Die Marathonmänner
In den Landeskliniken arbeiten zahllose Menschen im nicht-medizinischen Bereich daran, dass die Patienten rund um die Uhr versorgt werden können – zum Beispiel im Hol- und Bringdienst.
13 bis 15 Kilometer legt Gerhard Krainz pro Tag zu Fuß zurück: treppauf, treppab im Landesklinikum Lilienfeld. Der 51-jährige Türnitzer ist für den Hol- und Bringdienst im Klinikum verantwortlich. Eine Arbeit, bei der er oft ganz schön ins Schwitzen kommt – was ihm für die sportliche Kondition allerdings nicht allzu viel bringt, wie er sagt. Denn Gerhard Krainz steht zwischen seinen „Märschen“ durchs Krankenhaus immer wieder im Lift, oder er wartet vor der Küche auf die metallglänzenden Wagerl mit dem Essen für die Patienten, oder er fährt mit dem spitalseigenen Auto zur Post, oder er kontrolliert die Lüftungszentrale. Essen, Medikamente, Material, Müll und Wäsche fallen in den Zuständigkeitsbereich des Hol- und Bringdienstes.
Seit beinahe 20 Jahren macht er diesen Job, und er macht ihn noch immer mit Begeisterung. Sein Tag beginnt um 6:30 Uhr, Dienstschluss ist um 18 Uhr, drei bis vier Tage in der Woche, je nach Dienstrad. Da kommt in einem „Arbeitsrad“ kilometermäßig schon rund ein Marathonlauf zusammen. Gerhard Krainz mag das: „Es gibt nix Schöneres. Wir haben dann drei bis vier Tage frei, man muss allerdings akzeptieren, dass man jedes zweite Wochenende Dienst hat.“ Krainz wechselt sich mit zwei anderen Männern ab.
Straffer Tagesablauf
In der Früh geht’s gleich los mit dem Rücktransport der geschlossenen Speisewägen in die Küche – sie sind mit dem gebrauchten Geschirr vom vortägigen Abendessen gefüllt. Dann wird der Müll entsorgt, die Schmutzwäsche ins unreine Wäschelager gebracht. Zwischen 8 und 9 Uhr bringt Gerhard Krainz das Frühstück zu den Patienten – beeindruckend, wie er gleichzeitig drei der riesigen Speisewägen schiebt. „Das kann nur ich“, grinst er, und klemmt den dritten Wagen zwischen den, den er schiebt, und den, den er zieht.
Vor dem Mittagessen müssen die Medikamente auf die Stationen gebracht und weiterer Müll entsorgt werden, und wenn die Patienten mit dem Mittagessen beschäftigt sind, hat auch Gerhard Krainz Zeit für eine halbe Stunde Mittagpause. Die genießt er gern auf der Terrasse beim Speisesaal, wenn das Wetter mitspielt.
Am Nachmittag stehen der Rücktransport der Apotheken- und Speisewägen an, die Auslieferung von Getränken und Abendessen und die Kontrolle der Anlagen. Zwischendurch ist er Postfahrer, bringt die Briefpost, etwa Geburtsanzeigen, nach Lilienfeld, holt verschiedene Kleinmaterialien.
Gerhard Krainz ist auch Gefahrengutbeauftragter, verantwortlich für den Sondermüll, der im kleinen Landesklinikum in großen Mengen anfällt: 170 Tonnen Sondermüll werden pro Jahr geholt, vieles geht retour ans Zentrallager in St. Pölten; Nadeln und Spritzen holt ein Entsorger.
Geliebter Radldienst
Zu seinem Job ist Gerhard Krainz durchs Reden gekommen. Der gelernter Kfz-Mechaniker war damals beim ÖAMTC: „Eine Zeit lang hab ich den Spitalstraktor repariert, aber das macht jetzt der Maschinenring. Ich hab die Leute gekannt, die mit dem Auto zur Reparatur gekommen sind, die haben mir erzählt, dass ein Posten frei ist.“ Die jetzige Arbeit hat zwar mit seiner ursprünglichen Profession wenig zu tun, das Dienstrad mit den freien Tagen unter der Woche hat er allerdings schon beim Autofahrerclub geschätzt: „Da kannst was anfangen unter der Woche.“
Zum Beispiel Boden verlegen oder ausmalen, denn der verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder und bald zweifache Großvater ist leidenschaftlicher Häuslbauer und zu Hause „Mädchen für alles“. Der Drei- bis Viertages-Rhythmus zwischen Freizeit und Jobzeit kommt Gerhard Krainz da sehr zugute, wobei der „Marathonmann“ seine freien Tage auch gern mobil nützt, wandert oder mit dem Motorrad fährt, oder sich die Schipisten runterschwingt: „Das ist am Türnitzer Eibl ja leider nur mehr möglich, wenn du zu Fuß raufgehst.“
Was Gerhard Krainz an seinem Beruf neben der Zeiteinteilung noch sehr mag: „Ich hab immer mit Leuten zu tun, bin immer in Kontakt, das schätze ich sehr.“
Dem pflichtet sein Kollege Franz Tröstl voll und ganz bei. Der gelernte Bauspengler arbeitet seit 12 Jahren im Landesklinikum Lilienfeld beim Hol- und Bringdienst: „Wir sind immer im Geschehen, wir sind immer eingebunden, wir erfahren alles, treffen alle, sind die Mittelsmänner, die Kontakt halten.“
Und weil im Landesklinikum Lilienfeld die meisten Patienten ja auch aus der Umgebung sind, kennen Gerhard Krainz und Franz Tröstl viele von ihnen, „da machen wir dann gern ein Plauscherl.“ Und manche Bekannte der beiden warten schon drauf, dass mit dem Essen auch die Neuigkeiten geliefert werden.
Beate Steiner
Was Gerhard Krainz und seine Kollegen pro Jahr transportieren:
- 192.000 Kilo Müll zum Lagerplatz
- 120.500 Kilo Wäsche
- 24.090 Speisewägen
- 143.217 Essensportionen
- 42.000 Liter Mineralwasser
- 5.800 Liter Fruchtsäfte
- 5.200 Wägen mit Medikamenten





