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Clever wohnen im Passivhaus

Dem Passivhaus gehört die Zukunft, trotzdem ist es mit Vorurteilen belastet. Zu Unrecht.


Foto: fotolia

Passivhäuser sind auf dem letzten Stand der Technik und bieten niedrigste Heizkosten bei höchstem Wohnkomfort. Sie haben eine Energiekennzahl von gerade einmal zehn Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Zum Vergleich: Ein „normales“ Haus Baujahr 1980 verbraucht das 20-Fache. Ein heute übliches Niedrigenergiehaus benötigt fünfmal so viel Energie. Durch den niedrigen Energiebedarf rechnet sich die Investition in ein Passivhaus langfristig auch finanziell. Der hohe Wohnkomfort macht sich hingegen sofort bezahlt, denn die gut gedämmten Wände eines Passivhauses bieten im Innenraum angenehm warme Oberflächentemperaturen. Große Südverglasungen fangen im Winter die Sonnenenergie ein, sorgen für viel Tageslicht und erweitern den Wohnraum hinaus in die Natur.
Trotzdem stehen manche dem Passivhaus skeptisch gegenüber: Viele Menschen meinen, dass es wegen der Lüftungsanlage verboten ist, die Fenster zu öffnen. Oder dass ein Passivhaus keine Heizung haben darf und ein Flachdach benötigt. Diese Befürchtungen sind falsch, „Mythen“ sozusagen.

Mythos 1: Die Fenster dürfen nicht geöffnet werden

Falsch: Die Fenster kann man jederzeit öffnen. Man muss aber nicht: Die Komfortlüftung sorgt für frische Luft rund um die Uhr – vollkommen automatisch. Gerade im Winter wirkt sich das sehr positiv aus, denn in der kalten Jahreszeit wird viel zu selten gelüftet. Studien belegen, dass die Luft im Schlafzimmer schon nach zwei Stunden die empfohlenen Grenzwerte überschreitet. Und wer steht schon in der Nacht auf und öffnet das Fenster? Dl Andrea Kraft von der Energieberatung NÖ: „Mit einer Lüftungs­anlage muss man ans Lüften gar nicht mehr denken, auch Schadstoffe und Feuchtigkeit werden laufend abgeführt. Für Allergiker gibt es spezielle Filter, die Pollen draußen halten.“

Mythos 2: Ein Passivhaus hat keine Heizung

Falsch: Auch ein Passivhaus wird geheizt, allerdings kann die Heizung im Passivhaus viel kleiner ausfallen – spezielle Systeme sind hier gefragt. Meistens wird die Heizung gleich mit der Komfortlüftungs­anlage verbunden – Kombigeräte erledigen Lüftung, Heizung und Warmwasser. Die Wärmeverteilung erfolgt im Idealfall über Heizflächen (z. B. Wand­heizung) und über die Zuluft der Lüftungsanlage. Wichtig ist, den Grundriss so zu gestalten, dass sich die Wärme gleichmäßig im Haus verteilen kann. Der Vorteil: Ein Passivhaus hat eigentlich immer Wohlfühltemperatur, was vor allem an der guten Dämmung und der luftdichten Bauweise liegt. Denn die Dämmung sorgt dafür, dass die Oberfläche der Innenwände angenehm warm ist, große kalte Flächen gehören der Vergangenheit an. Die luftdichte Bauweise verhindert unangenehme Zugluft sowie Bauschäden und Wärmeverluste.

Mythos 3: Passivhäuser sehen aus wie eine Schuhschachtel

Falsch: Passivhäuser können auch mit einer klassischen Dachform geplant werden, es muss nicht immer ein Flachdach sein. Kraft: „Dachform und
Baumaterial kann man frei wählen. Ob Sattel- oder Pultdach, Ziegel- oder Holzkonstruktion ist egal. Wichtig ist eine gute Planung und eine saubere Ausführung.”
Holen Sie sich Ihre Energieberatung!
In der Planungsphase kann man den Energie­verbrauch und die Errichtungskosten am besten optimieren. Eine Energieberatung hilft bei Grundsatz­entscheidungen und behandelt Themen wie Energiekennzahl, Fenster, Heizsystem, Wärmedämmung und Ausrichtung. Die Energieberatung NÖ bietet kostenlose Neubauberatungen (1,5 bis 2 Stunden) im Büro eines Energieberaters an. Anmeldung über die Hotline der Energieberatung NÖ unter der Telefonnummer 02742/22144.

Förderung für Ihr Passivbau-Eigenheim

Die NÖ Wohnungsförderung ist neben ihrer Bedeutung für Umwelt- und Klimaschutz in ihrer Grundkonzeption ein soziales Instrument und sieht spezielle Förderungen für Familien vor. Voraussetzung für die Zuerkennung ist ein Mindeststandard beim Heizwärmebedarf: Die Energiekennzahl darf höchstens 10 kWh/m2 pro Jahr, bezogen auf das Referenzklima von 3.400 Kd/a, betragen. (Berechnungsmethode gemäß Richt­linie 6 des Österreichischen Institutes für Bautechnik – OIB).
Die Förderung erfolgt in Form eines Darlehens des Landes Niederösterreich in der Höhe von 50.000 Euro. Die Laufzeit beträgt 27,5 Jahre und ist mit einem Prozent jährlich im Nachhinein verzinst. Für die Errichtung einer Photovoltaikanlage gibt es zusätzlich 10.000 Euro Förderung.
Bei Unterschreitung der Einkommensgrenze wird die Familienförderung zusätzlich zuerkannt. Das Wohnbauförderungsdarlehen (beim Passivhaus 50.000 Euro) erhöht sich, gestaffelt nach der Anzahl der zum Haushalt gehörenden Kinder

  • für das erste versorgungsberechtigte Kind um 8.000 Euro
  • für das zweite Kind um 10.000 Euro
  • und ab dem dritten Kind um jeweils 12.000 Euro.

