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Den Körper in Balance bringen

Masseure können mit verschiedenen Techniken gesunden und kranken Menschen zu Gesundheit und Wohlbefinden verhelfen.


FOTOS: Gerald Lechner

War es früher leicht zu definieren, worin die typische Tätigkeit eines Masseurs besteht – der klassischen Massage mit Klopfen, Streichen, Kneten und Vibrieren –, so ist es heute eine wahre Vielfalt an Techniken, die so individuell sind wie die Beschwerden der Patienten selbst. „Der typische Masseur, kräftig, eher stämmig und muskelbepackt – so ist unser Erscheinungsbild in der Bevölkerung verankert, aber es ist mehr als überholt“, lacht Karl Scherz, Leiter der Akademie „Ars Manuum“, auf Deutsch „Kunst der Hände“. Unzählige Masseure sind es, die er schon ausgebildet hat. Frauen wie Männer, große wie kleine und eben auch viele, die so gar nicht der optischen Vorstellung von einem Masseur entsprechen.
War es einst die klassische Massage, die trotz bester Technik doch recht anstrengend im Tagesverlauf für den Masseur wurde, so wechseln sich heute die unterschiedlichen Techniken ab und damit die Belastung für den Behandelnden.

Eine Fülle an Techniken

Die klassische Massage dient als Ganzkörpermassage oder Teilmassage einzelner Körperteile zur Vorbeugung und Behandlung von Verspannungen der Muskulatur und Entspannung. Klopfen, Streichen oder Kneten gehören zu den typischen Techniken. Bei der manuellen Lymphdrainage soll durch spezielle Griffe der Transport der Lymphe in den Lymphgefäßen angeregt werden. Stauungen können behoben werden. Eine weitere Massagetechnik ist die Bindegewebsmassage. Sie wirkt über Hautreize auf die inneren Organe und Nerven. Der Körper soll wieder zur Eigenregulation angeregt werden. Die Fußreflexzonenmassage nützt die Repräsentation der einzelnen Organe auf der Sohle: Jedem Organ wird ein Bereich der Sohle zugeordnet, durch Druck und spezielle Griffe wird so positiv auf die Organe eingewirkt. Die Akupunktmeridianmassage ist eine ganzheitliche Regulationstherapie, die den Energiefluss im Körper harmonisiert und ausgleicht. „Die Techniken und damit verbunden die Möglichkeiten sind unglaublich breit gestreut – so kann sich der Masseur, nachdem er die Methoden gelernt hat, die für ihn am besten passenden heraussuchen und sich spezialisieren“, erklärt Scherz.
Er selbst, einst nach 23 Jahren als Polizist ein Quereinsteiger im Beruf, hat in der Akupunktmeridianmassage seine Lieblingstechnik gefunden. Immer wieder reist er nach China, um noch mehr über diese Therapie zu erlernen. Ein „Menschelektriker“ sei er, erzählt er lächelnd. Den Energiefluss im Körper vergleicht er mit einer Stromleitung: Strom kann nur fließen, wenn alle Kabel richtig funktionieren und keine Sicherung defekt ist. Wenn aber ein Fehler auftritt, dann gilt es, diesen wieder zu reparieren. Und hier setzt die Akupunktmeridianmassage an – Energieblockade suchen, finden und die Energie wieder zum Fließen bringen. „Und dafür muss man kein Muskelprotz sein. Wissen, wie es geht, das muss man“, erklärt Scherz.

Kunst der Hände

An viele seiner Fälle erinnert er sich, manche blieben besonders im Gedächtnis haften. So erzählt er von einem Spieler der Austria Wien, der wegen einer Verletzung ein wichtiges Match versäumt hätte und den er doch noch fit bekam. Genauso gerne denkt er an den alten Mann, der mit Knieproblemen in die Praxis kam und sie dann mit einer geheilten Schulter (und gleichzeitig ohne Knieprobleme) wieder verließ. Und wenn der Masseur so von seinen geheilten Patienten erzählt, da ist sie zu spüren, seine Begeisterung für die „Kunst der Hände“ – nicht umsonst hat er seine Schule so getauft.
Seinen Umstieg vom Polizist zum Masseur hat er nie bereut und möchte Quereinsteigern Mut machen. Künftigen Masseuren rät er, in den Beruf hineinzuschnuppern, sich zu informieren und sich dann in Ruhe für die richtige Schule zu entscheiden. „Das Schöne ist, anderen Menschen helfen zu können, direkt mit den eigenen Händen!“, das ist es, was den Beruf des Masseurs für Karl Scherz ausmacht.

