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Der Neue

Landesrat Mag. Karl Wilfing hat die Landeskliniken in seinen Aufgabenbereich übernommen. Nun will er rasch alle Häuser kennen lernen und seinen Beitrag dazu leisten, dass die Patientinnen und Patienten weiterhin bestens versorgt sind.


FOTOS: felicitas matern, land NÖ

Das Landesklinikum Mistelbach kennt Landesrat Mag. Karl Wilfing richtig gut: In den Jahren 2000 bis 2005 war der damalige Bürgermeister von Poysdorf als Gemeindevertreter im Vorstand des damals noch allgemeinen öffentlichen Krankenhauses. Seit der Angelobung der neuen Landesregierung vor wenigen Wochen ist er nun für die 27 Kliniken-Standorte in ganz Niederösterreich zuständig – und besucht sie derzeit der Reihe nach.
„Unsere Kliniken genießen einen hervor­ragenden Ruf, und die Menschen haben das sichere Gefühl, dass sie auch in schwierigen Momenten in den Landeskliniken sicher und geborgen sind. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genießen ein hohes Maß an Vertrauen. Das ist ein großer Schatz. Ich will meinen Beitrag dazu leisten, dass das auch künftig so bleibt“, betont Wilfing.
Sein Bezug in die Landeskliniken ist vielfältig. Oft schon hat er welche besucht, zum Beispiel am Tag der offenen Tür, seine Frau arbeitet als medizinisch-technische Fachkraft im Landesklinikum Mistelbach, und er selbst musste sich nach einem Schiunfall erst vor wenigen Wochen an der Schulter operieren lassen. Derzeit arbeitet er sich
bereits kräftig in die Materie ein. Spitalsärztegesetz, die sich verändernde Bevölkerungspyramide und zahlreiche andere Themen gehören jetzt zu seinem politischen Arbeitsbereich. Nicht unbedingt leichte Kost, oder? Wilfing lacht: „Freunde und Bekannte bewerten mein neues Ressort als Anerkennung meiner bisherigen Arbeit und als Aufwertung.“ Gute Voraussetzungen also für den Start.

Lob für die bisherige Arbeit

Den Weg des Hauses in Mistelbach unter das Dach der NÖ Landeskliniken-Holding hat er noch als Bürgermeister von Poysdorf und als Landtagsabgeordneter mitverfolgt, und damit die Entstehung der NÖ Landeskliniken-Holding 2005 und ihre Entwicklung aus der Nähe betrachtet: „Es ist der Führung der Landes­kliniken und der Holding-Zentrale gut gelungen, 27 sehr unterschiedliche Unternehmenskulturen zusammenzuführen und sie nun nach gemeinsamen Leitlinien und Vorgaben zu führen. So ein Prozess ist schwierig und reich an Klippen und Hindernissen. Aber das Ergebnis spricht für diese Führungskräfte auf den verschiedenen Ebenen. Sie alle können stolz sein, diese Arbeit für den größten Gesundheitskonzern Österreichs geschafft zu haben.“

Vorteile für die Patienten

Eines der Vorzeigeprojekte in den NÖ Kliniken, das der neu zuständige Landesrat besonders schätzt, ist NÖ ELGA – die elektronische Gesundheitsakte. „Was auf Bundesebene noch im Werden ist, haben wir in Niederösterreich bereits zur Verfügung – und das ist ein großer Vorteil für die Patientinnen und Patienten“, weiß Wilfing: NÖ ELGA schafft die Möglichkeit, alle für die Behandlung eines Patienten relevanten Dokumente autorisierten Personen in den 27 Kliniken-Standorten in NÖ elektronisch zur Verfügung zu stellen – und das gesichert und den datenschutzrechtlichen Erfordernissen entsprechend. Was das für Patientinnen und Patienten bringt? „Damit lässt sich die gesamte Behandlung rascher abwickeln, weil alle wichtigen Unterlagen immer zur Verfügung stehen und nicht zum Beispiel wie früher die Röntgenbilder von einem Klinikum ins nächste transportiert werden müssen.“ Außerdem kann ein Arzt zum Beispiel eine Ärztin in einem anderen Klinikum um deren Meinung fragen, weil beide gleichzeitig die Bilder anschauen können. Das ist ein großer Vorteil und eine Möglichkeit, beste Diagnose- und Behandlungsqualität zu sichern. Und es ist eine Entlastung für den behandelnden Arzt in schwierigen Situationen, denn die Zweitmeinung unterstützt ihn in seiner Arbeit.

Datenmengen managen

Hinter NÖ ELGA steht eine ausgeklügelte und gut gesicherte Technik, denn in das Netz kann von außen niemand hinein. Sicherheit ist das oberste Gebot für heikle medizinische Daten. Es gilt aber auch, wahre Datengebirge gut zu managen, denn ein Arztbrief hat zwar nur wenige Kilobyte, jedes elektronische Röntgenbild und noch viel mehr, zum Beispiel Daten aus dem Computertomo­grafen, schlagen sich mit mehreren Hundert Megabype pro Studie nieder. Und pro Monat hat das System über 13.000 behandlungs­relevante Zugriffe zu bewältigen. Wilfing weiß, dass große Anstrengungen bei den Experten in der  Holding-Zentrale und in den Landeskliniken dafür nötig waren, dieses Zukunftssystem zu installieren und zu etablieren. „Der Aufwand lohnt sich aber. Denn so sparen wir uns Mehrfachuntersuchungen und alle Daten stehen jederzeit zur Verfügung – das sind viele Vorteile für Patienten und Behandlungsteams – und nicht zuletzt hilft das auch dabei, effizient und damit günstig zu arbeiten.“
Da bei NÖ ELGA von Beginn an auf internationale Standards und Interoperabilität gesetzt wurde, kann – wenn ELGA Österreich soweit fertig ist – über diesen Weg die Anbindung an den niedergelassenen Bereich sowie die Kliniken benachbarter Bundesländer erfolgen.Überlegungen der Europäischen Union sehen ein europaweites Netz vor, sodass die Röntgenbilder nach dem Unfall in Spanien sofort auch den heimischen Ärzten
vorliegen. Aber das ist tatsächlich noch Zukunftsmusik. In Niederösterreich sind dafür die Weichen aber schon gestellt und die NÖ Landeskliniken sind bereit.

NÖ ELGA

Die NÖ elektronische Gesundheitsakte ist als Pilotprojekt in der Thermen­region gestartet. Mittlerweile können alle 3.000 Ärztinnen und Ärzte der
NÖ Landeskliniken die Befunde der stationären Patienten an allen Klinik­stand­orten einsehen: Arztbriefe, Laborbefunde, Radiologiebefunde und -bilder sind derzeit flächendeckend vorhanden. Im Laufe des Jahres kommen auch sämtliche Pathologie- und Histologiebefunde hinzu. Außerdem können über die Technologie von NÖ ELGA Fremdbefunde erstellt und das Tumorboard (gemeinsame Besprechung von verschiedenen Ärzten bei Krebs-Diagnosen) abgewickelt werden.

Zur Person

Mag. Karl Wilfing ist nun der politisch verantwortliche Landesrat für die NÖ Landeskliniken. Der studierte Politikwissenschaftler und Publizist blickt auf eine lange politische Karriere zurück, einige seiner Stationen: Gemeinde- und Stadtrat (1995–2000) und Bürgermeister in Poysdorf (2000–2011), Bundesrat (1996–2000),  Abgeordneter zum NÖ Landtag (seit 2000),
Landesrat seit 28. April 2011. Der 52-Jährige ist verheiratet und hat drei Töchter.