Für Jungfamilien bleiben die 4.000 Euro zusätzlich aufrecht. Das bedeutet, die Familienförderung richtet sich nach der Familiensituation.
Wenn Lagequalität, Infrastruktur und Bebauungsweise bestimmte Voraussetzungen erfüllen, gibt es einen weiteren Betrag von bis zu 4.500 Euro zusätzlich. Beispiel:  Eine Jungfamilie mit zwei Kindern erhält als fixen Darlehensbetrag 50.000 Euro für die Energiekennzahl von 8 kWh/m2 pro Jahr. Da die Einkommensgrenze unterschritten wird, erhält sie aus der Familien­förderung 22.000 Euro. Wegen der Auswahl des Baugrundstückes können zusätzlich 4.500 Euro zugesprochen werden. Ergibt ein Wohnbaudar­lehen von insgesamt 76.500 Euro.

 

Passivhaus: Ein Haus, das fast keine Heizenergie benötigt, mit Komfort­lüftung und mit einem sehr kleinen Heizsystem – ob Fußboden-, Wand- und/oder Luftheizung spielt keine Rolle. Es bietet hohen Wohnkomfort und vor allem viel Licht durch große, südliche Verglasungen.

Plusenergiehaus: Ein Plusenergiehaus ist ein Passivhaus, das mehr Energie erzeugt als verbraucht. Das funktioniert mit aktiver Nutzung der Sonnenkraft durch Solaranlagen , die Strom und Warmwasser erzeugen. Für Photovoltaikanlagen und thermische Solaranlagen gibt es zusätzliche Förderungen. Energieklasse: A++

Niedrigenergiehaus: Niedrigenergiehäuser entsprechen der Energieklasse  B und haben eine Energiekennzahl von unter 50. Das wäre auch ohne Komfortlüftung zu erreichen, was aber auf Kosten des Wohnkomforts geht. Für eine Förderung muss man in Niederösterreich ein gutes Klasse-B-Haus mit einer Energiekennzahl von maximal 45 bauen. Diese Grenze wird in Zukunft weiter sinken.

Niedrigstenergiehaus: Niedrigstenergiehäuser sind fast so gut wie Passivhäuser, auch sie haben eine Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung und große, südliche Fensterflächen. Niedrigstenergiehäusern fehlt nicht viel, um ein Passivhaus zu werden, meistens müssten nur Details verändert werden, zum Beispiel mehr Dämmung, bessere Fenster, kompaktere Hülle, kleinere Wärmebrücken, höhere Luftdichtheit. Die Investitionskosten sind ein wenig geringer als bei Passivhäusern, dafür muss etwas mehr geheizt werden. Sie fallen in die Energieklassen A bis A+.

Der Energieausweis

Durch umweltgerechtes, energiesparendes Bauen oder Sanieren Ihres Objektes gewinnen Sie mehrfach. Sie können langfristig von wesentlich niedrigeren Heizkosten und einem höheren Wohnkomfort profitieren – und Sie schonen Umwelt und Klima. Um darstellen zu können, welchen Heizwärmebedarf ein bestehendes oder geplantes Gebäude hat oder nach einer Sanierung haben wird, benötigt man einen Energieausweis. Dieser berücksichtigt die Wärmeverluste an der Gebäudehülle und die Energiegewinne durch Fenster und Glaselemente ins Gebäude. Das Ergebnis ist die Energiekennzahl. Sie gibt an, wie viel Heizwärme ein Objekt im Jahr unter genormten Bedingungen am tatsächlichen Standort benötigt. Eine kleine Energiekennzahl bedeutet wenig Energieverbrauch. Im Energieausweis wird das Haus anhand der Energiekennzahl in eine Energieklasse eingeteilt.
Wer berechnet den Energieausweis? Den Energieausweis erstellen Fachleute, die hierzu gewerberechtlich oder als Ziviltechniker befugt sind, wie Architekten, Baumeister, Zimmermeister, Zivil­ingenieure, technische Büros einschlägiger Fachrichtung.
Als Grundlage für die Zuerkennung einer Wohnbauförderung dient der Energieausweis nach der Berechnungsmethode laut OIB-Richtlinie 6. Für technische Auskünfte zum Energieausweis nutzen Sie die firmenunabhängige Energieberatung der Energie- und Umweltagentur NÖ. Kompetente Berater stehen unter 02742/22144 zur Verfügung.

Informationen zu den NÖ Wohnbauförderungen erhalten Sie bei der NÖ Wohnbau-Hotline unter 02742/22133 (Mo.–Do. 8–16 Uhr, Fr. 8–14 Uhr) sowie im Internet auf www.noe.gv.at und
www.noe-wohnservice.at.
Weitere Informationen zur Energieberatung NÖ erhalten Sie unter Tel.: 02742/22144 (Mo.–Fr. 9–15 Uhr, Mi. 9–17 Uhr) und unter www.energieberatung-noe.at