 

Medizinischer Masseur, Heilmasseur und gewerblicher Masseur

Die verschiedenen Berufsbezeichnungen im Bereich des Masseurs wirken für den Laien auf den ersten Blick etwas verwirrend, sind aber bei näherem Betrachten sehr strukturiert und klar definiert.  Im medizinischen Bereich sind es die Berufe Medizinischer Masseur und Heilmasseur, die berechtigt sind, am kranken Patienten nach ärztlicher Anordnung zu arbeiten.
Der Beruf des Medizinischen Masseurs umfasst die Durchführung der klassischen Massage, Packungsanwendungen, Thermotherapie, Ultraschalltherapie und von Spezialmassagen. Die Ausbildung umfasst vom Gesetz her einen theoretischen Unterricht im Umfang von 815 Stunden und eine praktische Ausbildung von 875 Stunden, also gesamt 1.690 Stunden. Je nach Schule kann diese Anzahl aber nach oben verändert sein. Die Dauer der Ausbildung ist meist ein Jahr, innerhalb von drei Jahren muss die Ausbildung vom Gesetz her abgeschlossen werden. Die Voraussetzung für die Ausbildung ist das vollendete 17. Lebensjahr, ein Gesundheitszeugnis über die  körperliche und geistige Eignung, das positive Abschlusszeugnis der 9. Schulstufe und ein polizeiliches Führungszeugnis. Die Unterrichtsfächer reichen von den verschiedensten Massagetechniken über Anatomie und Pathologie bis hin zu Sanitätsrecht und Erste Hilfe, aber auch Packungsanwendungen und Thermo- und Ultraschalltherapie. Die Ausbildung kann auch berufsbegleitend absolviert werden. Eine kommissionelle Prüfung bildet den Abschluss. Medizinische Masseure können im Angestelltenverhältnis in Krankenhäusern und Kuranstalten, bei einem freiberuflich tätigen Arzt oder diplomierten Physiotherapeuten tätig sein. Entscheidend ist, dass sie nur in einem Angestelltenverhältnis arbeiten dürfen.
Möchte sich ein Medizinischer Masseur selbstständig machen, dann ist die Weiterbildung zum Heilmasseur der nächste Schritt. Mit dieser Ausbildung kann er freiberuflich auf Zuweisung des Arztes Behandlungen am Kranken durchführen. Das Gesetz sieht hier 800 Unterrichtseinheiten vor, 720 Theorie und 80 in Form von praktischen Übungen. Das Grundwissen wird erweitert und vertieft. Die Vorbereitung auf die selbstständige Tätigkeit nimmt auch einen wichtigen Teil der Ausbildung ein. So werden auch Betriebsführung, Dokumentation und Kommunikation unterrichtet. Eine kommissionelle Prüfung befähigt zum Führen der Berufsbezeichnung „Heilmasseur“. Die Dauer für diese „Aufschulung“ beträgt rund fünf Monate.
Medizinische Masseure und Heilmasseure können zusätzlich die Spezial­qualifikation in Elektrotherapie (140 Stunden Ausbildung) und Hydro- und Balneotherapie (120 Stunden) erwerben.
Der Gewerbliche Masseur ist für die Behandlung von Gesunden zuständig. Seine Ausbildung wird durch die Gewerbeordnung geregelt und nicht durch das Sanitätsgesetz. Auch hier umfasst die Ausbildung die verschiedenen Massagetechniken, Anatomie und Pathologie, Hygiene und Rechtskunde. Am Abschluss der Ausbildung steht eine Befähigungsprüfung zum Gewerblichen Masseur. Der zweijährige Lehrberuf des Masseurs ist eine zweite Möglichkeit, die Ausbildung zu absolvieren. Er kann in Massage­studios, Hotels, Fitnessstudios und Wellnesseinrichtungen arbeiten. Der entscheidende Unterschied zu den anderen beiden Masseuren ist, dass der Gewerbliche Masseur nicht am Kranken arbeiten darf.
Für alle drei Berufe gibt es eine Fülle von verschiedensten Ausbildungsmöglichkeiten. Individuelle Schwerpunkte, unterschiedlicher Ablauf der einzelnen Module und die Lehrpersönlichkeiten selbst sollten zur eigenen Vorstellung und den persönlichen Wünschen passen. Ein Schnuppertag und genaue Vergleiche sind zu empfehlen.