ihrem Einverständnis weiterschenken:
Wenn man ein Baby bekommt, ist es so, als ob man sich auf eine fantastische Reise begibt – nach Italien. Man kauft Reiseführer und macht wundervolle Pläne. Das Kolosseum. Michelangelo, ein paar Wörter auf Italienisch. Kurz: Es ist eine sehr schöne Zeit. Nach einigen Monaten packst du deine Koffer. Das Flugzeug landet. Die Stewardess kommt und sagt: „Willkommen in Holland“.
Ich landete irgendwo in Sibirien. Holland kam später. Viel später. Sibirien. Was um alles in der Welt sollte ich da? Du wurdest im Juni geboren. Eine unkomplizierte und rasche Geburt. Du bist unser zweites Kind und die Freude war riesengroß. Bis zur Untersuchung des Kinderarztes. Von da an war alles anders.
Alleine der ausgesprochene Verdacht zog mir den Boden unter den Füßen weg. Das konnte nicht sein. Das trifft doch immer andere. Andere, die damit besser klarkommen, die damit umzugehen wissen. Andere, denen man mitleidige Blicke zuwirft und im selben Moment dankbar darüber ist, „davon“ nicht selbst betroffen zu sein. Dieses Mal nicht.
Du kamst in unsere Familie mit der Diagnose „Down-Syndrom“. Ich gestehe, ich war total überfordert. Babys werden jeden Tag geboren. Und jeden Tag strahlt das Herz einer Mutter mit dem Lächeln seines Neugeborenen mit. Mein Herz konnte nicht strahlen. Dafür strahlte deines umso heller.
Du musstest operiert werden, nicht sofort, aber bald. Dein Herz hatte zwei Löcher, ein kleines im Vorhof und ein sehr großes zwischen den Hauptkammern. Wie kann ein so kleines Herz ein so großes Loch haben? Eine Fülle von medizinischen Fachausdrücken flog mir um die Ohren. Viele
Fragen, die mich quälten. Viele Fragen, keine Antworten. Jetzt bist du schon acht Jahre alt. Viele Höhen und Tiefen liegen hinter uns und so manche – schier unüberwindbare – Hindernisse haben wir zusammen gemeistert.
Ich weiß, du wirst den Anforderungen in unserem Leistungskatalog nicht gerecht werden. Aber du, meine liebe kleine Maus, mit deiner entwaffnenden Herzlichkeit, bist uns unendlich weit voraus.
In diesem Sinne ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!
Kolumne von
Mag. Gabriela Peterschofsky-Orange
NÖ Kinder- und Jugendanwaltschaft
Tel.: 02742/90811
post.kija
noel.gv.at, www.kija-noe.at





